BZ-Gastbeitrag

Darum ist Humor am Arbeitsplatz so wichtig

Gerd Hasenjäger

Von Gerd Hasenjäger

Di, 19. Februar 2019 um 12:45 Uhr

Beruf & Karriere

Unserer Arbeitswelt täte eine größere Portion Humor, Gelassenheit und Leichtigkeit sehr gut – empfiehlt BZ-Gastautor Gerd Hasenjäger.

Humor am Arbeitsplatz? Manch einer hält ihn für überflüssig oder gar störend. Aber das genaue Gegenteil trifft zu. Denn der Humor ist das am meisten unterschätzte Schmiermittel in der zwischenmenschlichen Kommunikation.

Wer zum Lachen in den Keller geht, verschenkt viele Möglichkeiten. Denn längst ist die positive Wirkung von Humor auf die Psyche und den Körper auch wissenschaftlich nachgewiesen. Tatsächlich verläuft unser Arbeitsalltag in der Regel humorlos und sachlich. Da geht es um Zahlen, Fakten, Abläufe, technische Feinheiten und es wird viel diskutiert. Wer kennt sie nicht, die end- und humorlosen Meetings? Wer kennt nicht Kollegen, denen der Spaß an der Arbeit abhanden gekommen ist?

Diese Art zu arbeiten hat einen Preis. In einer Studie des Pew Research Center for People wurden weltweit 38 000 Unternehmen befragt. Ergebnis: 60 Prozent der befragten Mitarbeiter gaben an, in eine innere Verweigerung geflüchtet zu sein, da das Klima im Betrieb von Angst und Unsicherheit geprägt ist. Weitere Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Wie kann man Ängste und Unsicherheiten nehmen? Und wie kann man Mitarbeiter, Kunden oder gar sich selbst als Beschäftigter heute motivieren und an das Unternehmen binden? Dazu gibt es ebenfalls zahlreiche Erkenntnisse. Kunden- und Mitarbeiterbindung geschieht immer weniger über die Produkte, Dienstleistungen oder die Tätigkeit, die ein Mitarbeiter ausführt. Der Hebel für den Erfolg heißt menschliche Beziehung. Wenn das Klima und die Beziehung stimmen, dann entsteht Motivation und Bindung. Bestenfalls lösen sich dann auch Ängste und Unsicherheiten auf. Da wundert es nicht, dass Fach- und Führungskräfte mit Humor und der nötigen Gelassenheit mehr Erfolg und weniger Stress haben. Der Booster heißt Humor.

Aber Humor ist ein diffiziler Begriff. Im Kontext der Arbeitswelt meint er eher heitere Gelassenheit oder gelassene Heiterkeit. Es geht nicht darum, Witze zu reißen oder den Clown zu spielen. Es geht darum, eine Atmosphäre zu schaffen, in der alle Beteiligten angstfrei und gelassen agieren können. Dazu bedarf es allerdings einiger Voraussetzungen. Heutige Mitarbeiter sehen die Trennung zwischen Arbeit und dem sonstigen Leben nicht mehr so stark wie frühere Generationen. Arbeitszeit ist für sie Lebenszeit. Schafft es das Unternehmen, ein Klima zu erzeugen, in dem die Mitarbeiter gerne arbeiten, wirkt das auf deren Motivation und auch die Kunden werden das spüren. Dazu muss an Strukturen gemeißelt werden und alle Mitarbeiter müssen an einer humorvollen Haltung arbeiten.

Dabei geht es dann konkret um Perspektivwechsel, Humorressourcen wecken, kreatives Denken und gefühlvolles Wahrnehmen. Der Humormuskel muss trainiert werden, um vergrabenes Potential zu aktivieren. Manches Muster wird dann durchbrochen und mancher Schatz gehoben. Nur so kommen alle Mitarbeiter und alle Kunden auf die Spur der gelassenen Heiterkeit. Menschen mit einer humorvollen Haltung sind kontaktfreudiger, leistungsfähiger, gesünder, flexibler und in Stresssituationen belastbarer.

Humor ist ein Lösungsmittel für viele alltägliche Situationen in der Arbeitswelt. Kinder lachen mehrere hundert Mal am Tag, Erwachsene etwa 20 Mal. Das sollte zu denken geben.