Die Hausratversicherung braucht einen Elementarschadenschutz

Annette Jäger

Von Annette Jäger

Sa, 07. September 2019

Wirtschaft

Hab und Gut sind in der Wohnung nicht automatisch in jedem Schadenfall rundum abgesichert / Versicherte müssen bestimmte Veränderungen melden.

Eine Hausratversicherung ersetzt Schäden an Hab und Gut – im Prinzip. Die Police hat allerdings Fallstricke.

Wasserschäden
Die Hausratversicherung deckt standardmäßig Schäden durch Leitungswasser, Schäden durch Starkregen jedoch nicht. "Dazu benötigt man eine spezielle Elementarschadenabsicherung", sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Sie deckt auch Schäden durch Hochwasser oder Schneedruck – Risiken, die in Deutschland häufiger auftreten. Ein Elementarschadenschutz ist in vielen neueren Tarifen bereits enthalten. Er kostet je nach Wohnort zwischen 15 und 70 Euro im Jahr.
Versicherungssumme
"Es ist ein klassischer Irrtum zu meinen, damit habe man ein Rundum-sorglos-Paket abgeschlossen", sagt Versicherungsexperte Grieble. Kommt es zum Totalschaden, etwa durch ein Feuer, ersetzt der Versicherer nur die vereinbarte Versicherungssumme. Und die kann zu gering sein, um den gesamten Hausrat zu ersetzen. Das kann man vermeiden durch den Unterversicherungsverzicht. Nimmt man diese Klausel in den Vertrag auf, erstattet der Versicherer Schäden am Hausrat in vollem Umfang, auch wenn die Versicherungssumme niedriger ist als der tatsächliche Wert des Hausrats.

Gefahrenerhöhung
Ein Einbruch oder ein Wasserrohrbruch sind immer in vollem Umfang versichert? Das gilt nicht pauschal. "Viele Versicherungsnehmer wissen nicht, dass in der Hausratversicherung Obliegenheitspflichten verankert sind", sagt Grieble. So muss der Versicherungsnehmer zum Beispiel Gefahrenerhöhungen melden, etwa ein Baugerüst am Haus, weil es die Einbruchgefahr erhöht. "Das wissen gerade viele Mieter nicht." Dazu gehört auch, eine längere Reise dem Versicherer zu melden. Oder im Winter die Heizkörper bei Abwesenheit so zu regulieren, dass kein Rohrbruch durch Frost entsteht.

Blitzschlag
Schäden durch Blitzschlag sind zwar versichert, aber nur, wenn der Blitz beispielsweise in einen Baum einschlägt, dieser auf das Haus fällt und dadurch Hausrat zerstört wird. Kommt es aufgrund eines Blitzschlags zu einem Überspannungsschaden, sind Schäden nur gedeckt, wenn der Tarif das ausdrücklich einschließt.

Grobe Fahrlässigkeit
Ein gekipptes Fenster oder eine nicht abgeschlossene Haustür begünstigen einen Einbruch, eine unbeaufsichtigt brennende Kerze verursacht einen Brand – in diesen Fällen hat der Versicherungsnehmer grob fahrlässig gehandelt. Er trägt eine Mitschuld und der Versicherer darf die Leistung kürzen.

Neuere Policen versichern auch grobe Fahrlässigkeit. "Das ist aber nur ein Notanker und sollte Versicherungsnehmer nicht arglos und unvorsichtig werden lassen", warnt Grieble. Manches Verhalten – etwa ein absichtlich gekipptes Fenster – könnte der Versicherer als Vorsatz auslegen.

Gute Tarife
Alle drei bis fünf Jahre sollten Versicherungsnehmer ihre Hausratpolice überprüfen, rät der Verbraucherschützer. Entspricht die Versicherungssumme noch dem aktuellen Wert des Hausrats? Ist grobe Fahrlässigkeit versichert? Ist ein Elementarschadenschutz im Tarif enthalten? Muss der nachgerüstet werden, lohnt es sich, mehrere Angebote einzuholen.