Wie eine zweite Haut

Michael Gebhardt (SP-X)

Von Michael Gebhardt (SP-X)

Sa, 05. Oktober 2019

Auto & Mobilität

NEUVORSTELLUNG: Škoda Kamiq.

Škoda erweitert mit dem Kamiq sein SUV-Angebot nach unten. Wie seine Konzern-Geschwister VW T-Cross und Seat Arona fährt der kleine Hochbeiner ohne Allrad vor.

Und wie bei seinen großen Brüdern, stammt der Name des Klein-SUV aus der Sprache der Inuit und bedeutet so viel wie "zweite Haut". Wer allerdings befürchtet, dass es im Kamiq so eng zu geht wie in einem Superhelden-Lycra-Kostüm, darf aufatmen. Zwar nutzt der Skoda die gleiche Basis wie die knapp geschnittenen Mini-SUVs VW T-Cross und Seat Arona, doch gönnen ihm die Tschechen etwas mehr Radstand. Der ist mit 2,65 Metern nahezu identisch mit Škodas Golf-Gegner Scala, den er in Sachen Bodenfreiheit um fast vier Zentimeter übertrifft. So kommt der ausschließlich frontgetriebene Kamiq auf 4,24 Meter Länge, ein Zentimeter mehr und gut 3000 Euro weniger als der VW T-Roc. Nutznießer des Wachstums sind vor allem die Fond-Passagiere, selbst Knapp-zwei-Meter-Gäste können es sich auf der Rückbank bequem machen. Ist die Reihe zwei besetzt, nimmt es der Kamiq mit klassenüblichen 400 Liter Gepäck auf, bei umgeklappter Rückbank gehen 1395 Liter unter die auf Wunsch elektrisch betätigte Heckklappe.

Der Innenraum selbst präsentiert sich in bester Škoda-Manier: übersichtlich, aufgeräumt und tadellos verarbeitet. Gegen Aufpreis blicken Kamiq-Fahrer auf volldigitale Instrumente.

Während der Kamiq in Sachen Infotainment up to date ist, ist die Motorenpalette konventionell: Sie umfasst zwei Benziner und einen Diesel (5,1–4,2 l/100 km), von Elektrifizierung keine Spur. Als Alternative kommt etwas später aber ein Erdgasantrieb hinzu.

Los geht’s mit einem Einliter-Dreizylinder-Benziner mit wahlweise 70 kW/95 PS oder 86 kW/ 115 PS. Die Basis-Version fährt immer mit manuellem Fünfganggetriebe vor, der stärkere wahlweise mit Sechsgang-Handschalter oder siebenstufigem Doppelkuppler. Unter Volllast knurren die ansonsten ausgesprochen ruhigen Turbo-Motoren herzhaft, wirklich spritzig bewegen die Dreizylinder Kamiq nicht. Das aber passt durchaus zur eher komfortablen Abstimmung: Der handliche Škoda rollt geschmeidig dahin und federt manierlich, neigt sich in den Kurven aber merklich zur Seite, und auch die Lenkung ist nicht zu direkt ausgelegt.

Für mehr Geld gibt’s reichlich Ausstattung, die Basis-Version ist ohne Klimaanlage und höhenverstellbaren Sitzen eher kärglich. Gegen Aufpreis gibt es Annehmlichkeiten wie Voll-LED-Scheinwerfer, ein beheizbares Lenkrad oder digitalen Radio-Empfang. Erstaunlich: Vor allem viele Assistenzsysteme wie Spurhalteassistent oder Abstandstempomat sind in der Basis gar nicht erhältlich.