Abendvorlesung

Der Steckbrief des Tumors

Michael Brendler

Von Michael Brendler

Mo, 09. Juli 2012

Gesundheit & Ernährung

Die Medizin kann an Krebspatienten Wunder vollbringen. Fraglich ist nur, wie oft und über welche Zeiträume sie das vollbringt.

Eigentlich hatte Barbara Bradfield den Kampf gegen ihren Krebs schon aufgegeben. Nach sieben Monaten Chemotherapie und der Entfernung beider Brüste hatte sie den Fluss der Tragödie bereits durchwatet, wie sie es nennt. Wenige Monate später ertastete die 49-Jährige dann den kleinen Knubbel über ihrem Schlüsselbein. Eine Metastase, das war schnell klar, der Krebs war zurück. Aber mit mehr als ein paar Kräutern und einem neuen Gemüseentsafter wollte Barbara ihm nicht mehr entgegentreten.

Dennis Slamon, Krebsmediziner an der University of California, musste sie 1991 erst mühsam überreden, noch einen letzten Heilversuch in seiner Studie zu starten. Die Medizin hatte bei bestimmten Brusttumoren eine Achillesferse ausgemacht, einen kleinen Rezeptor, eine Antenne, auf den Krebszellen, über die sich der Tumor immer aufs Neue mit Wachstumssignalen versorgte. Und Bradfields Krebs war fast "besoffen" von diesen sogenannten -Rezeptoren, wie es Siddhartha Mukherjee in seiner großartigen Krebshistorie "Der König aller Krankheiten" beschreibt.

16 Frauen hatten das Glück, das erste Mal von dem neuen Hoffnungsträger der Krebsmedizin kosten zu dürfen. Allwöchentlich traf man sich in der Klinik, bekam seine Infusion und tastete gemeinsam, wie Barbaras Metastase immer weiter zusammenschmolz – die Therapie schlug an, das Wunder passierte. 18 Monate später war der Tumor aus Barbara Bradfields Körper verschwunden. Das verloren gegebene Leben ging weiter.

Ein Forschungsergebnis, bei dem ...

BZ-Archivartikel

Einfach registrieren und Sie können pro Monat 15 Artikel kostenlos online lesen - inklusive BZ Plus und BZ-Archivartikeln.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 15 Artikel pro Monat kostenlos
  • Exklusive BZ Plus-Artikel lesen
  • Online-Zugriff auf BZ-Archivartikel
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat
  • An 18 Standorten in Südbaden – von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten
  • Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.
  • Komfortable Anzeigenaufgabe und -verwaltung
  • Weitere Dienste wie z.B. Nutzung der Kommentarfunktion

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ