Pflanzen mit heilender Wirkung

Ursula Harder

Von Ursula Harder

Do, 19. August 2021

Lenzkirch

An Mariä Himmelfahrt ist es Brauch, Kräuterbuschen zu weihen.

Mariä Himmelfahrt ist nur im Saarland und in katholisch geprägten Gemeinden Bayerns ein gesetzlicher Feiertag. Trotzdem wird der 15. August in vielen Ländern Europas mit Kräuterweihen gefeiert. In einigen Legenden wird Maria immer wieder mit Blumen und Kräutern in Verbindung gebracht. Auf diese Weise entstand der Brauch, bestimmte Heilkräuter zu einem Strauß zusammen zu binden und weihen zu lassen. Wanderführer Reinhard Rieger vom Schwarzwaldverein Lenzkirch ist es wichtig, dass dieser Brauch weiterlebt.

. Bei traumhaftem Sommerwetter verbrachten am vergangenen Sonntag einige Wanderer und Wanderinnen des Schwarzwaldvereins Lenzkirch zusammen mit einer Abordnung des Schwarzwaldvereins Kandern einen erlebnisreichen Tag im Hochschwarzwald. Die Besucher aus dem Dreiländereck waren einer Einladung von Wanderführer Reinhard Rieger gefolgt. In regelmäßigen Abständen besuchen sich die Vereine gegenseitig, um Wanderungen in der Region des Gastgebers zu unternehmen. Dieses Jahr hatte sich Reinhard Rieger vorgenommen zu erklären, was es genau mit Mariä Himmelfahrt, genauer gesagt mit dem Brauch der Kräuterbuschen, auf sich hat.

Nach einer Wanderung von Lenzkirch nach Raitenbuch war man Gast auf dem Hof von Rita Hasenkopf, die gerne ihr Wissen und ihre Erfahrung in Sachen Kräuter und ihrer Heilwirkung weitergibt. Für die 15-köpfige Wandergruppe der beiden Schwarzwaldvereine stand bereits ein Tisch mit duftenden Kräutern bereit. Bevor man sich an die Arbeit machte, kredenzte Rita Hasenkopf eine selbstgemachte Kräuter-Pilzsuppe, dazu duftendes Bauernbrot mit Kräuterbutter, welche mit bunten Blütenblättern verziert war – ein wahrer Augen- und Gaumenschmaus.

Nach der Stärkung erklärte Rita Hasenkopf die 18 verschiedenen Kräuter, die sie für die Kräuterbuschen bereitgelegt hatte. "Die Zusammenstellung der Kräuterbuschen kann variieren. Sie sollte aber durch drei teilbar sein, da die Drei als heilige Zahl gilt. Sieben geht auch, sie steht für Vollkommenheit und Fülle", erklärt die Kräuterexpertin. "In die Mitte kommt die Königskerze, sie ist eine Schutzpflanze und soll vor Blitzschlag und Unwetter bewahren", erläutert Hasenkopf. Dazu kommen Gamandersalbei, Rainfarn und Schafgarbe, welche bei Magen-Darm-Beschwerden hilft. Kornblume, Dost, Echtes Labkraut und Johanniskraut sind zur Stimmungsaufhellung und Wundheilung.

Kraft der Kräuter war für viele unverzichtbar

Hafer oder eine andere Getreideart symbolisieren eine ausreichende Versorgung mit Nahrung. Spitzwegerich stillt den Husten, Herzgespann wirkt beruhigend. Heidekraut und Kleines Weidenröschen bringen Farbe in den Buschen. Wegwarte, Teufelsabbiss, Beifuß, Eisenkraut und Muskatellersalbei komplettieren den Strauß, der mit einer Schlaufe zum Aufhängen versehen wird.

Für die ländlich und fromm geprägten Menschen war die Kraft der Kräuter unverzichtbar. Arzt, Krankenhaus oder der Tierarzt waren weit entfernt oder unbezahlbar. Die Menschen waren naturverbundener und wussten um die Heilkraft der Kräuter. Wurde im Laufe des Jahres jemand krank, entnahm man dem Buschen das entsprechende Kraut und bereitete daraus einen Tee oder Sud für Umschläge. Erkrankten Tieren mischte man das Kraut einfach unters Futter.

Zufrieden mit der eigenen "Kräuterbuschen-Kreation" machte sich die Gruppe auf zur Wildenhofkapelle. Eingebettet in eine kurze Andacht nahm Pfarrer Schuler aus Kappel die Weihe vor und fand die passenden Worte für diesen schönen Brauch. "Die Heilkräuter hat uns Gott zum Geschenk gemacht", so der Geistliche. "Im nächsten Sommer werden die trockenen Kräuterbuschen bei der Sonnwendfeier ins Feuer geworfen", erklärte Reinhard Rieger und hoffte, dass die Kräuterbuschen aus dem Schwarzwald ein schönes Plätzchen in den Häusern und Wohnungen finden werden.