BZ-Interview

Psychiater Christian Peter Dogs: "Suchen Sie sich einen Freund, der gut zuhören kann"

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Mo, 12. März 2018 um 09:21 Uhr

Liebe & Familie

BZ-Plus Müssen wir uns öfter mal trauen, traurig zu sein? Der Psychiater Christian Peter Dogs sagt, Gefühle würden heute häufig pathologisiert. Er plädiert zu mehr Lockerheit im Umgang mit Emotionen.

BZ: Herr Dogs, Sie brechen mit Ihrem Buch "Gefühle sind keine Krankheit" eine Lanze für Angst, Trauer und Wut.
Dogs: Für Gefühle also, die völlig normal sind und zu einem menschlichen Leben dazugehören. Ich erlebe jetzt seit mehr als einem Jahrzehnt die Tendenz, dass Gefühle tausendfach pathologisiert werden. Wer oft Angst hat, hat eine Störung, wer traurig ist, ist nicht traurig, sondern depressiv, und zu viel wütend dürfen wir auch nicht sein.
"Viele Therapeuten sind melancholisch gestrickt." Christian Peter Dogs BZ: Sie schreiben die Schuld daran, dass solche Gefühle ihren Charakter als normale Begleiterscheinungen des menschlichen Daseins verloren haben, vor allem den Therapeuten zu?
Dogs: In der Tat. Das liegt zum einen am Personal selbst. Viele Therapeuten sind – um es mal vorsichtig auszudrücken – melancholisch gestrickt. Natürlich wird die Welt immer schlimmer, wenn ich sie negativ betrachte. Vor allem Psychoanalytiker sind ein bestimmter Menschenschlag, ich sage mal: besonders introvertiert. Sie deuten in alles sofort ein Trauma oder ein belastendes Ereignis hinein. Und dann ist das Therapieangebot in Deutschland einfach schlecht. Ich sehe die Fehler hauptsächlich in der Psychotherapie, viele Menschen werden hier erst krank gemacht. Auffällig ist auch, dass Privatpatienten offenbar kränker sind als gesetzlich Versicherte.

BZ: Woher kommt Ihr Misstrauen in ...

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