Landtagswahl

Grüne im Oberen Wiesental feiern, CDU-Vertreter sind enttäuscht, SPDler glücklich über Hoffmanns Mandat

Sarah Trinler

Von Sarah Trinler

Di, 16. März 2021 um 10:30 Uhr

Todtnau

Die BZ hat sich am Tag nach der Wahl unter Ortsvereinen und Fraktionen im Oberen Wiesental umgehört und ein Stimmungsbild eingefangen.

Auch in den Städten im Oberen Wiesental konnten sich die Grünen bei der Wahl am Sonntag durchsetzen. Während bei der Landtagswahl 2016 die CDU in Todtnau und Zell noch stärkste Partei war, wurde sie nun auf den zweiten Platz verwiesen. In Schönau konnten die Grünen den ersten Platz verteidigen. Die BZ hörte sich am Tag nach der Wahl in den Ortsvereinen und Fraktionen im Oberen Wiesental um und holte ein Stimmungsbild ein.

Freude bei den Grünen

Von einer "riesengroßen Freude" spricht Hartmut Schwäbl, Vorsitzender im Ortsverband Oberes Wiesental von Bündnis 90/Die Grünen sowie Kreisvorstandssprecher. Besonders freut es ihn, dass die Grünen sich diesmal auch in Zell und Todtnau haben durchsetzen können, bei der Landtagswahl 2016 war die CDU in diesen Gemeinden noch knapp vorne gewesen. Bedauerlich findet Schwäbl, dass sich bei dieser Wahl keine verlässlichen Aussagen über die Wahlergebnisse in den einzelnen GVV-Gemeinden machen ließen, da die Briefwähler in Schönau ausgezählt und dort auch der Statistik zugeordnet wurden. Das erfreuliche Ergebnis der Grünen im Kreis führt Schwäbl vor allem auf die gute Arbeit des Kandidaten Josha Frey zurück. "Sein Stil, die ,Politik des Gehörtwerdens’, kommt in meinen Augen sehr gut bei den Leuten an."

CDU sucht nach Erklärungen

Enttäuscht zeigt sich Klaus Wetzel, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Zell sowie CDU-Stadtrat in Zell, in Bezug auf das Abschneiden der Christdemokraten sowohl landes- als auch kreisweit. "Es hat mich gewundert, dass der CDU-Kandidat Christof Nitz nicht mehr Zustimmung erreichen konnte – er ist ja schon recht bekannt." Landesweit müsse man sehen, dass der Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann ein gutes Ansehen habe, da sei es für andere Parteien schwer, durchzukommen. Auch habe die Maskenaffäre der CDU geschadet, "so etwas schlägt immer durch", sagt Wetzel. Nun müsse man mit dem Wahlergebnis leben. Der Zeller Stadtverband hoffe indes, dass die Grünen wieder eine Koalition mit der CDU eingehen werden.

Lukas Griesbaum, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Todtnau, würde es eher bevorzugen, wenn sich die Christdemokraten in die Opposition begeben würden. So könne man die Zeit nutzen und sich neu aufstellen. Das Ergebnis der CDU wertet Griesbaum als "enttäuschend", wenngleich es zu erwarten gewesen sei. Dass die Grünen auch in Todtnau an die Spitze gewählt wurden, sei allerdings überraschend gewesen, "da Todtnau eigentlich immer CDU gewählt hat". Dem Landtagskandidaten Christof Nitz macht Griesbaum keinen Vorwurf: "Er war ein wahnsinnig guter Kandidat, der einen tollen Wahlkampf unter schwierigen Bedingungen geführt hat."

SPD glücklich über Hoffmanns Sprung in den Landtag

Während es Christof Nitz für den Wahlkreis Lörrach nicht in den Landtag geschafft hat, konnte sich der Kandidat der SPD freuen. "Wir sind natürlich hocherfreut, dass unser junger, dynamischer Kandidat Jonas Hoffmann den Sprung in den Landtag geschafft hat und dort die erfolgreiche, engagierte Arbeit von Rainer Stickelberger fortsetzen wird", bilanziert Rainer Süttlerle, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Zell/Oberes Wiesental. Die relativ geringe Wahlbeteiligung sei allerdings sicherlich nicht förderlich für die SPD gewesen – landes- und kreisweit belegte sie den dritten Platz. Immerhin habe die SPD in Zell das kreisweit beste Ergebnis geholt, "wenn auch etwas schlechter als 2016". "Sorge bereitet mir das schwächere Abschneiden in Todtnau und vor allem in Schönau, hier sollte mehr drin sein", meint Sütterle. Mit Blick auf die anstehende Regierungsbildung würde der Ortsvereinsvorsitzende eine Ampelkoalition bevorzugen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Grün-Schwarz weitere fünf Jahre durchhalten kann", so Sütterle.

"Das Ergebnis ist natürlich nicht berauschend", sagt Thomas Kaiser, Vorsitzender der Zeller Stadtratsfraktion – weder auf Landes- noch auf Kreisebene. Dennoch müsse man bedenken, dass die Wahlprognosen für die Sozialdemokraten noch schlechter ausgesehen hätten. Kaiser freut sich indes, dass der SPD-Kandidat Jonas Hoffmann in den Landtag einziehen wird. "So kann Jonas Hoffmann im Landtag die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers Rainer Stickelberger fortsetzen."

Auch Michael Schröder, SPD-Stadtrat in Schönau, freut sich, dass Jonas Hoffmann im Landtag vertreten sein wird. Dass die SPD sowohl auf Landesebene als auch in Schönau "leicht an Stimmen verloren" habe, sei hingegen weniger erfreulich. "Die SPD befindet sich an einem Tiefpunkt, aus dem es sehr schwierig wird, schnell wieder herauszukommen."