"Der Journalismus bleibt die DNA des Hauses"

epd

Von epd

Di, 17. September 2019

Computer & Medien

Springer-Chef Mathias Doepfner kündigt nach Einstieg des Finanzinvestors KKR einen harten Sparkurs im Medienkonzern an.

Springer-Chef Mathias Döpfner hat nach dem Einstieg des Finanzinvestors Kohlberg Kravis Roberts (KKR) beim Medienkonzern einen harten Sparkurs angekündigt. "Das klingt nicht nur nach einem großen Schnitt, das ist einer", sagte der Vorstandschef der Süddeutschen Zeitung. "Wo digitales Wachstum gelingt, werden wir investieren und Mitarbeiter einstellen", sagte Döpfner. "Wo strukturell Umsatzrückgang herrscht, müssen wir Arbeitsplätze abbauen." Das betreffe die "Welt", aber auch die "Bild"-Zeitung, die Druckereien und Zeitschriften. Döpfner sagte: "Wir werden eher bei den Häuptlingen als bei den Indianern sparen. Wir verschlanken die Hierarchien." In Summe werde man Arbeitsplätze aufbauen. Springer beschäftigt derzeit weltweit mehr als 16 000 Mitarbeiter.

Die Witwe von Firmengründer Axel Springer, Friede Springer, betonte in dem Interview, dass das Unternehmen weiter auf Journalismus setze. "Wir bleiben ein journalistisches Haus", sagte Springer. Die defizitäre Tageszeitung "Die Welt" werde weitergeführt, auch als gedruckte Ausgabe. Döpfner sagte, die "Welt" sei ein "essenzieller Teil von Axel Springer, auch wenn sie nicht zur Steigerung der Durchschnittsrendite des Hauses beiträgt". Journalismus bleibe "Wesenskern und DNA des Hauses". KKR-Europachef Johannes Huth sagte zu Gerüchten um die Zukunft der "Welt": "Uns wurde unterstellt, wir würden die Welt dichtmachen, sobald es schlecht läuft, dabei war das umgekehrt gedacht." Er sei "fest davon überzeugt, dass Journalismus im digitalen Bereich eine erfolgreiche und profitable Zukunft haben wird".

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte Springer auf, Details zum Personalabbau mitzuteilen. Die Aussage, dass die "Welt" Teil des Konzerns bleibe, beruhige die Springer-Mitarbeiter nicht, schrieb DJV-Sprecher Zörner im DJV-Blog. Der Finanzinvestor KKR hatte ein Übernahmeangebot für Springer in Milliardenhöhe gemacht und erwirbt mehr als 40 Prozent der Anteile. Die Verlegerin, die 42,6 Prozent der Anteile kontrolliert, und der Vorstandsvorsitzende, der 2,8 Prozent besitzt, wollen ihre Beteiligungen behalten. Das Unternehmen soll demnächst von der Börse genommen werden. Der Vollzug der Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher, außenwirtschaftsrechtlicher und medienkonzentrationsrechtlicher Freigaben. Huth sagte: "Wir werden das Unternehmen langfristig begleiten. Wir können uns auch vorstellen, bis zu einem Jahrzehnt investiert zu bleiben", sagte er. KKR interessiere "das gesamte Axel-Springer-Geschäft", Journalismus sei ein Kernbereich. Huth betonte, dass die jüngsten Investitionen von KKR in die deutsche Medienlandschaft unabhängig voneinander seien. "Wenn es Möglichkeiten gibt, dass Beteiligungen zusammenarbeiten können, werden wir das fördern", sagte der Manager. Döpfner unterstrich, es gebe keine Pläne, die Aktivitäten zusammenzuführen: "Das würde keinen Sinn ergeben". KKR gründete in diesem Jahr ein Medienunternehmen in Deutschland, das aus Universum Film, der Tele München Gruppe (TMG), i&u TV sowie Wiedemann & Berg Film hervorgeht. Es soll Produktion, Lizenzhandel und Vertrieb von Film- und Fernsehinhalten aus einer Hand anbieten. Zu Springer gehören neben "Bild" und "Welt" die Nachrichtenseite "Business Insider", die News-App "Upday" sowie Kleinanzeigenportale. Der Konzern betreibt den TV-Nachrichtensender Welt. 2018 steigerte Springer seinen Umsatz um 4,1 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro.