Der schwere Weg

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Fr, 08. November 2019

Ringen

Mit seinen erst 21 Jahren kämpft Maximilian Remensperger für den Ringer-Bundesligisten RKG Freiburg schon im Schwergewicht.

FREIBURG. Junge Menschen: Sie sind begeisterungsfähig und voller Elan, sie probieren viel aus, machen verrückte Dinge, manchmal fallen sie auf die Nase, dann stehen sie wieder auf, mitunter mit Schrammen. Aber Euphorie und Zuversicht bleiben meist. Sie setzen sich Ziele, die sie mal erreichen und mal nicht, bei manchen dauert die Findungsphase lange, bei anderen kurz; die einen nehmen die gerade Strecke, wie an der Schnur gezogen; und die anderen entscheiden sich für den kurvigen und schweren Weg. Oft führt beides zu einem guten Ergebnis.

Wer den Werdegang von Maximilian Remensperger (21 Jahre) mitverfolgt oder begleitet hat, der findet in einer Person beide Wege. Den des Begabten und Zielorientierten im Sport sowie und den des Suchenden im richtigen Leben.

Als Kind war der Junge aus Ebringen ein echter Sonnenschein. Mit vielen Ideen, gern im Mittelpunkt stehend, den Schalk im Nacken tragend. Zu seinem Sport kam er als Sechsjähriger, als ihn sein älterer Bruder zum Schülertraining in die St. Georgener Festhalle schleppte. "Ohne das Wissen meiner Mutter", wie Remensperger schelmisch hinzufügt.

Eine familiäre Vorgeschichte zu der Sportart, so wie es beim Ringen der gängige Weg ist, hatte er nicht vorzuweisen. Aber Mutter Daniela arrangierte sich schnell mit dem Sport, für den ihr Sohn Feuer und Flamme war. "Maxi" lernte flugs Griffe und Techniken, schaffte es zu deutschen Jugendmeisterschaften im klassischen Stil, bei dem nur Griffe vom Kopf bis zur Hüfte erlaubt sind. Denn als Zwölfjähriger musste er sich nach einem Snowboardunfall einer Bein-OP unterziehen. Der Freie Stil, der Aktionen vom Kopf bis zum Fuß erlaubt, war passé.

Mehr "Pumpen" als Techniktraining

Später war es der Heranreifende satt, für Turniere Gewicht zu machen, teils bis zu sieben Kilo abzutrainieren. Das "Abkochen" fordert Körper und Geist, und wer gewisse Lebensmittel nur noch angucken, aber nicht mehr essen darf, hat irgendwann genug vom Gewicht reduzieren. "Es hat mich müde gemacht", sagt Remensperger. Er entschied sich für einen anderen, den schweren Weg.

Wie auf viele Teenager übten Krafträume dann auch auf ihn eine erstaunliche Anziehungskraft aus. Es gab Zeiten, in denen das "Pumpen" für ihn wichtiger war als das Techniktraining. "Er arbeitet halt gern an den Kraftgeräten", sagt RKG-Trainer Luigi Tascillo.

So wuchs der junge Mann zu einer Körpergröße von 1,80 Metern heran. Seit der Saison 2016 kämpft er in der ersten Mannschaft der RKG Freiburg, zuerst in der Gewichtsklasse bis 86 Kilo, dann bis 98 und 125 Kilo. Im ersten Jahr in der "Ersten" trat er mit seinem Team noch in der zweiten Liga an. Doch schon 2017 kämpfte er in der ersten Liga, weil die Staffeln der zweiten Bundesliga – durch die Gründung der Konkurrenzliga DRL – vom Deutschen Ringer-Bund abgeschafft worden waren. Plötzlich war die RKG Erstligist – und Maximilian Remensperger ein Erstligaringer. Bei der deutschen Junioren-Meisterschaft holte er Silber in der Klasse bis 96 Kilo. 2018 wurde er Fünfter bei der Militär-WM.

Und im richtigen Leben? Nach der mittleren Reife und dem Fachabitur war Remensperger ein Jahr lang bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Todtnau-Fahl. Dann jobbte er bei einem Reifenhändler und einer Security-Firma, begann eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker, brach sie aber nach einigen Wochen ab. Er heuerte wieder bei der Bundeswehr an für vier Jahre. Von Januar an wird er Transportsoldat in Müllheim sein.

Und im Ringen, in dem es kein Gehalt, sondern allenfalls Prämien gibt? Vor der Saison 2019 war für Trainer Tascillo und seinen Athleten klar: Dieser soll sich nur noch mit 98 und 125 Kilo beschäftigen, nicht mehr mit der 86er-Kategorie. "Wer gern Krafttraining macht wie er, kann auch Masse aufbauen", sagt Tascillo.

Ein großer Sieg gegen den WM-Dritten

Inzwischen hat sich Remensperger, der nun 101 Kilo wiegt, etabliert: Bei vier Einsätzen siegte er zweimal. Der beachtlichste Erfolg war der 3:1-Punktsieg Mitte Oktober gegen den Köllerbacher Oleksandr Khotsianivkyi, einen Koloss von 119 Kilo, der 2019 WM-Dritter wurde – allerdings im Freistil. "Bei der Begrüßung per Handschlag habe ich gemerkt, dass er fast doppelt so große Hände hat wie ich", sagt der 21-Jährige über seinen ukrainischen Gegner. Auch hier wählte Remensperger den schweren Weg – mit Erfolg.

Die RKG Freiburg (4:6 Punkte) kämpft am Samstag, 19.30 Uhr, in der Festhalle St. Georgen gegen das saarländische Team aus Hüttigweiler (6:4). Die Hinrunde beschließen die Breisgauer am Sonntag, 17 Uhr, mit dem Südbaden-Derby in Hausen-Zell (4:6).