Auf ein Neues, altes Haus

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 07. September 2019

Haus & Garten

Nachkriegshäuser haben einen spezifischen Sanierungsbedarf / Teil II – die 80er- und 90er-Jahre.

Mehr als 40 Prozent der Wohnungen in Deutschland wurden zwischen 1950 und 1977 erbaut – und damit vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) hat in einer Untersuchung herausgefunden: Diese Wohngebäude bieten bei einer Sanierung ein besonders großes Energieeinspar-Potenzial. Nach den Häusern der 50er- bis 70er-Jahren nehmen wir in dieser Ausgabe die 80er- und 90er-Jahre in den Fokus.

Von energetischen Modernisierungs- und Sanierungsarbeiten profitieren Wohneigentümer gleich mehrfach: Sie erhöhen den Wohnkomfort und senken die Verbrauchskosten. Architekt Sven Haustein von der Bausparkasse Schwäbisch Hall nennt typische Schwachstellen bei Immobilien der verschiedenen Baujahrgänge und gibt Hinweise, wo welche Maßnahmen angezeigt sind – allgemein und im Hinblick auf die energetischen Aspekte.

Die 80er-Jahre

Mit steigenden Anforderungen an die Wärmedämmung ersetzt das Warmdach mit seiner Dämmschicht in den 80er-Jahren häufiger das in den Jahrzehnten davor gängige Kaltdach. Ein Vorteil: Bislang als Stauraum oder Wäscheboden genutzte Dachgeschosse werden zur Wohnfläche und sind baulich entsprechend ausgestattet. Die häufiger auftretende Dachterrasse erweist sich allerdings oft als Schwachstelle bei starkem Regen sowie starker Sonneneinstrahlung. Weitere Schwachstellen sind bei dieser Gebäudegeneration häufig Erdgeschossaußenwände und Wohnungstrennwände, Fensterleibung und Rollladenkästen. Wichtig bleibt die Überprüfung von gesundheitsbelastenden Materialien, allen voran asbesthaltige Dachplatten oder Fassadenplatten, Mineralwolle mit zu geringer Faserlänge, gesundheitsschädliche Holzschutzmittel sowie formaldehydhaltige Spanplatten und andere Holzbaustoffe.
"Eine genaue Prüfung lohnt sich auch bei den Warmdächern aus dieser Zeit, da sie häufig noch Baumängel aufweisen. Oft sind die Dampfsperren falsch verbaut oder verschlissen. Dadurch dringt Feuchtigkeit in den Baukörper ein", erklärt der Experte. "Häuser aus den 1980er-Jahren sind aufgrund der Mängel bei Wärmeschutz und Luftdichtheit energetisch in immer noch fragwürdigem Zustand. Allerdings sind die eingesetzten Bauteile meist noch so gut in Schuss, dass eine Erneuerung aus wirtschaftlicher Sicht wenig Sinn macht", erklärt Architekt Haustein.

Die 90er-Jahre

Nach der UN-Umweltkonferenz in Rio de Janeiro im Jahr 1992 rückt zusätzlich zum effizienteren Energieeinsatz die Reduzierung der CO2-Emissionen in den Blick- punkt – auch bei Bestandsimmobilien. Die Politik errichtet mit einer novellierten Wärmeschutzverordnung das Fundament für energiebewusste Baumaßnahmen: Das Energieeinsparen tritt in den Vordergrund – es werden immer mehr Passiv- und Niedrigenergiehäuser gebaut. Fassaden erhalten eine Hülle aus Dämmplatten, meist aus Polystyrol. Zunehmend werden Systeme eingebaut, die erneuerbare Energie nutzen, etwa Solarthermie oder Photovoltaik.

"Die Dämmung dieser Gebäude ist aus heutiger Sicht meist nicht mehr ausreichend. Die Baustoffe befinden sich aber noch mitten in ihrem Lebenszyklus, wenn sie ordentlich verbaut worden sind. Trotzdem sind auch hier mögliche Feuchtigkeitsschäden ein zentraler Prüfpunkt, vor allem am Dach", empfiehlt Architekt Sven Haustein.