Fußball

Regionalliga-Team des SC Freiburg startet in die Vorbereitung

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 14. Juli 2019 um 12:53 Uhr

SC Freiburg

Der Sonntag Die Vorbereitung auf eine schwere Regionalliga-Saison läuft: In Saig bezieht heute die Reserve des SC Freiburg ihr Trainingslager. Dabei ist in der Talentschmiede des Sportclubs vieles beim Alten geblieben.

Die Regionalliga-Fußballer des SC Freiburg II starten am heutigen Sonntag in ihr Kurztrainingslager im Schwarzwald. Wie jedes Jahr muss die Bundesligareserve als Durchlaufstation eine große Personalfluktuation verkraften. In der beständigen Neuerfindung steckt aber auch ein besonderer Reiz.

Alljährlich das gleiche Ritual

Einen Freitag wie den vergangenen kennt Felix Roth nur zu gut. Mittlerweile ist es für den 31-jährigen Kapitän der SC-Reserve fast schon Routine: Der alljährliche Fototermin im Vorfeld der anstehenden Saison. Nahezu so eingespielt wie die tägliche Zahnbürsterei oder das Abendbrot nach der Arbeit. Erst das Mannschaftsfoto mit der neuen Ausrüstung im Möslestadion, im Anschluss Einzelporträts und Gruppenbilder der Neuzugänge: alljährlich das gleiche Ritual.

Aber jeder Saisonstart ist für den SC Freiburg II auch so etwas wie eine verstetigte Neuerfindung. Als Nachwuchsmannschaft ist die Personalfluktuation beim U23-Team jährlich groß. Im besten Fall empfehlen sich die gereiften Talente der vergangenen Spielzeit für höhere Aufgaben und aus der U19 rücken die nächsten Rohdiamanten nach. Vergangenen Sommer war der Umbruch gewaltig: Über zehn Spieler gingen, über zehn Neue kamen. Da dauerte es, bis die taktischen Rädchen ineinander griffen. Erst zur Rückrunde hin kam das Team wieder an das Niveau des Vorjahres heran – neun Partien ohne Niederlage zum Saisonendspurt sprechen eine deutliche Sprache. Am Ende sprang ein ordentlicher siebter Platz dabei raus.

"Dieses Jahr ist es eher ein kleinerer Umbruch", hat allerdings Neu-Mannschaftsführer Roth festgestellt, der seit drei Wochen mit seinen Mitspielern in der Vorbereitung schwitzt. Der Neustart beginnt stets muskelkaterlastig.

Ivica Banovics Abgang schmerzt

Aber zurück zum Personal: Defensivmann Angelo Rinaldi ist zum SSV Ulm gewechselt. Tim Baschnagel hat die Karriere beendet. Auch Nico Rodewald hat das Team verlassen. Schmerzlichster Abgang indes ist Ivica Banovic. Ein Mann mit Legendenstatus im Möslestadion und langjähriger Bundesligarecke, der nun als Trainer arbeiten möchte.

Die restlichen Abgänge sind interne, die bereits während der Saison den Sprung in den Trainingskader der Bundesligaprofis geschafft haben. Was ja die Essenz der gesamten Arbeit ist: "Es ist immer ein guter Indikator, wie viele Spieler letztlich den Schritt gehen", findet Trainer Christian Preußer. In den Brüdern Nico und Keven Schlotterbeck (1. FC Union Berlin), Chima Okoroji (SSV Jahn Regensburg), Fabian Rüdlin, Niclas Thiede, Christoph Daferner (Erzgebirge Aue) und Constantin Frommann (SG Sonnenhof Großasbach) hat sich in den letzten beiden Spielzeiten immerhin ein Septett für höhere Aufgaben qualifiziert.

Auch Coach Preußer erlebte vergangene Woche mehrere Déjà-vus: Am Freitag das jährliche Teamfoto, am Donnerstag die jährliche Schiedsrichterschulung mit den Teams und den Betreuerstäben der U19 und der U23, am heutigen Sonntag die Abfahrt ins Trainingslager.

In der Stille des Schwarzwaldes

Dieses Mal geht es nicht in die Ferne, sondern in den Schwarzwald. Im beschaulichen, heilklimatischen Kurort Saig wollen sie sich auf die neue Spielzeit vorbereiten, die in drei Wochen mit einem Derby gegen die Aufsteiger vom Bahlinger SC beginnt.

Die Kulisse der 747-Einwohner-Gemeinde Saig hat etwas Symbolhaftes. In aller Seelenruhe arbeiten sie unter der Beobachtung des 35-jährigen Diplomtrainers an den Grundlagen der neuen Saison. Druck macht der Sportclub nicht bei seinem Nachwuchsteam. Die Entwicklung, nicht die abschließende Tabellenpositionierung steht im Vordergrund. Fußball wollen sie spielen, Ballbesitz zum Offensivzweck machen, beständig den Sturm und Drang ausleben lassen und nicht defensiv mauern.

SC-Nachwuchs im Haifischbecken

Wobei der Klassenerhalt in der stärker werdenden Regionalliga keine Selbstverständlichkeit ist. In der Liga wimmelt es nur so an Traditionsvereinen: VfR Aalen, SSV Ulm, FSV Frankfurt, die Kickers Offenbach – alle mit hohen Ansprüchen. "Sieben Teams melden Aufstiegsambitionen", vermutet Preußer. Zudem dürften auch die Reserveteams aus Hoffenheim und Mainz das Niveau heben. Der SC-Nachwuchs misst sich in einem Haifischbecken. Letzte Saison erwischte es hier die Reserve des VfB Stuttgart, im Vorjahr die Stuttgarter Kickers – ein Team, das immerhin mit einem Millionenetat aufläuft.

Sieben Spieler aus der U19 sowie den Neuzugang Sandrino Braun von Drittligist SC Preußen Münster muss Preußer integrieren. Der 31-Jährige ist ehemaliger Freiburger und weiß, was ihn erwartet. "Wir halten damit weiterhin an unserer Teamstruktur fest", erklärt der Trainer. Unter dem Schutz der Erfahrung zweier älterer Recken sollen die jungen Talente gedeihen.

Gut trifft sich, dass das Erfahrungsduo Roth und Braun sich bereits aus der Jugend kennt und gut befreundet ist. Ersterer soll die Offensive ankurbeln, Letzterer die Defensive stabilisieren. Roth hat zudem das Kapitänsamt von Banovic übernommen. "Wobei ich das ja auch in den vergangenen Jahren bereits häufig hatte."

Vieles ist also beim Alten geblieben in der Talentschmiede des Sportclubs. Wobei Altes hier gleichzeitig beständig Neues bedeutet. Wenn sie am Ende wieder im oberen Mittelfeld stünden, dürfte sie das nicht weiter stören.