Die zwei Rollen des Alexander Schill

Bettina Schaller

Von Bettina Schaller

Mo, 24. Juni 2019

Reitsport

Der 34-jährige Springreiter wirkt als Turnierleiter und räumt am Ende der Ichenheim Classics mit Contutto sogar noch den Großen Preis von Neuried an.

REITSPORT. Alexander Schill und sein Contutto setzten den 40. Ichenheim Classics das Sahnehäubchen auf: Der Springreiter des RV Ichenheim gewann vor heimischem Publikum den Großen Preis von Neuried am Sonntagnachmittag vor einem begeisterten Publikum.

Zwei bravouröse Ritte legte der 34-jährige Alexander Schill im Großen Preis hin und zeigte damit seiner Konkurrenz die Hufe. Für das Stechen um den Großen Preis hatten sich nur vier der 33 Starter qualifizieren können. Das weibliche Element im Stechen repräsentierten zwei Amazonen: Pia Reich vom RV Dreiländereck und Tabea Lausenmeyer vom RFV Frankenhardt. Sie wollten ihre männliche Konkurrenz hinter sich lassen. Im Drei-Sterne-S-Springen wäre dies Pia Reich im Sattel von Cim Air fast gelungen. Doch ein Abwurf brachte ihr Rang zwei. Mit ebenfalls einem Abwurf musste Tabea Lausenmayer auf Chuanita leben, weshalb sie sich auf Platz drei fand. Cento du Rouet von Timo Beck riss gleich an zwei Sprüngen. Mit acht Strafpunkten konnte der Lokalmatador nur die Blaue Schleife nach Hause bringen. Beck trug es mit Fassung, hatte Cento du Rouet ihn doch beim Zwei-Phasen-S**-Springen ebenso auf den zweiten Platz getragen wie in der zweiten Qualifikation der Großen Tour, auch ein S**-Springen.

Großer Pferdesport auf der Ichenheimer Waldreitanlage

Und was bedeutet der Sieg für Alexander Schill? Nach zwei Jahren stand er wieder als Sieger des Großen Preises von Neuried auf dem Siegertreppchen. Damals im Sattel seines sprunggewaltigen Paradepferdes Chass. Der Ichenheimer zeigte damit, dass er der Doppelbelastung gerecht werden kann: Er trat nicht nur als Springreiter an, sondern wirkte auch als Turnierleiter der Springwettbewerbe auf der Waldreitanlage.

"Ich versuche, trotz der enormen organisatorischen Last, die auf meinen Schultern ruht, dem sportlichen Part gerecht zu werden. Ich glaube, ich habe das bereits bewiesen", sagte Alexander Schill. Der 34-Jährige erklärte, dass er "den Sport voll im Fokus" habe, sobald er im Sattel sitze. Das bewies der Reiter der Landesspitze auch, als er mit seinen jungen Pferden Charly Brown und Tacoma vor heimischer Kulisse in einem Zwei-Sterne-M-Parcours auf den zweiten Platz ritt. Die Rollen als Gastgeber und Sportler kann er offenbar vereinen.

An vier Tagen sah man auf der Ichenheimer Waldreitanlage großen Pferdesport. Namhafte Reiterinnen und Reiter aus der Region gingen an den Start.

Wer allerdings gehofft hat, dass die 40. Ichenheimer Classics an alte Zeiten anknüpfen, sah sich enttäuscht. Alexander Schill: "Unsere Preisgelder hier in Ichenheim reichen nicht aus, um nationale und internationale Größen auf die Waldreitanlage zu locken." Bei den Baden Classics in Offenburg sähe das schon ganz anders aus.

Meisterschaftsschärpe geht an Pia Reich (RV Dreiländereck)

Ganz oben auf dem Treppchen erhielt Pia Reich vom RV Dreiländereck die Meisterschaftsschärpe aus den Händen von Iris Keller, die seit Jahresanfang an der Spritze des Südbadischen Pferdesportverbandes steht.

Doch die wahre Größe zeigten Timo Beck und Hans Dreher. Dreher, Sieger des Großen Preises in Donaueschingen, des Weltcupspringens von Leipzig (CSI 5*) und Mitglied des Championatskaders der deutschen Equipe, stieg am Samstagabend lachend auf die dritte Stufe des Treppchens für die südbadische Meisterschaft der Springreiter. Belcanto hatte ihn mit 75 Punkte zu Bronze getragen, während der Lahrer Springreitlehrer Tobias Schwarz mit 77,5 Punkten und seinem Pferd Soleil Silber bekam.

Ein tolles Turnier auf einer wunderbaren Reitanlage, welche mit ihrem Baumbestand gegen alle Kapriolen des Wetters gerüstet ist, hatte mit dem Großen Preis von Neuried ihren würdigen Abschluss gefunden. 249 Reiterinnen und Reiter hatten 1339 Starterplätze in 32 Prüfungen belegt. 190 Stallzelte standen für die Gastpferde bereit. Großen Applaus spendeten die zahlreichen Zuschauer rund um das Dressurviereck und den Springplatz den zahlreichen Helferinnen und Helfern, "ohne die ein solches Turnier nicht möglich wäre", so der Initiator der Ichenheim Classics, Hans-Jürgen Schnebel.

Alle Ergebnisse aus Ichenheim: http://www.fnneon.de