BZ-Magazin

Kraftwerk Rheinfelden: Alles im Fluss

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Sa, 12. Dezember 2009

Rheinfelden

Natur- gegen Denkmalschutz: In Rheinfelden steht das erste Flusswasserkraftwerk Europas. Im nächsten Jahr soll es abgerissen werden – um Platz zu machen für die wandernden Rheinfische und eine naturnahe Flusslandschaft.

Das Schild hängt noch da, eine unscheinbare, mattsilberne Metallplatte, bescheiden klein, fest verdübelt an der Außenwand des 150 Meter langen Gebäudes. Riesige Steinquader und große Fensterflächen, in viele Felder geteilt, prägen das Erscheinungsbild. Und dann dieses Schildchen, 20 Zentimeter im Quadrat. Als müsste man die darauf festgehaltene Nachricht verstecken: "Das Kraftwerk Rheinfelden wurde als erstes Flusskraftwerk in Europa 1885 bis 1889 errichtet. Der Bau um die Jahrhundertwende war eine gewaltige technische Leistung, angepasst an die günstigen geologischen Voraussetzungen." Es folgen technische Daten: 25, 7 Megawatt installierte Leistung, 20 Turbinen, 6,1 Meter Gefälle, konzipiert für 70 Millionen Kilowattstunden Jahresproduktion Strom. Heute liefert das Kraftwerk 185 Millionen Kilowattstunden elektrische Energie. Saubere Energie. Das die nüchternen Fakten.

An einem Punkt widerspricht Armin Fust sofort und vehement: In den französischen Alpen sei bereits zwei Jahre früher ein Flusskraftwerk in Betrieb genommen worden, bei Cheyvres an der Rhone. Und ein Jahr später eines in Italien. Natürlich, die seien deutlich kleiner als das Kraftwerk in Rheinfelden, hätten nicht die gleiche Bedeutung und nicht mehr in Betrieb. Genau genommen kann man in Cheyvres gar nichts mehr sehen, weil es im Stausee des neuen, größeren Kraftwerks untergegangen ist. Aber bitte, das müsse man wissen, das sollte man bedenken. Es hat den Eindruck, als wolle Fust etwas verleugnen, zumindest kleinreden. Ein Stück eigene Geschichte. Fust ist Leiter der Kraftwerkssparte beim Energiedienst, dem Betreiber mehrerer Wasserkraftwerke am Hochrhein. "Nein, nein", antwortet der Ingenieur, " wir pflegen unsere Wurzeln. Die kappen wir nicht gerne." Ob gerne oder nicht: Tatsache ist, dass die Wurzeln abgeschnitten werden sollen.

Denn am Anfang war das Kraftwerk. Ein langgezogener Bau, in den Rhein gebaut, mit vielen Sprossenfenstern, die klassizistische Fassade streng und mit Steinquadern gegliedert, zu nüchtern für ein Wasserschloss, zu prächtig für einen Zweckbau. Ein einzigartiges Bauwerk. Im ...

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