Wohnen

Wer muss den Kammerjäger im Haus bezahlen?

Andreas Kunze

Von Andreas Kunze

Sa, 11. Januar 2020 um 13:38 Uhr

Haus & Garten

Auch Mäuse und andere unerwünschte Gäste suchen sich gerne ein kuscheliges Plätzchen im Winter. Ein Kammerjäger kann helfen – aber wer muss die Rechnung für Schädlingsbekämpfung bezahlen?

Wenn es in Wohnungen von Spinnen, Wanzen oder Silberfischchen wimmelt, ist das eklig. Gefährlich werden kann es mit Ratten, Mäusen oder Tauben, denn diese Tiere können Krankheitserreger übertragen. Wer als Mieter den Beifall mit solchen Schädlingen feststellt, sollte schon im Interesse seiner Gesundheit schnell reagieren und Gegenmaßnahmen mit dem Vermieter besprechen.

"Grundsätzlich handelt es sich bei jedem Schädlingsbefall um einen Mangel der Mietsache", sagt die Düsseldorfer Rechtsanwältin Annette Mertens. "Der Mieter hat die Pflicht, das schnell zu melden – und kann fordern, dass der Vermieter innerhalb einer angemessenen Frist etwas dagegen tut. Passiert das nicht, besteht ein Mietminderungsgrund." Gericht haben Minderungen von bis zu 50 Prozent für zulässig gehalten, je nach Grad der Belästigung.

In schweren Fällen, wenn etwa wegen Ratten eine konkrete Gesundheitsgefahr besteht, kann der Mieter zur fristlosen Kündigung berechtigt sein. "Außerdem kommt dann ein Anspruch auf Schadenersatz infrage, etwa Kosten für den Umzug in die neue Wohnung", sagt Mertens.

Selbst wenn ein Mieter den Schädlingsbefall selber verursacht haben sollte, etwa weil er Essensreste herumliegen ließ, so ist zunächst der Vermieter in der Verantwortung, dass Abhilfe geschaffen wird. Schließlich müssen auch andere Mieter geschützt werden. Ein Schädlingsbefall in einer Wohnung kann sich schnell ausbreiten.

Lässt sich die Schuld eindeutig einem Mieter zuweisen, so würde er nicht nur sein Mietminderungsrecht einbüßen, sondern hinsichtlich der Kosten für den Kammerjäger und anderer finanziellen Folgen (zum Beispiel Mietminderungen anderer Hausbewohner) schadenersatzpflichtig werden.

Bei den Kosten für die Schädlingsbekämpfung ist zu unterscheiden. Laufende Kosten für Vorsorge können nach überwiegender Juristenmeinung auf die Betriebskosten umgelegt werden. Der Grund: In Ziffer 9 der Anlage 3 zu § 27 der II. Berechnungsverordnung sind ausdrücklich Kosten für die Ungezieferbekämpfung genannt. "Damit sind jedoch nur regelmäßig wiederkehrenden Kosten etwa für das Auslegen von Mäuseködern gemeint", sagt Rechtsanwältin Mertens. Einmalige Kosten für den Einsatz eines Kammerjägers in Notfällen dürfen nicht umgelegt werden.

Bestellen Mieter indes selber einen Kammerjäger, können sie auf den Kosten sitzen bleiben (unter anderem Amtsgericht Bremen, Aktenzeichen 25 C 0118/01). Der Vermieter muss erst gemahnt werden und sich in Verzug befinden, also über die vom Mieter gesetzte Frist hinaus untätig geblieben sein. "Deshalb ist schneller Kontakt mit dem Vermieter wichtig", so Mertens. "Nur in Ausnahmefällen, etwa bei einer plötzlichen Rattenplage am Wochenende, ist es dem Mieter zuzugestehen, ohne Rücksprache mit dem Vermieter den Kammerjäger selber zu rufen."