Ein Rücken kann entzücken

Peter Maahn (SP-X)

Von Peter Maahn (SP-X)

Sa, 11. Mai 2019

Auto & Mobilität

NEUVORSTELLUNG: Mercedes-Benz CLA Coupé / Mit seinem Format reicht der Neue an die C-Klasse heran.

Mit der zweiten Generation eines viertürigen Coupés setzt Mercedes die Erneuerung seiner kleinsten Baureihe fort: Nach der kompakten A-Klasse, der familienfreundlichen B-Klasse und der klassischen Limousine kommt jetzt der CLA. Er ist deutlich gewachsen und annähernd gleichlang wie eine C-Klasse.

Vor sechs Jahren hatte Mercedes eine geniale Idee und stellte der damals völlig neuen A-Klasse ein Schwestermodell zur Seite, dass nun so gar nicht ins vertraute Schema der bisherigen kleinen Baureihe mit dem Stern passte. Der CLA ist ein Viertürer ohne Heckklappe, dafür mit knackigem kurzem Stufenheck hinter dem schrägen Dach. Die Coupé-Form entzückte vor allem diejenigen, denen der klassische Golf-Konkurrent A-Klasse zu bieder war. Jeder zweite Käufer des Schönlings hatte zuvor noch nie einen Mercedes besessen. Zusammen mit dem engverwandten Kombi-Coupé Shooting Break verkaufte er sich bis Ende letzten Jahres 750 000 Mal.

Nun also der Nachfolger – fünf Zentimeter länger, drei Zentimeter mehr Radstand, dazu eine breitere Spur. Mit fast 4,70 Meter Länge ist der CLA jetzt auf dem Niveau des Mittelklasse-Bestsellers Mercedes C-Klasse. Grund für das Wachstum: Auf dem Unterbau des neuen CLA soll bald auch die SUV-Variante der B-Klasse rollen und natürlich auch wie bisher der elegant-sportliche Shooting Break, der im September erscheint.

Das meistverkaufte Modell wird mutmaßlich wohl der 33 588 Euro teure CLA 200 werden, unter dessen mit neuen Dynamikfalzen verzierter Haube ein 1,3-Liter Vierzylinder mit 163 PS arbeitet. Dass die 200 für zwei Liter Hubraum stand ist indes längst Geschichte geworden.

Im Innenraum empfängt dann wieder Vertrautes. Rundum alles A-Klasse pur. Das bis zu 20,5 Zoll breite Instrumentenpanel mit dem intelligenten MBUX-System samt Sprachsteuerung dominiert das Blickfeld. Darunter die drei markanten Luftdüsen in Turbinenform. Das Ambiente besteht den Wertigkeitstest ohne Probleme. Dazu gibt es kleine Finessen wie das automatische Einschalten der Innenbeleuchtung bei körperlicher Annäherung.

Nach dem Druck auf den Startknopf schnurrt der kleine Vierzylinder los. Unaufgeregt, unaufdringlich und solide. Beim Durcheilen kurviger Alpenvorlandstraßen bewährt sich die breitere Spur, der Neue liegt satter auf der Straße, zeigt auch dank der direkten Lenkung die erwünschten Sportler-Gene. Das Fahrwerk, serienmäßig ohne elektronische Verstellmöglichkeit, bietet eine gute Mischung aus Komfort und gewünschter Straffheit.

Natürlich macht Mercedes seinem Namen als Vorreiter der Assistenzsysteme auch beim CLA alle Ehre. Alles, was der Elektronikbaukasten hergibt, ist an Bord, wenn es denn beim Kauf mitbestellt wird.

Gearbeitet wurde beim Neuling an den Dimensionen von Innen- und Kofferraum. Die Öffnung des Laderaums wurde um gleich 26 Zentimeter breiter, das Gepäckabteil selbst um 11 Zentimeter. Insgesamt ist das Stauvolumen dennoch um zehn Liter geringer als bisher. Die Verbesserungen für die Rücksitz-Passagiere sind nur um ein paar Millimeter ausgefallen. Auch bedingt durch die Coupé-Form genießt die zweite Reihe keine Priorität. Schließlich ist der CLA keine Familienkutsche.

Und wie so oft kommt das beste zum Schluss. Das Designteam um Chef-Gestalter Gorden Wagener hat sich entschlossen, das Heck des CLA den Coupés der teuren E- oder S-Klasse anzupassen. Die geteilten Rückleuchten und der Umzug des hinteren Kennzeichens in den Stoßfänger sorgen für optische Breite, forsche Eleganz und Hinguck-Effekt. Wer sich für einen Mercedes dieser Art interessiert sollte seine Besichtigung also von hinten starten.