Hof halten für Frank

Jochen Fillisch

Von Jochen Fillisch

So, 17. November 2019

Rock & Pop

Der Sonntag Crossover-Genie: Drei Abende mit Zappa-Features in Lörrach.

Frank Zappa hat die Musikwelt immer polarisiert. Die einen können mit seinen oft schrägen Klangcollagen nichts anfangen, die anderen sind fasziniert von den unkonventionellen Schöpfungen und seiner ungeheuren kreativen Vielfalt. Markus Muffler und Niggi Ullrich widmen dem 1993 verstorbenen Künstler zum 80. Geburtstag im Januar ein dreitägiges Feature.

Nach dem Fassbinder-Projekt vor zwei Jahren sind die "Features about Frank Zappa" die zweite Produktion des Lörracher Burghofs, die sich intensiv mit einem bedeutenden Künstler des 20. Jahrhunderts beschäftigt. Dabei soll es nicht darum gehen, Zappa-Stücke vom Plattenteller zu hören, vielmehr wollen sich Burghof-Geschäftsführer Muffler und der Regisseur und frühere Baselbieter Kulturbeauftragte Niggi Ullrich dem Phänomen Zappa auf eher ungewöhnliche Art und Weise nähern. Dazu gehört unter anderem, dass Frank Zappas Sohn Dweezil alle drei Abende als "Special Guest" bereichern wird. "Er wird selbst nicht performen, sondern er wird beobachten und zusätzliche Dinge erzählen", beschreibt Markus Muffler die Anwesenheit Dweezils als eine Art "Carte blanche". Auf jeden Fall habe er schon jetzt einiges an Input beigesteuert.

Der Burghof-Chef, der schon einmal gesagt hat, es werde bei ihm keine Saison ohne Zappa geben, meint: "Ich bin besessen von der Idee, ein Feature über ihn zu machen." Zappa war ein exzentrischer Künstler, ein politischer Kritiker und intellektueller Querdenker. Wenn er auch in der Hippie-Zeit groß herauskam, hatte er mit den Blumenkindern ebenso wenig am Hut wie mit Drogen. Und obschon er sich das Image des Bürgerschrecks gab und als Posterstar auf dem Klo sitzend in WGs auf der ganzen Welt seine eigene Art von Revolution zu verkünden schien, so wird er auch als treu sorgender Familienvater beschrieben.

Fakt ist auch, dass er nach musikalischer Anerkennung jenseits von Pop und Rock strebte, seine modernen Kompositionen wurden unter anderem vom französischen Großmeister der zeitgenössischen Musik Pierre Boulez dirigiert.

Diese vielen scheinbar widersprüchlichen Facetten Frank Zappas zu beleuchten, hat sich das Kuratoren-Duo zur Aufgabe gemacht. Wobei Muffler fast schon erleichtert meint: "Niggi Ullrich war für mich immer wieder ein Korrektiv. Er hat mir gezeigt, mit der Nase nicht zu nah heranzugehen, sondern auf Distanz zu bleiben." Dass die Person und der Künstler auch in insgesamt neun Stunden nicht vollumfänglich hinterfragt werden kann, ist beiden ohnehin klar.

Zappa-Sohn als Zaungast

Klar ist ihnen auch, dass der große Saal des Burghofs nicht den passenden Rahmen für ein solches Projekt liefern würde. Sie haben daher beschlossen, auf der Hinterbühne eine Art Clubatmosphäre entstehen zu lassen. Die Zahl der Besucher, die sich jeweils ab 19 Uhr mit Bar und Plattenteller auf ihr Idol einstimmen können, wird daher auf etwa 100 pro Abend beschränkt.

Das Lörracher Zappa-Feature nähert sich dem Künstler in Wort und Bild, Fiktion, Dokumentation und Diskussion. "Wir wollen die Besucher nicht mit dem wecken, was sie ohnehin schon kennen", sagt Ullrich, der es spannend findet, sich mit einer Person zu beschäftigen, die in der öffentlichen Wahrnehmung nicht mehr so präsent ist.

Der erste Abend unter dem Motto "Broadcasting Zappa" bringt einen Radiobeitrag und einen Dokumentarfilm auf die Hinterbühne, der zweite Abend widmet sich mit dem Ensemble Recherche aus Freiburg dem "Composer & Conductor", der dritte zeigt "Frank Zappa – ahead of his time". Der Schauspieler Christian Heller präsentiert dabei, umrahmt von zwei Sets der Zappa-Tribute-Band "Grandsheiks", das Programm "Robert Braun weiß alles" – eine Anspielung auf Zappas Skandal-Song "Bobby Brown". Dafür hat Heller nicht weniger als neun Stunden Interview-Material gesichtet.