Pläne zum Malteserschloss

Ralf Strittmatter

Von Ralf Strittmatter

So, 19. Mai 2019

Heitersheim

Der Sonntag In Heitersheim standen Investoren Hodeige und Wang den Bürgern Rede und Antwort.

Das Malteserschloss Heitersheim soll in privater Hand zum englischsprachigen Internat werden: In einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats stellten der Freiburger Verleger Christian Hodeige und einer der chinesischen Geschäftspartner, Mark Wang, am Dienstag ihre Pläne vor.

Auf die Nachricht, dass das Malteserschloss an zwei chinesische Investoren und den Verleger der Badischen Zeitung , Christian Hodeige, verkauft und eine Privatschule werden könnte, reagierten viele Heitersheimer überrascht. Schon kurz danach gründete sich eine Bürgerinitiative und warnte vor dem Verkauf des Kulturdenkmals an ein privates "Investorenkonsortium".

Am Dienstag kamen die Kaufinteressenten Hodeige und Mark Wang in den Bürgersaal der Malteserhalle nach Heitersheim, um im Gemeinderat ihre Pläne vorzustellen. Das Interesse an der öffentlichen Sitzung war groß: Alle 130 Stühle waren besetzt. Schon in der Fragerunde zu Beginn zeigten die Einwohner, dass noch Klärungsbedarf besteht, und stellten ausschließlich Fragen zum Schloss: Wer sind die Investoren? Wo ist der Sitz der Gesellschaft? Welche Rolle spielt Hodeige? Bürgermeister Martin Löffler machte an dieser Stelle bereits klar: "Wir müssen alle zustimmen." Wenn die Bürger die Privatschule nicht wollten, komme sie nicht.

Den Vorbehalten begegnete Hodeige sachlich. Er und seine Geschäftspartner sähen in der Region mit Betrieben wie dem Fraunhofer- und dem Max-Planck-Institut Bedarf für eine englischsprachige Schule: "Viele Mitarbeiter kommen befristet in die Region und wollen ihre Familien mitbringen." Nach anfänglicher Suche in Freiburg seien Hodeige und seine Partner vom Malteserschloss als möglichem Standort sofort begeistert gewesen.

Dort wollen die Investoren eine Schule für die Oberstufe, elfte und zwölfte Klasse, einrichten. Schon ab 2022 könnten erste Schüler in Heitersheim das internationale Baccalaureat absolvieren, vergleichbar mit dem Abitur. Dafür müssen die rund 300 Schüler auf dem Schlossareal leben. Auch Lehrerwohnungen sind nach ersten Entwürfen des Freiburger Architekturbüros Hotz geplant. Ein konkretes Konzept gibt es noch nicht. In die Schule sollen nach Hodeiges Schätzung zwischen 18 und 25 Millionen Euro fließen. Zudem soll eine Betreibergesellschaft, voraussichtlich mit Sitz in Heitersheim, gegründet werden, mit Hodeige als Mehrheitseigner und den beiden chinesischen Partnern.

Keine chinesischen Haifisch-Investoren

Derzeit ist das Malteserschloss im Besitz des Freiburger Vinzentinerinnenordens. Dieser hat sich 2013 zum Verkauf des Objekts entschieden, weil es den Orden über kurz oder lang nicht mehr geben wird, wie Ordensvertreter Heinzpeter Schmieg im Gemeinderat sagte: "Der Altersdurchschnitt der 113 Schwestern liegt bei 81 Jahren." Für den Verkauf nannte Schmieg als Bedingungen, dass die Nachnutzung dem Sinne des Ordens entsprechen und für Heitersheim verträglich sein soll. Außerdem will der Orden die Gebäude des denkmalgeschützten Schlosses als Gesamtobjekt verkaufen.

Mark Wang als zweiter Investor eigens für die Gemeinderatsitzung in Heitersheim aus China eingeflogen. Hodeige und Wang haben sich über das United World College (UWC) kennengelernt, eine Bildungsbewegung mit derzeit 18 internationalen Schulen weltweit. Hodeige, der sein Abitur am UWC in Kanada absolviert hat und sich seit 1986 ehrenamtlich dafür engagiert, hat Wang am UWC in Norwegen kennengelernt, als der 37-Jährige dort Schüler war. Daraus sei eine Freundschaft entstanden.

Wang erzählte in Heitersheim von seinen Beweggründen für die Schulgründung. Als Zwölf-jähriger habe er einen Flugzeugabsturz überlebt und fünf Jahre in einer Reha-Klinik neu laufen gelernt. In dieser Zeit sei sein größter Wunsch gewesen, eine gute Schule besuchen zu können. In China wollte man ihn aufgrund seiner Körperbehinderung auf eine Sonderschule schicken. Erst ein Stipendium des Norwegischen Königspaars ermöglichte Wang den Besuch des UWCs – das wolle er auch anderen ermöglichen.

Seine beiden Geschäftspartner seien "keine chinesischen Haifisch-Investoren, sondern Profis", sagte Hodeige und appelierte an das Vertrauen der Heitersheimer. Wang habe in China bereits ein UWC gegründet, auch der zweite Partner betreibe mehrere Privatschulen.