Brandserie

Ermittlungsgruppe aufgestockt nach Scheunenbrand mitten in Ringsheim

Patrik Müller, Julia Dreier

Von Patrik Müller & Julia Dreier

Fr, 05. Juli 2019 um 11:53 Uhr

Ringsheim

Die Serie der Scheunenbrände in der Region um Herbolzheim geht wohl weiter: Diesmal hat es nachts eine Scheune in der Ortsmitte von Ringsheim getroffen. Die Ermittlungsgruppe wird nun erneut aufgestockt. Die Feuerwehr ist am Anschlag.

In einer Scheune an der Ringsheimer Hauptstraße sei am Freitag gegen 4.20 Uhr ein Feuer ausgebrochen, so die Polizei. Durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Gebäude im Ort verhindert werden.

Die Bewohner dieser Häuser hätten kurzzeitig ihre Wohnungen verlassen müssen. Menschen wurden nicht verletzt. Durch den Brand seien die Scheune sowie darin gelagerte Gegenstände zerstört worden. Zum entstandenen Schaden in Ringsheim machte die Polizei zunächst keine Angaben.

"Man schläft vor allem am Wochenende keine Nacht mehr ruhig." Christian Leiberich
"Das macht uns richtig viel Arbeit zur Zeit – und richtig Sorgen", sagt Christian Leiberich, der Emmendinger Kreisbrandmeister; Herbolzheim ist das Zentrum der Serie. "Es ist nicht nur eine Belastung von den Einsätzen her, sondern auch psychisch – man schläft vor allem am Wochenende keine Nacht mehr ruhig." Das Einsatzaufkommen in diesem Jahr sei ohnehin sehr hoch, allein im Januar habe es im Kreis Emmendingen vier Gebäudebrände gegeben. Außerdem steige die Zahl von Alarmierungen. "Die Leute sind verunsichert, wir bekommen auch mal Grillfeuer gemeldet", sagt Leiberich. "Das ist natürlich gut, aber es erhöht die Belastung nochmal."

Eine Brandserie in dieser Form und Größenordnung habe er in seiner Zeit bei der Feuerwehr noch nie erlebt. "So etwas brauche ich auch nicht nochmal, wenn ich ehrlich bin", sagt er.
Warnung der Polizei: Nach der Brandserie bei Herbolzheim halten einige Scheunenbesitzer aus der Region laut Polizei Brandwachen ab. Davor warnen die Ermittler: "Das kann sehr gefährlich werden."

Die Ermittlungsgruppe (EG) Scheune, die nach den Scheunenbränden in Herbolzheim und dem Bleichtal gebildet wurde, wird von 17 Beamten um eine nicht genannte Zahl aufgestockt. Unterstützung bekommen die Beamten von Kollegen des Polizeipräsidiums Offenburg. Die Ermittler der EG Scheune sind seit Mitte Juni laut Aussage des Polizeisprechers Walter Roth mit der Auswertung von Spuren und der Jagd nach dem Brandstifter beschäftigt. Die Beamten würden sich ausschließlich auf die Brände konzentrieren, sagte Roth im Juni: "Die machen nichts anderes, für die Kollegen gibt es auch kein Tagesgeschäft mehr."

150 Hinweise eingegangen

Stand heute sind laut Polizeisprecher Jerry Clark mehr als 150 Hinweise zu der Brandserie gemeldet worden: "Das Hinweisaufkommen ist gut, aber wir wollen dafür sensibilisieren, uns ganz niedrigschwellig zu kontaktieren."
Die Kriminalpolizei hat eine Beratungsstelle. Scheunen- und Hofbesitzer können sich unter Tel. 0761/2960825 Tipps holen.

Seit dem 18. Mai brannten im Bereich der Kreisgrenze zwischen der Ortenau und dem Kreis Emmendingen insgesamt neun Scheunen, einmal wurde zudem versuchte Brandstiftung an einer Scheune gemeldet. Mittlerweile geht die Polizei bei allen Bränden von Brandstiftung aus. Die EG Scheune ermittelt auch im Ringsheimer Fall vom Freitagmorgen. Sie beschäftigt sich mittlerweile auch mit dem Scheunenbrand bei Grafenhausen am vergangenen Wochenende.
Interview: Fünf Scheunen haben seit Mitte Mai in Herbolzheim gebrannt. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Was treibt Brandstifter an? Polizeipsychologe Martin Jakubeit über das Feuer und den Wunsch nach Macht.