Generalversammlung

Weinbau- und Vertriebsgenossenschaft Pfaffenweiler strebt Liquidation an

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Di, 17. September 2019 um 12:59 Uhr

Pfaffenweiler

Im Mittelpunkt der vergangenen Generalversammlung stand die Zukunft der Genossenschaft. Weil es nichts mehr zu tun gibt, haben die Mitglieder über zwei Vorschläge diskutiert.

Nur eine Hand voll Mitglieder der einst zur "Förderung des Weinbaus am Ort" ins Leben gerufenen Genossenschaft waren zur Generalversammlung gekommen, obwohl in deren Mittelpunkt die Aussprache über die Zukunft eben jener Genossenschaft stand.

Vom ehemals breiten Aufgabenspektrum des Appendix der Winzergenossenschaft Pfaffenweiler ist seit Jahren lediglich die Vermietung zweier Immobilien sowie einer darauf angebrachten Photovoltaikanlage übrig geblieben.

Schwindende Aktivitäten, schwindende Aufgaben

Ein Gutteil der Probleme einer Genossenschaft mit schwindenden Aufgaben wurde gleich zu Beginn der Versammlung deutlich: schwindende Aktivitäten nämlich. Statt, wie vorgeschrieben, einmal jährlich, hatten sich die Mitglieder der Weinbau- und Vertriebsgenossenschaft zuletzt im Jahre 2016 zur ordentlichen Generalversammlung zusammengefunden. Dies hatte nicht nur zur Folge, dass Vorsitzender und Weinhaus-Geschäftsführer Stefan Männle nun gleich drei Jahresabschlüsse vortragen musste, sondern auch, dass sich die Genossenschaft seitens des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes (BWGV) etliche Rügen wegen fehlender jährlicher Sitzungen oder wachsender Entfernung vom eigentlichen, satzungsgemäßen Geschäftsfeld eingefangen hatte.

Zu dem Aufwand der jährlichen Abhaltung von inzwischen nahezu inhaltsleeren Generalversammlungen käme vor allem ein finanziell nicht mehr in Relation zur Tätigkeit der Genossenschaft stehender buchhalterischer Aufwand, so Männle zum weiteren Dilemma. "Wir wenden viel Energie auf und kriegen nachher trotzdem Vorwürfe", fasste er zusammen.

Gegründet worden war die Weinbau- und Vertriebsgenossenschaft in Folge der Entstehung der Winzergenossenschaft Pfaffenweiler in den 50er Jahren, blickte Viktoria Bösch zurück, die seit 1956 dort tätig und auch nach ihrer Pensionierung im Jahre 2001 noch etliche Jahre deren Vorsitzende gewesen war.

Schwierige Nachmietersuche

Der damalige Verbandsprüfer habe aus steuerrechtlichen Motiven zur Gründung geraten, um einige Geschäftszweige wie Versektung, Rotweinzukauf sowie den Ankauf von Gläsern oder Verpackungsmaterial auszulagern, wusste Zeitzeugin Bösch zu berichten. Letztlich sei die Weinbau- und Vertriebsgenossenschaft jedoch laufend von der WG bezuschusst worden. "Es war alles ein Topf", so Bösch.

Nicht zuletzt mit der Ende der 90er Jahre für die Aufgabe Vertrieb ins Leben gerufenen WG-Tochtergesellschaft "Winzerforum oppenvvillare GmbH", die 2004 in "Pfaffenweiler Weinhaus GmbH" umgetauft wurde, erfuhr das eigentliche Aufgabenspektrum der Weinbau- und Vertriebsgenossenschaft einen herben Einschnitt.

"Heute macht das Weinhaus die Tätigkeit, die früher die Weinbau- und Vertriebsgenossenschaft machte", fasste Stefan Männle die Entwicklung zusammen. Zudem hatten in den genossenschaftseigenen, unmittelbar an die WG-Gebäude angrenzenden Immobilien Mieterwechsel stattgefunden, die Nachmietersuche sich nicht ganz einfach gestaltet, berichtete Männle weiter. Anstelle der Volksbank habe man schließlich die Sparkasse gewinnen können. Wo bis 2016 der Landhandel Mayer untergebracht war, sind inzwischen die Geschäftsräume einer Werbeagentur, was mit nicht unerheblichen Umbaukosten verbunden gewesen sei, wusste der Vorstand. Kaufinteressenten indes habe man eine klare Absage erteilt.

Zwei mögliche Lösungen

Heute nun, wünschte sich Stefan Männle, solle, vor allem auch aus Fairness gegenüber den älteren Mitgliedern, die von einer möglichen Ausschüttung noch profitieren sollten, wenn möglich ein vorläufiger Knopf auf die Sache. Lösung Nummer eins, eine Fusion von WG und Weinbau- und Vertriebsgenossenschaft sei schon deshalb schwierig, weil nicht alle Mitglieder der Weinbau- und Vertrieb auch Mitglieder der WG seien, erläuterte Stefan Männle.

Lösung Nummer zwei könne die Liquidation der Weinbau- und Vertriebsgenossenschaft sein. In diesem Zuge würde jedem Mitglied sowohl ein Anteil aus dem Kassenbestand von derzeit rund 120.000 Euro sowie dem Buchwert der Immobilien ausgezahlt. Diese würden dann zu eben jenem Buchwert in den Besitz der Pfaffenweiler Weinhaus übergehen. "Man könnte auch den Verkehrswert ansetzen, aber das würde der Situation nicht gerecht", fand Stefan Männle.

"Es gibt keine Zukunft im Sinne der bestehenden Satzung. Eigentlich haben wir nichts mehr zu tun", fasste ein Genosse die Situation zusammen. Seine Mitgenossen sahen dies offensichtlich ähnlich. Einstimmig wurde beschlossen, Lösung Nummer zwei zeitnah durch den BWGV juristisch prüfen zu lassen. "Es wäre schön gewesen, wenn heute Abend mehr Mitglieder gekommen wären", bedauerte Stefan Männle die Tatsache, dass nur ein Dutzend der derzeit noch rund 60 Mitglieder den Weg zur gewichtigen Generalversammlung gefunden hatten.

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