Nichts für Kilometerfresser

Skigebiet Gitschberg Jochtal in Südtirol

Joachim Hauck

Von Joachim Hauck (dpa)

Sa, 09. März 2019

Reise

Nichts für Kilometerfresser: Skigebiet Gitschberg Jochtal hat aus der Not eine Tugend gemacht.

Auf den Pisten gibt es verblüffende Begegnungen. Da düst doch tatsächlich ein junger Mann mit Frack und Zylinder die Abfahrt vom Gitsch herunter. Ein netter Herr, der Skifahrern mit Rat und Tat zur Seite springt. Er hilft mit Taschentüchern aus, ersetzt den verlorenen Pistenplan und gibt als Einheimischer, der jeden Gipfel und jede Abfahrt kennt, Tipps für den schönsten Ausblick, die gemütlichste Einkehr und die leckerste Jause. Der "Cavaliere" ist der Liebling großer und kleiner Wintersportler – eine Errungenschaft, die es in anderen Skigebieten kaum gibt.

Die Südtiroler Region Gitschberg Jochtal hoch über Brixen hat sich etwas einfallen lassen und aus der Not, gegen den nahen Kronplatz und die Sella-Ronda-Zentren bestehen zu müssen, eine Tugend gemacht. Das war nicht immer so. Die Gemeinden Vals und Meransen waren Nachbarn, die sich in ihren viel zu kleinen Skigebieten eingeschlossen und eifersüchtig darüber gewacht hatten, dass der andere bloß nicht zu groß wird. Weitsichtige Hoteliers und Liftbetreiber rissen das Steuer herum, fusionierten ihre Gebiete, die seit 2012 durch eine 22 Millionen Euro teure Seilbahn verbunden sind.

Seither brummen rings um Vals und Meransen nicht nur die Lifte, sondern auch die Umsätze der Gastronomie und Bergbahnen. Vor zehn Jahren gab es vier Vier-Sterne-Hotels in der Region, heute sind es 16. Neu ist der Ski-Express, eine Zehner-Umlaufbahn bis zum Fuß des rund 2500 Meter hohen Gitsch. Mit ihr bringt es die Skischaukel auf 16 Aufstiegsanlagen und 55 Kilometer Abfahrten – zehn blaue, neun rote und vier schwarze Pisten. 95 Prozent davon können künstlich beschneit und binnen einer Woche fit fürs Skifahren und schneesicher bis Ostern gemacht werden. Das ist zwar nicht viel für Pistenfresser, aber lohnend für Wintersportler, die es gern überschaubarer mögen.

Zur Zielgruppe gehören Familien mit Kindern, Gruppen von Jugendlichen und Vereine sowie Genussskifahrer, die sich für drei oder vier Stunden die Brettl anschnallen und sich dann auf die Annehmlichkeiten der Region und ihres Hotels freuen. Zum Beispiel auf Wellness und Südtiroler Küche.

Das Pistenangebot passt zum Konzept der Touristiker: Die Abfahrten auf beiden Seiten des Altfasstals sind breit, die nicht zu steilen Hänge ideal zum Carven – sie überfordern auch Anfänger nicht. Drei Kinderparks mit Ganztagesbetreuung hat das Gebiet, darunter das Kinderland im Valser Talboden, das als einer der besten Skikindergärten Italiens ausgezeichnet worden ist. Auf den Erfolgen ausruhen will man sich in der Region Gitschberg Jochtal nicht. Im Frühjahr soll die Talabfahrt nach Meransen für Anfänger optimiert, eine permanente Trainingspiste am Gitschberg installiert und 2020 ein neues ehrgeiziges Projekt angepackt werden: der Bau einer neuen Seilbahn von Mühlbach tief drunten im Pustertal hinauf bis nach Meransen. Mit 20 Millionen Euro geht die Bahn wieder ganz schön ins Geld. Doch die Region setzt darauf, dass sich die Investition langfristig lohnen wird.

Infos: Skigebiet Gitschberg Jochtal, Anreise Brenner-Autobahn. Ausfahrt Brixen, Abzweigung Mühlbach und dann hinauf nach Vals und Meransen, http://www.gitschberg-jochtal.com