Achtung, Mann im Kreißsaal!

Stephan Clauss

Von Stephan Clauss

Mo, 08. November 2010

Liebe & Familie

Schwangere wollen das Geburtserlebnis meist mit dem Partner teilen. Aber nicht alle Männer eignen sich dafür.

Der Mann im Kreißsaal gilt nicht mehr als Ausnahme, er scheint dort vielmehr eine Reifeprüfung für die Vaterschaft abzulegen. Derweil plädieren Hebammen schon wieder dafür, die Väter erst in den Kreißsaal zu lassen, wenn das Kind bereits geboren ist.

Jeder, der dabei war, wird hinterher jedem, der es hören will, versichern, er habe den großartigsten Augenblick seines Lebens erlebt. Nur im kleinen Kreis geben junge Väter zu, dass sie das Ganze ganz schön mitgenommen hat. Doch wer seine Frau mit der Aufgabe allein lässt, "unser Kind" unter Schmerzen zur Welt zu bringen, gilt als feiger Schwächling.

Das ist in Deutschland noch nicht lange so. Die Teilnahme an der Entbindung gehörte bis vor 20, 25 Jahren nicht zum Rollenverständnis des Mannes. Geburten waren Frauensache, nur Hebamme und Arzt durften dabei sein. Noch vor zwei Generationen machte man Witze über Kette rauchende Väter in spe, die im Klinik-Korridor nervös auf und ab tigerten – bis sie von der Hebamme irgendwann mit der guten Nachricht erlöst wurden: "Mutter und Kind wohlauf!"

Rund 90 Prozent der werdenden Väter gehen heute mit in den Kreißsaal. Wer – aus welchen Gründen auch immer – die Geburt seines Kindes nicht in der ersten Reihe miterleben will, erntet fast aggressives Unverständnis. "Der Druck auf die Männer ist riesig", bestätigte die 65-jährige Hebamme Luise Kaller aus Berlin unlängst im Interview. "Wenn ein Mann sagt, er will nicht dabei sein, heißt es sofort: Was bist Du denn für ein Partner? Habt ihr ein Beziehungsproblem?"

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