Bewerben in Corona-Zeiten (1)

Unternehmen müssen auf sich aufmerksam machen

BZ-Gastbeitrag von Alfred Speth

Von BZ-Gastbeitrag von Alfred Speth (Freiburg)

Di, 26. Mai 2020 um 09:37 Uhr

Beruf & Karriere

Die Corona-Pandemie hat uns weitgehend im Griff. Erste Lockerungen werden vollzogen, aber viele Unternehmen haben nach wie vor massive wirtschaftliche Probleme.

Es trifft die Branchen unterschiedlich: Die herstellende Industrie ist wohl nicht so stark betroffen, das Handwerk ebenso wenig, allerdings wird alles rund ums Reisen, Hotel- und Gaststättengewerbe, Messen, Kultur, Unterhaltung und mancher Einzelhändler und damit die Dienstleister stark in Mitleidenschaft gezogen. Zeitarbeitsverträge werden nicht erneuert, die Alternative Kurzarbeit wird wo immer möglich genutzt, Stellen werden abgebaut. Wie geht man in dieser Situation mit den Mitarbeitern um?

Eine Binsenweisheit: Wer im Abschwung Mitarbeiter wegschickt, hat vielleicht im Aufschwung keine mehr. Im Gegenteil: Der Verzicht auf Entlassungen schafft ein motiviertes Team, das in schwierigen Zeiten realisiert hat, dass sein Arbeitgeber es ernst meint mit der Wahrnehmung von menschlicher und gesellschaftlicher Verantwortung.

Häufig ist mangels vorhandener Arbeit Kurzarbeit angesagt. Arbeit in Produktion oder Handwerk müssen vor Ort erfolgen und können nicht ins Home-Office verlagert werden, jedoch viele administrative Aufgaben durchaus. Firmen können freiwerdende Arbeitszeit für sinnvolle, bislang liegen gebliebene Aktivitäten nutzen: Stellenbeschreibungen entstauben, Ausschreibungen überarbeiten, Firmen- und Bewerbungs-Website updaten, Kriterien für E-Recruiting ansehen und auf aktuellen Stand bringen. Vermutlich bekommt die Digitalisierung vieler Arbeitsprozesse durch die Krise einen enormen Schub.

Persönlich kann sich der von Kurzarbeit Betroffene beruflich weiterbilden oder spezielle Kenntnisse erwerben. Immer mehr werden IT-Kenntnisse unabdingbar. Unternehmen sollten diese Möglichkeit unterstützen, speziell verbesserte digitale Expertise wird zukünftig dem Unternehmen nützen. Die Pandemie zwingt viele Mitarbeiter ins Home-Office. Dies bedeutet zunächst – positiver Effekt – Erhalt des Arbeitsplatzes, allerdings unter veränderten Rahmenbedingungen. Es gilt, Abläufe neu zu gestalten. Die Teambesprechung wird zur Videokonferenz, Kunden- und Lieferantenbesuche bewegen sich im digitalen Rahmen, Einstellungs- oder Personalgespräche finden über Netzwerke statt.

Ist Rekrutierung in der Krise sinnvoll? Ja, sehr wohl! Die Gründe sind vielschichtig: Man muss die Firma als Arbeitgebermarke in der öffentlichen Wahrnehmung präsent halten. Daneben ermöglicht Corona Zugang zu vielen guten Kandidaten, die von anderen freigesetzt, verschmäht oder auf die Warteliste gesetzt wurden. Bewerber, die man heute überzeugt, müssen später nicht mehr aufwändig gesucht werden.

Der Rekrutierungsprozess hat sich der neuen Situation angepasst. Viele Personaler sind ins Home-Office umgezogen. Erstgespräche finden digital statt (Skype, Zoom oder andere). Weiterführende Gespräche unter Einschluss der Fachabteilung können per Videokonferenz erfolgen, ebenso die anschließende Bewertung des Bewerbers zwischen Fachbereich und Personalabteilung. Referenzen werden telefonisch eingeholt, sogar virtuelle Probearbeit ist denkbar.

Ein abschließendes, finales Gespräch findet vielleicht beim potenziellen Arbeitgeber statt. Abstand, Desinfektionsmittel auf dem Tisch und der Gesichtsschutz können dieses etwas ungewöhnlich werden lassen. Gerade die Maske, die einen Großteil der Mimik verbirgt, macht es gelegentlich schwer, das Gegenüber einzuschätzen und das notwendige Vertrauen aufzubauen. Vielleicht sollte man etwas mehr auf Gestik und Körpersprache achten.

Sollte der zukünftige Mitarbeiter die Arbeit im Home-Office beginnen: Die Übergabe der Arbeitsmittel und die notwendige Einarbeitung müssen organisiert werden. Die Kontakte zu Kollegen und auch wichtigen Bezugspersonen in der Firma, zukünftigen Kunden oder Lieferanten sind digital aufzubauen. Die Herausforderungen in Zeiten der Krise können nicht wegdiskutiert werden. Aber Arbeitgeber sollten die vielfältigen, positiven Möglichkeiten nutzen, die die Situation bietet.

Zur Person

Alfred Speth leitete in Freiburg eine führende Unternehmensberatung von 1996 bis 2015 als geschäftsführender Gesellschafter. Sein Schwerpunkt lag dabei in der Rekrutierungsberatung, in betriebswirtschaftlichen Fragestellungen sowie dem Coaching von Unternehmern und Führungskräften.

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