Aus dem Auge, aus dem Sinn?

Fabian Hoberg

Von Fabian Hoberg (dpa)

Sa, 06. Juli 2019

Auto & Mobilität

Auslaufmodelle sind kein unkalkulierbares Risiko, ein bisschen Engagement kann aber nötig sein.

Immer wieder verschwinden Automodelle und sogar ganze Marken vom Markt. Nicht nur Fahrzeugbesitzer fragen sich dann, wie es mit der Ersatzteilversorgung aussieht. Auch Käufer stellen diese Frage.

Saab, Rover, MG und Daihatsu. Alles Automarken, die vom deutschen Markt verschwunden sind. Bald kommt noch die Nissan-Marke Infiniti hinzu. Die Liste der aktuell auslaufenden Modelle ist noch länger: Ford C-Max, BMW 3er Gran Turismo, Mercedes CLS Shooting Brake, Škoda Yeti, VW Scirocco und der VW Beetle sind nur einige davon. Für Besitzer stellen sich damit einige Fragen: Wie sicher ist die Ersatzteilversorgung solcher Modelle? Und was müssen Kaufinteressenten beachten?

Ulrich Köster sieht kein Problem darin, sich ein Auto einer verschwundenen Marke wie Saab, Chevrolet, GM, Rover oder Daihatsu zuzulegen. "Wenn Kunden Spaß an einem bestimmten Modell haben, sollen sie es sich kaufen. Sie sollten dabei nur beachten, dass ältere Fahrzeuge nicht auf dem aktuellen technischen Stand wie Neufahrzeuge sind", sagt der Experte vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe.

Es gebe bundesweit genügend Servicestationen, die solche Marken betreuen. "Mit ein wenig Suche im Internet finden Autofahrer die passende Werkstatt oder einen speziellen Händler, über den Teile besorgt werden können", sagt Köster.

Das Problem mit auslaufenden Modellen ist kein seltenes Phänomen, sondern kommt bei jeder neuen Fahrzeuggeneration vor. Die meisten Hersteller verpflichten sich, Ersatzteile lange vorrätig zu halten.

Es gibt zwar keine gesetzliche Regelung, wie lange die Firmen dies tun müssen. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) liegt der Lebenszyklus der Nachserienversorgung aber bei mehr als 15 Jahren. Danach kümmern sich bei einigen Herstellern die Klassik- oder Oldtimer-Abteilungen um die Ersatzteilversorgung.

Und: Auch wenn ein Modell nicht mehr produziert wird, werden benötigte Ersatzteile und Komponenten häufig weitergebaut. "Viele Fahrzeugkomponenten werden baugleich in anderen Modellen oder Marken eingesetzt. Das lässt sich zwar schwierig herausfinden, ist aber möglich", sagt Marcel Mühlich vom Auto-Club Europa (ACE). So finden sich viele technische Bauteile eines VW Beetle noch in anderen Modellen von Volkswagen, aber auch in Fahrzeugen von Seat, Škoda und Audi. Bei der Suche helfen Marken- oder Modellclubs, in denen sich Fans einzelner Hersteller oder Autos zusammenschließen, sowie Internetforen.

"Freie Teilehändler können fast jedes Verschleißteil beschaffen. Vertragshändler haben oft die Möglichkeit, über ihr Händlernetz an Teile von anderen Händlern zu kommen", sagt Mühlich. Bei Marken wie Daihatsu, die vom deutschen Markt zwar verschwunden sind, weltweit aber noch Autos verkaufen, gebe es immer noch Händler, die die Nachfrage nach Ersatzteilen bedienen.

Die Lage könnte sich noch weiter bessern. Denn vor kurzem hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschlossen, wonach der Markt für sichtbare Kfz-Bauteile wie Kotflügel, Motorhauben, Außenspiegel oder Scheinwerfer für freie Hersteller geöffnet werden soll. Das Ziel: Ersatzteile sollen günstiger erhältlich sein.

Natürlich bleibt immer ein gewisses Restrisiko, dass man ein Teil nur mühsam oder gar nicht mehr erhält. Wer ein Auto einer verschwundenen Marke oder eines eingestellten Modells kauft, sollte bereit sein, Eigeninitiative zu zeigen, um Ersatzteile zu erhalten.

Auch die Experten des ADAC sehen bei eingestellten Modellen kaum Probleme für Autofahrer. Die Erfahrung der letzten Jahre zeige, dass der Ersatzteilemarkt bisher fast jede Lücke geschlossen hat.

Auch wenn es keine gesetzliche Verpflichtung zur dauerhaften Ersatzteilversorgung gebe, bestehe im Rahmen des Kaufvertrages eine Pflicht zur Vorhaltung beziehungsweise Beschaffung nötiger Teile. Dazu zählt laut ADAC, dass innerhalb der Lebensdauer eines Autos Ersatzteile verfügbar sein müssen.

Beim Kauf von nicht mehr produzierten Auto-Modellen oder nicht mehr vertretenen Marken gelten ähnliche Kriterien wie bei anderen Gebrauchtwagen. "Auch wenn sich das Auto in einem neuwertigen Zustand befindet, sollten Interessenten darauf achten, dass es vor dem Verkauf technisch geprüft wurde", sagt Ulrich Köster. Dazu zählen sicherheitsrelevante Bauteile wie Motor, Getriebe, Lenkung, Bremsen, Kraftstoffanlage, Elektronik und Sicherheitssysteme.