Alle gleich lieb haben – geht das?

Gerlinde Unverzagt

Von Gerlinde Unverzagt

Mo, 07. Januar 2019

Liebe & Familie

BZ-Plus Eltern, die Unterschiede zugestehen, entdecken eine neue und befreiende Art, fair zu ihren Kindern zu sein / .

"Du hast ihn viel lieber als mich!" – für die lautstarken Anschuldigungen ihrer Kinder sind Eltern sehr anfällig. Die Vorwürfe rühren an einen wunden Punkt. Denn Eltern haben das Gebot der gleich verteilten Liebe so fest verinnerlicht, dass sich unweigerlich das schlechte Gewissen meldet, wenn mal der eine, mal der andere mehr abkriegt. "Ich liebe dich, aber ich kann dich im Moment nicht leiden" – dürfen Eltern sich das eingestehen? Wie können Eltern damit umgehen, dass ihre Liebe sich vorübergehend unterschiedlich verteilt?

Schon der Gedanke, Unterschiede zu machen, schmerzt: Eines der eigenen Kinder nicht richtig zu lieben, beschwört das Bild vom totalen Versagen als Mutter oder Vater herauf. Dabei gilt die Elternliebe doch als stärkste emotionale Kraft und ist uns vielleicht sogar schon in die Gene geschrieben. "Die wichtigste Aufgabe, welche die Gesellschaft heutzutage den Eltern auferlegt, ist es, ihr Kind zu lieben", stellt Frank Furedi in seinem Buch "Die Elternparanoia" fest. Was auf den ersten Blick eine völlig berechtigte Forderung ist. Doch Liebe nehmen wir heute nur noch selten als spontane Empfindung wahr, "sondern sie ist zu einer elterlichen Funktion und Fertigkeit geworden," sagt Frank Furedi, "aus dem äußerst pragmatischen Grund, dass dieses Gefühl als Voraussetzung für ihr Funktionieren auf Verlangen gilt."

Deshalb rät man Eltern mit schöner Regelmäßigkeit, ihrem Kind bedingungslose Liebe entgegenzubringen und dies bitteschön, wenn mehr als ein Kind da ist, absolut gleich auf alle Kinder zu verteilen. Dahinter lauert eine Drohung: Gib Liebe, sonst wirst du schon sehen, was du davon hast! "Das ist der Grund, warum belehrende Vorträge über elterliche Liebe sowohl etwas ...

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