Körber-Preis für Bernhard Schölkopf

Wahl-Ibacher erhält millionendotierten Preis für Europäische Wissenschaft

Karin Steinebrunner

Von Karin Steinebrunner

Fr, 13. September 2019 um 18:43 Uhr

Panorama

Bernhard Schölkopf zählt zu den einflussreichsten Computerwissenschaftlern der Welt. Jetzt wurde er in Hamburg ausgezeichnet. In Ibach hat er nicht nur ein Ferienhaus – die Dorfidylle hat ihm auch zu einem wichtigen Durchbruch verholfen.

Ibach hat einen ausgesprochen prominenten Mitbürger. Seit rund zehn Jahren besitzt Bernhard Schölkopf ein über Ibach thronendes Feriendomizil, in das er sich mehrfach jährlich zurückzieht. Am Freitag hat Schölkopf, der gemäß dem Forschungsmagazin "Science" zu den zehn einflussreichsten Computerwissenschaftlern der Welt zählt, im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses den mit einer Million Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft in Empfang genommen.

Ibachs Bürgermeister Helmut Kaiser bezeichnet den Wissenschaftler als interessierten und zugleich bescheidenen Mitbürger. Das Preisgeld wird zum überwiegenden Teil wieder in die Forschungsarbeit zurückfließen, auf die mit dem Preis verbundene Anerkennung seiner Arbeit aber ist Schölkopf wirklich stolz.

Schölkopf ist Direktor am Max-Planck-Institut für intelligente Systeme in Tübingen und Mitbegründer des dortigen »Cyber Valley«, einem Kompetenzzentrum, das Deutschland in der internationalen KI-Konkurrenz zu einer Spitzenstellung verhelfen soll. Dank der jüngsten Zusammenarbeit mit der ETH Zürich, an der er eine Professur bekleidet, wird sein Haus in Ibach nun zusätzlich zum Entspannungsort auch sozusagen Basis seiner Dozententätigkeit.

Schölkopf und sein Team erforschen Algorithmen

Gemeinsam mit seinem Forschungsteam hat der Physiker, Mathematiker und Informatiker Schölkopf mathematische Verfahren entwickelt, die maßgeblich dazu beitragen, der Künstlichen Intelligenz (KI) zu ihren jüngsten Höhenflügen zu verhelfen. Schölkopf und sein Team erforschen Algorithmen, mit denen Computerprogramme flexibel auf Situationen reagieren können. Er hat zentrale Methoden für das maschinelle Lernen etabliert, von denen Anwendungen in der Biologie, der Medizin, den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und zahlreichen anderen Feldern profitieren.

"Wir sind längere Zeit bei der Entwicklung der KI auf der Stelle getreten, und im Grunde hat eine Woche Auszeit in Ibach dann den Durchbruch gebracht" Bernhard Schölkopf
"Was wir machen, kann man vielleicht an einem einfachen Beispiel erklären", erzählt Schölkopf. Menschen können mühelos beispielsweise eine Kuh als solche identifizieren, auch wenn sie bisher immer eine Weide als Umgebung hatte und nun am Meer steht. Ein Computer dagegen wird die Kuh am Meer möglicherweise nicht mehr identifizieren können, da er auf seine bisherige Trainingsdatenmenge angewiesen ist und darin diese Konstellation nicht auftauchte. Das heißt mit anderen Worten: ein System, das nur auf Korrelationen beruht, ist nicht robust. Daher arbeitet Schölkopf daran, über die rein statistischen Abhängigkeiten hinaus die Kausalität mit einzubeziehen.

"Wir sind längere Zeit bei der Entwicklung der KI auf der Stelle getreten, und im Grunde hat eine Woche Auszeit in Ibach dann den Durchbruch gebracht", verrät Schölkopf. Und sein Computer, der wie alle im Tübinger Netzwerk einen Flussnamen hat, heißt "Ibach". Der Wissenschaftler könnte sich auch gut vorstellen, einmal einen Workshop nach Ibach zu verlegen, weil man hier sehr gut ungestört über wissenschaftliche Themen nachdenken kann.

Schölkopf ist dreifacher Vater

Nach Ibach gekommen ist er vor rund zehn Jahren unter anderem durch sein Hobby, die Astronomie. Seine drei Kinder waren damals noch klein, und ein Urlaub im Schwarzwald erschien besonders geeignet, um Hobby und Familie zu verbinden. Die geringe Lichtverschmutzung und damit verbunden der hervorragende Blick auf den Sternenhimmel in Ibach faszinierten ihn, und in das Haus über dem Tal mit seiner überragenden Aussicht bis zum Mont Blanc hat sich die ganze Familie spontan verliebt. Auch seine Frau, eine spanische Kinderbuchautorin und -illustratorin, findet Ibach ausgesprochen anregend und hat schon viel hier gezeichnet und gemalt. Inzwischen hat Schölkopf sogar eine Reihe neuer Exoplaneten entdeckt.

Die Idee für die Versuchsanordnung dafür hat er in Ibach entwickelt. Exoplaneten nämlich kreisen um ihre zugehörigen Sterne, und wenn der Planet zwischen Stern und Erde hindurchzieht, wird das Licht dieses Planeten in diesem Zeitraum schwächer.

"Wir haben uns in Ibach von Anfang an willkommen gefühlt und fühlen uns dort wohl", erklärt Schölkopf überzeugt. Sein Job bringe es mit sich, dass er viel unterwegs ist, und entsprechend genieße er es, sich im Urlaub in Ibach komplett abzukoppeln.

Andererseits wolle er aber gemeinsam mit der Verwaltung darauf hinarbeiten, sein Haus an Wasser, Abwasser und schnelles Internet anzuschließen, damit beispielsweise auch seine inzwischen ins Teenageralter gekommenen Kinder auch weiterhin gerne mit ihm gemeinsam Zeit in Ibach verbringen.