Frank Stäbler bleibt das Aushängeschild

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Von dpa

Do, 13. Februar 2020

Ringen

Bei der Ringer-Europameisterschaft in Rom gewinnt der Deutsche die Goldmedaille / Ellen Riesterer kämpft heute um Bronze.

ROM/FREIBURG (dpa/gg). Ausnahme-Ringer Frank Stäbler ist in der Gladiatorenstadt Rom über sich hinausgewachsen und hat bei seiner letzten EM noch einmal Gold erobert. Der 30-Jährige gewann am Mittwochabend das Finale bis 72 Kilogramm im griechisch-römischen Stil, bei dem nur Griffe vom Scheitel bis zur Hüfte erlaubt sind, gegen den Georgier Iuri Lomadze mit 6:2 Punkten. Mit diesem Kraftakt nach einem zuvor makellosen Turnier holte sich der Sportler aus Musberg (Stadtteil von Leinfelden-Echterdingen) viel Selbstvertrauen für seine letzte große Mission: eine Medaille bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Nachdem der dreimalige Weltmeister am Dienstag alle seine drei K.o.-Duelle vorzeitig durch Überlegenheit gewonnen hatte, ließ er sich auch im Titelkampf gegen Lomadze vor mehreren Dutzend Stäbler-Fans nicht aufhalten. Stäbler sicherte sich den zweiten Europameistertitel (zuvor 2012) und insgesamt die achte internationale Medaille. Gold bei Weltmeisterschaften holte er 2015, 2017 und 2018. Der nervenstarke Athlet hat noch nie ein großes Finale oder Halbfinale verloren. Nur eine Medaille bei Olympia fehlt Stäbler noch. Und mit dieser EM-Goldmedaille kann er motiviert in den bevorstehenden Urlaub und danach in die körperlich extreme Vorbereitungs-Tortur gehen. Weil die 72-Kilo-Klasse nicht olympisch ist, muss er – anders als in Rom – im August in Tokio in der Kategorie bis 67 Kilo antreten. Dabei wiegt Stäbler normalerweise 75 Kilogramm. Bis zu seinem letzten großen Wettkampf in Japan heißt es deshalb, etliche Kilogramm abzunehmen. "Wir haben einen Masterplan", berichtete Stäbler jüngst. Dennoch gebe es bei seinem Vorhaben "ganz, ganz viele Fragezeichen.

Kein Losglück hatte Ellen Riesterer von der RKG Freiburg in der italienischen Hauptstadt. Die 21-jährige Junioren-Vizeweltmeisterin bis 50 Kilo unterlag im Viertelfinale der mit zehn Athletinnen besetzten Gewichtsklasse bis 55 Kilo Olga Khoroshavteva überhöht mit 0:11 nach Punkten. Da die 25-jährige Russin, die 2019 Bronze bei der WM in Kasachstan geholt hatte, anschließend durch einen 9:8-Punktsieg gegen die Schwedin Sofia Mattsson in den Endkampf einzog, darf Riesterer an diesem Donnerstag um Bronze ringen. Indes mit geringen Aussichten: Denn die 30-jährige Mattsson ist Olympiadritte von 2016 in Rio de Janeiro. "Ellen hat die schwierigsten Gegnerinnen des gesamten Feldes. Im anderen Pool wäre es einfacher gewesen", sagte ihre ältere Schwester Kim der BZ. Im Ringen werden – ähnlich wie im Tennis – zwei Pools gebildet. Im Gegensatz zum Tennis gibt’s aber bei der EM keine Setzliste. Ellen Riesterer will in Rom vor allem Turniererfahrung sammeln für das erste von zwei Olympia-Qualifikationsturnieren, das im März stattfindet. Dann wird sie fünf Kilo Gewicht abtrainieren müssen und in ihrer angestammten Klasse bis 50 Kilo starten.

Die aus Krefeld stammende und am Olympiastützpunkt Freiburg trainierende Aline Rotter-Focken unterlag in der Klasse bis 76 Kilogramm im Achtelfinale mit 4:5 Punkten Yasemin Adar. Da die Türkin das Finale erreichte, hat Rotter-Focken am Donnerstag noch die Chance auf die Bronzemedaille. Ebenso zwei andere deutsche Athletinnen: Laura Mertens (Dormagen/bis 59 Kilo) und Anna Schell (Unterföhring/bis 68 Kilo). Bei den Männern im klassischen Stil gewannen Hannes Wagner (82 Kilo) und Jello Krahmer (130 Kilo) jeweils Bronze.

Die Bedeutung der Ringer-Europameisterschaft ist in einem Jahr, in dem noch die Olympischen Spiele in Japan anstehen, nicht so groß wie in anderen Jahren. Zumal die EM belanglos ist für die Olympia-Qualifikation hat. Um bei den Sommerspielen in Tokio dabei zu sein, mussten Ringer bei der Weltmeisterschaft 2019 in ihrer jeweiligen Gewichtsklasse jeweils unter den Top sechs sein – oder sie müssen das Finale erreichen bei einem europäischen beziehungsweise einem weltweiten Qualifikationsturnier im März und Mai 2020.