Lesetipp

Perspektive für die Pandemie

Carolin Buchheim

Von Carolin Buchheim

Sa, 01. August 2020

Literatur & Vorträge

Digitalredakteurin Carolin Buchheim empfielt Laura Spinneys Sachbuch "1918 - Die Welt im Fieber. Wie die Spanische Grippe die Gesellschaft veränderte".

100 Jahre nach der Spanischen-Grippe-Pandemie, die weltweit wohl rund 50 Millionen Menschen tötete, veröffentlichte die britische Wissenschaftsjournalistin Laura Spinney 2018 ein Sachbuch zum Thema, das packend geschrieben ist wie ein Thriller. Mit sorgfältig recherchierten Details beschreibt Spinney, wie die Grippe-Pandemie die Welt veränderte – in New York genau so wie in Rio de Janeiro, in Dörfern in Alaska und dem iranischen Maschhad. Warum lohnt es sich, mitten in der Pandemie ein Buch über eine andere Pandemie lesen? Bei der Lektüre wird schnell klar: Alle Lösungen, Debatten und Probleme, die Sars-CoV-2 verursacht hat, sind schon einmal dagewesen: Social Distancing, Schulschließungen, Maskenpflicht und Veranstaltungsabsagen und sogar wirkungslose Malaria-Mittel, die von Nicht-Medizinern als Heilung angepriesen werden. Man schüttelt bei der Lektüre immer wieder den Kopf und begreift: Was gerade passiert, ist größer als wir. Und auch die Pandemie, die wir gerade erleben, wird die Welt verändern.

Laura Spinney: 1918 – Die Welt im Fieber. Aus dem Englischen von Sabine Hübner. Carl Hanser Verlag, München 2018. 384 Seiten, 26 Euro
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