Porträt

Warum ein Schweizer in Deutschland unentgeltlich den Müll anderer wegräumt

Manuela Rauch

Von Manuela Rauch (dpa)

Fr, 19. Februar 2016

Panorama

Was andere fallen lassen, räumt er auf. Seit mehr als 20 Jahren entsorgt Daniele Rohner den Unrat anderer Leute – in seiner Freizeit. Derzeit befreit der Schweizer das bayrische Zusmarshausen vom Müll. Der Bürgermeister ist begeistert.

Schon zum zweiten Mal dreht Daniele Rohner seine Runde. Das erste Mal war nach dem Frühstück, da war es noch dunkel. Jetzt ist es fast Mittag, und bald beginnt Rohners Schicht bei der Arbeit. Doch vorher macht der 43-Jährige noch einmal die Hauptstraße sauber. Seit rund 20 Jahren sammelt der Schweizer in seinen Wohnorten den Müll anderer Leute ein – unentgeltlich in seiner Freizeit.

Seit wenigen Wochen lebt Rohner in Zusmarshausen (Landkreis Augsburg) und sorgt dort für Ordnung. Bürgermeister Bernhard Uhl ist begeistert und hat dem Neubürger gleich das passende Werkzeug geschenkt.

Für sein Engagement bekommt Rohner kein Geld, das will er auch gar nicht. Der Eidgenosse will vielmehr ein Zeichen setzen, dass man auch ohne Gegenleistung etwas für die Gemeinschaft tun kann. Der Metallbauer, der bei einem Fahrzeugausstatter arbeitet, läuft in seiner Freizeit mit der Tüte in der Hand auf und ab und klaubt Zigarettenkippen oder Papierschnipsel penibel von den Gehwegen. Bis zu drei Stunden sei er jeden Tag unterwegs, sagt er. "Ist doch besser, als vor dem Fernseher oder Computer zu sitzen."

Die Hauptstraße ist sein Revier, hier fällt der meiste Dreck an. Rund zwei Kilometer schlängelt sie sich durch den Ort. Rohner geht mehrmals täglich durch. "Wenn ich hinten angekommen bin, liegt vorne wieder alles voll", stellt er fest. "Das Problem ist der Durchgangsverkehr." Zusmarshausen liegt an der A 8, Tausende Fahrzeuge fahren jeden Tag durch. Rohner hat eine Vermutung:"Die Leute kommen nicht von hier, es kümmert sie vielleicht nicht so, wenn sie etwas aus dem Autofenster werfen."

Der ehrenamtliche Müllmann zückt die Kneifzange: "Nichts ist zu klein, um mein zu sein." Das Profi-Werkzeug hat er von Rathauschef Uhl bekommen. Der CSU-Politiker traf Rohner das erste Mal in seiner Mittagspause. Uhl joggte, der Schweizer räumte auf. "Ich war schon etwas verwundert", erzählt der Bürgermeister. Als Rohner begriff, wer ihm da in Laufklamotten gegenüberstand, fühlte er sich peinlich ertappt. "Er erzählte sofort, dass er bei der Gemeinde gefragt hätte, ob das Sammeln in Ordnung geht", erinnert sich Uhl. Als müsste das genehmigt werden.

Der Bürgermeister ist Feuer und Flamme für den Schweizer und bestellt ihn noch am gleichen Tag ins Rathaus. Nach einem gemeinsamen Foto drückt Uhl ihm Warnweste, Plastikhandschuhe und die Kneifzange in die Hand. "Solche Menschen gibt es ganz selten", sagt der Bürgermeister voller Bewunderung. Rohner sei hoffentlich ein gutes Beispiel für alle, die zu faul sind, den nächsten Mülleimer zu benutzen. Und der Schweizer ist glücklich über seine neue Ausstattung. Jetzt muss er sich zum Aufheben des Abfalls nicht mehr bücken. "Das ging auf den Rücken."