Komfortabel und sparsam

Katja Fischer

Von Katja Fischer (dpa)

Mi, 05. Juni 2019

Umwelt & Natur

Modernes Bauen: Wie autark und energieeffizient sind die Häuser? Ein kleiner Überblick zur Orientierung.

Häuser verbrauchen in der Regel Energie. Aber manche können sie auch produzieren – teils sogar mehr als der Haushalt selbst verbraucht. Auf dem Markt kursieren verschiedene Begriffe für solche hocheffizienten Gebäude: Effizienzhaus, Nullenergiehaus, Plusenergiehaus, Passivhaus, energieautarkes Haus. Was steckt dahinter?

Effizienzhaus
Der Begriff Effizienzhaus beschreibt Häuser mit bestimmten Energiestandards. Dabei handelt es sich um eine Kategorisierung der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die dafür Fördermittel und zinsgünstige Kredite vergibt. "Der Mindeststandard, nach dem heute Einfamilienhäuser gebaut werden, ist das KfW-Effizienzhaus", erklärt Franz Michel vom Verbraucherzentrale- Bundesverband. Ein Effizienzhaus 100 entspricht im Energieverbrauch den Werten, die die aktuelle Energieeinsparverordnung (EnEV) als Referenzgebäude vorgibt. "Dieser Verbrauch liegt aber weit über dem, was im Neubau heute zulässig ist", sagt Michel.

Je kleiner die Kennzahl, desto besser ist die Energieeffizienz des Gebäudes also. Das KfW-70-Haus ist energieeffizienter als das Referenzgebäude, weil es 30 Prozent weniger Energie verbraucht. Es ist zugleich der Mindeststandard für Neubauten. Diese müssen gut gedämmt sein, es müssen aber nicht zwingend erneuerbare Energien verwendet werden. "Wer Förderung von der KfW für seinen Neubau möchte, muss aber eine Stufe besser bauen", sagt Michel.

Nullenergiehaus
Das Nullenergiehaus produziert so viel Energie, wie es selbst verbraucht. Möglich ist das zum Beispiel durch eine eigene Photovoltaik- oder Solarthermieanlage. "Entscheidend dabei ist die Jahresbilanz, nicht jeder einzelne Tag", erklärt Christian Stolte von der Deutschen Energie-Agentur. Daher sind Nullenergiehäuser an das Stromnetz angeschlossen, denn sie brauchen darüber hinaus noch Energie in Zeiten, in denen die Eigenproduktion nicht ausreicht.

Plusenergiehaus
Ein Plusenergiehaus produziert über das Jahr gesehen mehr Energie, als seine Bewohner benötigen. "Entscheidend ist eine sehr gut gedämmte Gebäudehülle", erklärt Stolte. Damit lassen sich Wärmeverluste reduzieren. In einem Plusenergiehaus wird der Energiebedarf komplett aus regenerativen Energien gedeckt. "Plusenergiehäuser sind unterschiedlich effizient, es gibt keinen einheitlichen Standard. Energieautark sind sie nicht automatisch", betont Stolte. Auch diese Gebäude brauchen in schlechten Zeiten noch Energie aus dem Netz.

Passivhaus
Das Passivhaus hat mit 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter den niedrigsten Heizwärmebedarf aller Haustypen. "Hier liegt der Fokus auf dem sehr sparsamen Verbrauch", erläutert Georg Dasch, Vorsitzender des Sonnenhaus-Instituts. Passivhäuser nutzen nicht die klassische Heizung, sondern passive Wärmequellen wie die Sonneneinstrahlung und die Körperwärme von Personen. Bei höherem Energiebedarf im Winter müssen auch Passivhäuser zusätzliche Energie von außen beziehen.

Energieautarkes Haus
"Energieautark ist ein Haus, wenn es wirklich mit der Energie auskommt, die es selbst erzeugt, und zwar an jedem Tag des Jahres", erklärt Dasch. Hier liegt der Fokus auf einem geringen Verbrauch und einer effizienten Energieerzeugung, so dass möglichst keine oder nur wenig Energie von außen bezogen werden muss. Kernstück dabei ist die Verknüpfung von Solarthermie und Photovoltaik.