Fahrlässige Tötung

Schichtarbeiter wird wegen tödlichen Unfalls bei Cabb in Pratteln verurteilt

sda

Von sda

Do, 18. April 2019 um 10:00 Uhr

Pratteln

Das Baselbieter Strafgericht verurteilt einen Schichtarbeiter für einen tödlichen Arbeitsunfall in Chemiebetrieb Cabb wegen fahrlässiger Tötung. Er hatte die Sorgfaltspflicht verletzt.

Das Baselbieter Strafgericht in Muttenz hat dieser Tage einen Schichtarbeiter der Chemiefirma Cabb in Pratteln der fahrlässigen Tötung eines Kollegen schuldig gesprochen. Der mitangeklagte Abteilungsleiter wurde freigesprochen. Der tödliche Unfall liegt fast fünf Jahre zurück. Im Juli 2014 barst in einem Produktionsbetrieb der Firma ein Container mit hochgiftigem Inhalt. Ein junger Chemikant zog sich so schwere Verätzungen der Atemwege zu, dass er zwei Monate darauf den Folgen erlag.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten fahrlässige Tötung und Verursachung einer Explosion vorgeworfen. Zu dem tödlichen Unfall kam es durch eine Verkettung unglücklicher Umstände. Laut Staatsanwaltschaft war aber letztlich eine massive Verletzung der Sorgfaltspflicht die Ursache. Der Schichtarbeiter und sein getöteter Kollege hatten eine Flüssigkeit in einen nicht dafür vorgesehenen Container abgefüllt. Darin befand sich ein Rest eines stark entflammbaren Lösungsmittels. Die Mischung entzündete sich und der Container barst. Während sich der Mitangeklagte in Sicherheit bringen konnte, wurde das Opfer, das wegen einer Beinverletzung an Krücken ging, von giftigem Nebel erfasst.

Das Opfer hätte gar nicht in der Halle sein dürfen

Dabei hätte sich der Getötete eigentlich gar nicht in der Halle aufhalten dürfen. Ihm sei wegen seiner Verletzung ein Schonarbeitsplatz in der Messwarte des Betriebs zugewiesen worden. Maßgebliche Ursache der Explosion war eine Verwechslung des Containertyps. Statt des zwingend vorgeschriebenen Containers mit Erdungskabel, das die Entzündung der Mischung hätte vermeiden können, sei ein altes, nicht ableitfähiges Modell eingesetzt worden. Dem für die Sicherheit verantwortlichen Abteilungsleiter warf die Staatsanwaltschaft vor, zu wenig Vorsorge getroffen zu haben, dem Schichtarbeiter mangelnde Kontrolle.

Die zwei Verteidiger plädierten jeweils auf Freispruch. Der Abteilungsleiter sei nicht Herr über das ganze Firmengelände und habe somit nicht ausschließen können, dass ein falscher Container eingesetzt werde.

Der Schichtarbeiter hätte nach der Anschaffung der neuen Container 2012 davon ausgehen können, dass keine alten Modelle mehr im Gebrauch seien.

Richter: Eine Kontrolle wäre zwingend gewesen

Die Gerichtspräsidentin sprach schließlich den Schichtarbeiter der fahrlässigen Tötung und Verursachung einer Explosion schuldig. Eine vorschriftsmäßige Kontrolle des Containers am Verwendungsort wäre zwingend erforderlich gewesen, begründete sie.

Die von der Staatsanwaltschaft geforderte Geldbuße erließ sie aber, weil das Verschulden letztlich nicht als hoch zu bewerten sei. Dennoch wird das Urteil für den Arbeiter teuer, denn er muss dem Bruder und der Mutter des Opfers Schmerzensgeld und eine Entschädigung von zusammen mehr als 55.000 Franken zahlen und trägt auch die Kosten des Verfahrens.