Wenn die Eltern bedürftig werden

kna

Von kna

Do, 11. Juli 2019

Liebe & Familie

Kostenlose Beratung über Pflegestützpunkte.

In Deutschland gelten 3,41 Millionen Menschen als pflegebedürftig. Rund drei Viertel von ihnen werden zu Hause versorgt, häufig von Angehörigen. Aber was tun, wenn Mutter, Vater oder andere Familienmitglieder etwa durch Krankheit, Sturz oder hohes Alter pflegebedürftig werden, die nächsten Verwandten jedoch hunderte Kilometer entfernt leben? In einem solchen Fall sei es vor allem wichtig, dass sich pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen schnell beraten lassen, sagt Simon Eggert, Bereichsleiter Analyse und Kommunikation im Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). Kostenlose Pflegeberatungen bieten in Deutschland beispielsweise Pflegestützpunkte an. Bei der Beantragung eines Pflegegrads kann die zuständige Pflegekasse oder Pflegeversicherung unterstützen. Online-Angebote, etwa die Beratungsdatenbank des ZQP, helfen, passende Angebote zu finden. Bei einer Beratung sollte die persönliche Belastungssituation des pflegenden Angehörigen zur Sprache kommen: Diese realistisch einzuschätzen sei wichtig, so der Experte. Denn Pflege kann sehr anstrengend sein und überfordern.

Tritt ein Pflegefall plötzlich ein, bedeutet das für entfernt lebende Angehörige eine große Herausforderung: "Ein erster Schritt ist es, mit Verwandten, Nachbarn oder Freunden zu klären, wer welche Hilfeaufgaben übernehmen kann und will. Finden sich mehrere Unterstützer in räumlicher Nähe der pflegebedürftigen Person, können Aufgaben aufgeteilt werden", erklärt Eggert. Verwandte könnten dabei auch aus der Ferne helfen, etwa indem sie Informationen einholen oder Anträge stellen.

Eine sofortige Reise zu einem pflegebedürftigen Verwandten kann vor allem dann nötig werden, wenn vor Ort keine ausreichende Unterstützung durch Familie oder Freunde möglich ist. "Hierfür haben Arbeitnehmer Anspruch, sich für bis zu zehn Tage zur Organisation einer Pflegesituation auch kurzfristig von der Arbeit freistellen zu lassen", sagt der Experte. Dazu kann eine Lohnersatzleistung, das sogenannte Pflegeunterstützungsgeld, bei der Pflegekasse des Pflegebedürftigen beantragt werden. Dieses wird an den pflegenden Angehörigen ausgezahlt.

Es ist zudem ratsam, das Thema Pflege nicht zu verdrängen, sondern frühzeitig gemeinsam mit Familie oder Freunden darüber zu sprechen. "Ein solcher Austausch kann nicht erzwungen werden und vollzieht sich vielleicht als vorsichtiger Gesprächsprozess leichter. Man kann auch versuchen, bereits erste Vereinbarungen darüber zu treffen, was in einer Pflegesituation gewünscht wird, aber auch, was Angehörige selbst für Grenzen ziehen möchten", so der Pflegeexperte der ZQP.

Ansprechpartner im Internet unter mehr.bz/pflegeberatung