Rekord bei Kirchenaustritten

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Von kna, dpa & Gerhard Kiefer

Sa, 27. Juni 2020

Deutschland

Mehr als eine halbe Million Menschen aus christlichen Glaubensgemeinschaften ausgetreten.

(dpa/kna/kie). Immer mehr Menschen treten in Deutschland aus der Kirche aus – vergangenes Jahr waren es mehr als eine halbe Million. 272 771 Katholiken kehrten ihrer Kirche den Rücken. Das waren 26 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bei den Protestanten waren es etwa 270 000 – 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch in Baden-Württemberg schrumpft die Zahl der Kirchenmitglieder massiv.

Im Südwesten haben die Austrittszahlen in evangelischer und katholischer Kirche einen historischen Höchststand erreicht. Bistümer und Landeskirchen verloren 2019 insgesamt rund 119 000 Mitglieder. Das ist ein Rückgang um fast 1,8 Prozent, wie die Kirchen am Freitag mitteilten. Zwei Drittel dieses Verlusts (82 000) gehen auf das Konto von Austritten. Im Erzbistum Freiburg stieg die Zahl der Austritte um mehr als 23 Prozent auf knapp 22 300. Mit nun 1,793 Millionen Katholiken bleibt das Erzbistum unverändert drittgrößte deutsche Diözese, hinter dem Erzbistum Köln und dem Bistum Münster. Außerdem verzeichnete die Erzdiözese einen Rückgang bei den Taufen um gut tausend auf 12 179. Der Mitgliederbestand in der Diözese Rottenburg ging von 1,82 Millionen auf 1,79 Millionen zurück.

Glimpflicher kam die Evangelische Landeskirche in Baden davon. Bei ihr stiegen die Austritte aber dennoch um 13 Prozent auf 13 735. Sie hatte Ende vergangenen Jahres noch 1,12 Millionen Mitglieder – ein Minus von 1,8 Prozent.

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg bleibt mit knapp 1,96 Millionen Mitgliedern nach wie vor die größte Kirche im Südwesten. Die Austritte sind dort im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent auf 24 109 gestiegen. In der Gruppe der über 60-Jährigen ist die Zahl der Austritte um 50 Prozent gewachsen.

Badens evangelischer Oberkirchenrat Martin Wollinsky wies auf Folgen sinkender Mitgliedzahlen sowie der Corona-Krise für den kirchlichen Haushalt hin: "Für die kommenden Jahre steht die Landeskirche vor der Herausforderung, mit dem sinkenden finanziellen Spielraum aufgrund der Mitgliederentwicklung und den hohen Renteneintrittszahlen bei Pfarrerinnen und Pfarrern gut umzugehen." Betroffen äußerte sich auch Freiburgs Erzbischof Stephan Burger. Er sagte aber auch, es sei kein Naturgesetz, dass die Zahl der Gläubigen sinke: "Es ist bleibender Auftrag der Kirche, den Menschen bewusstzumachen, wie wertvoll unsere kirchliche Gemeinschaft für sie persönlich sein kann."