"Notsituation"

dpa

Von dpa

Sa, 16. November 2019

Computer & Medien

Verleger der Berliner Zeitung war Inoffizieller Stasi-Mitarbeiter.

Der neue Besitzer des Berliner Verlags, Holger Friedrich, ist in der DDR zeitweise Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi gewesen. Nach einem Bericht der Welt am Sonntag (WamS) war er unter dem Decknamen "Peter Bernstein" für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) tätig. Demnach berichtete er während seines Wehrdienstes bei der Nationalen Volksarmee über Kameraden und belastete diese dem Bericht zufolge teilweise schwer. Der WamS liegen nach eigenen Angaben entsprechende Dokumente aus der Stasi-Unterlagenbehörde vor.

Wie Friedrich selbst am Freitag "in eigener Sache" in der Berliner Zeitung (online) erklärte, habe er eine handschriftliche Verpflichtungserklärung bei der Stasi aus einer Notsituation nach einer Verhaftung heraus verfasst, um einer befürchteten Gefängnisstrafe zu entgehen. Er sei "nicht aktiv" für die Staatssicherheit tätig gewesen. Bei der ersten Gelegenheit habe er sich dieser Notsituation entzogen und danach die Zusammenarbeit mit der Stasi verweigert, schrieb Friedrich in den von ihm veröffentlichten Antworten auf die Recherchefragen der WamS. Der Berliner Unternehmer hatte mit seiner Frau Silke unlängst den Berliner Verlag mit der Berliner Zeitung und dem Berliner Kurier von der DuMont-Mediengruppe übernommen. Die Redaktion der Berliner Zeitung wurde nach eigenen Angaben von der Nachricht zur Vergangenheit Friedrichs überrascht.

Wie die WamS berichtete, ergibt sich aus den Unterlagen, dass Friedrich von Dezember 1987 bis Februar 1989 mit Stasi-Offizieren zu konspirativen Treffen zusammenkam. Überliefert seien zwölf großteils handschriftliche Spitzelberichte, in denen mehr als 20 Personen genannt würden. Laut Friedrich ergab sich die Verpflichtungserklärung, nachdem er unter dem Verdacht der Republikflucht von der Militärabteilung der Stasi verhaftet worden war.