Von Walzer bis Cha-cha-cha

Christel Hülter-Hassler

Von Christel Hülter-Hassler

Di, 16. April 2019

Riegel

Der Musikverein Riegel verwöhnte sein Publikum bei seinem Frühjahrskonzert mit vielen Variationen mitreißender Tanzmusik.

RIEGEL. Als eine mitreißend rauschende Ballnacht setzte der Musikverein Riegel sein diesjähriges Frühjahrskonzert am Samstag mit dem Thema "Tanzen" in der Riegeler Römerhalle in Szene. Weil Dirigentin Katja Wößner krankheitsbedingt ausgefallen war, sprang die erst 22-jährige Lisa Kietz als musikalische Leiterin ein.

An diesem Abend war in der Römerhalle vieles etwas anders: Zum ersten Mal seit 27 Jahren dirigierte nicht Katja Wößner, sondern Lisa Kietz, die Tochter von Bürgermeister Daniel Kietz. Außerdem gab es für die mehr als 400 Gäste nicht nur die große Formation des 55-köpfigen Musikvereins zu hören, sondern zusätzlich eine Bigband, ein Brass-Quintett und großartigen Gesang.

Zum Auftakt des Konzerts zeigte das Jugendorchester mit "Shackelford Banks" und "Arabian Dances", dass es sowohl beschwingte als auch sinnlich-orientalische Tanzmusik mitreißend spielen kann – und erntete für diese Kostproben ihres Könnens verdienten, überbordenden Applaus.

Daniel Kietz war den ganzen Abend durch ein charmanter Unterhalter in seiner Doppelrolle als musizierender Hausherr und Moderator: Das Publikum dürfe sich einfach nur der Musik hingeben und je nach Lust und Laune auch gern in den Gang hinaus tanzen wie bei James Last oder André Rieu. Zu so viel Übermut kam es zwar nicht aus den Zuschauerreihen, dafür aber von den Musikern: Beim Cha-cha-cha-Tanz "Sway" heizte ein Teil des Orchesters auf der Bühne ein, die anderen tanzten unten, während Felix Kietz als Sänger auf einer Nebenbühne einen umwerfenden Michael Bublé gab.

Mystisch und geheimnisvoll ging es weiter mit "Dance with the devil". Die Musik des "Säbeltanzes" war rasant und packend. Im jüdischen Hochzeitstanz hörte man wunderbar die arabischen und jüdischen Passagen heraus. Und dann folgte "Cossack Fire Dance": Die mit Solisten akzentuierte musikalische Nachbildung einer jüdischen Hochzeitszeremonie wurde berührend und ausdrucksstark vorgetragen.

An diesem Abend pulsierte die beeindruckend gestaltete Bühne der Römerhalle im Tanzfieber und im Sog der variationsreichen Musik mit wechselnden Besetzungen, Chor und Solisten. Spektakulärer Höhepunkt war eine Sequenz aus dem Musical "Tanz der Vampire". Auf Wunsch des Musicalfans Hannes Ringswald habe dieser selbst zusammen mit Helmut Fischer das Arrangement für Blasorchester umgeschrieben für den Originalgesang, verriet Daniel Kietz. Der junge Musiker habe sich dann um einen tollen Chor gekümmert und schlüpfte dann selbst als Vampir in eine Hauptrolle: Er und die junge Amolterin Annalena Herr sangen sich das Herz aus der Seele. Das Publikum war so hingerissen, dass die Leute spontan reihenweise aufstanden, um den Akteuren ihren Beifall zu bekunden.

Eine große Sache war auch das mitreißende Ragtime-Stück "That’s A plenty" das ein Brass-Quintett befeuerte. Für "Salty Salsa" mischte das Orchester viele Tanzstile – und offerierte sie mit so viel Esprit und tollem Rhythmus, dass niemand mehr ruhig auf dem Stuhl sitzen konnte. Der bekannte Hit "El Cumbanchero" wurde in dem berauschenden, anspruchsvollen Arrangement von Naohiro Iwai zu einem unvergesslichen Erlebnis für die hingerissenen Zuhörer.

Welch wohltuende Symbiosen Musik und Tanz eingehen können, zeigte vor allem die letzte von den drei stürmisch eingeforderten Zugaben, als die Musiker einzeln von der Bühne kamen, sich beschwingt im Walzertakt drehend und sich mit beseelten Gesichtern dem Zauber des Tanzes hingaben.

Einen sehr bewegenden Moment gab es zum Schluss, als Vorstand Hardy Tiemer die großartige Leistung der Musiker und vor allem Lisa Kietz würdigte und die hinten im Saal sitzende Katja Wößner zu sich auf die Bühne bat. "Katja, heute haben wir für Dich gespielt. Du hattest die Idee, hast die Stücke ausgesucht und das Fundament zu diesem Konzert gelegt" bedankte er sich bei der Dirigentin.