Lockdown

Psychologin: Schulen müssen sich viel mehr um Kinder kümmern

epd

Von epd

So, 10. Januar 2021 um 10:13 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Im Lockdown der kommenden Wochen müssen sich nach Ansicht der Marburger Psychologin Hanna Christiansen Schulen und Betreuungseinrichtungen viel stärker um die Kinder und Jugendlichen kümmern.

Es reiche für den Online-Unterricht nicht aus, einfach Lernaufgaben auf Plattformen zu stellen, sagte Psychologin Hanna Christiansen dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Lehrkräfte müssen kreative Lösungen entwickeln, um die soziale Funktion von Schule zu ermöglichen."

Psychologin: Kinder in Deutschland werden allein gelassen

Größtes Problem für die Kinder und Jugendlichen sei, dass mit der weitgehenden Schließung von Schulen und Kitas eine strukturierte Beschäftigung und Kontakte wegfielen. In Ländern wie Dänemark, Kanada oder den USA habe sich in der Corona-Krise lediglich die Form des Unterrichts geändert, nicht aber der Unterricht als solcher. Er beginne dort vielfach wie vor der Pandemie für alle Lehrkräfte und Schüler um acht Uhr, nur eben online. In Deutschland würden die Kinder aber häufig mit den Aufgaben alleingelassen.

"Es ist ein Skandal, dass das nicht passiert ist." Hanna Christiansen

"Die Schulen hatten jetzt acht Monate Zeit, sich umzustellen", kritisierte die Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie an der Universität Marburg. "Es ist ein Skandal, dass das nicht passiert ist." Lehrer könnten beispielsweise Lerngruppen aus schwächeren und stärkeren Schülern bilden und die Kommunikation der Jugendlichen untereinander fördern.

Ursache ist ihrer Auffassung nach die verschleppte Digitalisierung. Stabile Internetverbindungen fehlten, Kultusministerien hätten die Modernisierung verschlafen. Statt Milliardensummen für Konzerne wie die Lufthansa auszugeben, müsse jetzt in die Zukunft der Kinder investiert und Schüler mit Computern und Laptops ausgestattet werden.

Kinder zu neuen Sachen anregen

Die Wissenschaftlerin rät den Eltern, im Lockdown regelmäßige Tagesstrukturen beizubehalten. Das familiäre Zusammenleben könne wie in einer studentischen Wohngemeinschaft organisiert werden, mit Freiräumen und Pflichten. Eltern im Homeoffice sollten sich bei der Kinderbetreuung abwechseln. Bei jüngeren Kindern eigne es sich am besten, den Tag an den Schlafrhythmus der Kleinen anzupassen und "Ruhezeiten geschickt zu nutzen". Die Psychologin empfahl, den Lockdown als kreative Pause zu nutzen und die Kinder anzuregen, neue Sachen auszuprobieren.