Kartentausch – oder einen Teil des Eintritts zurück

Peter Disch

Von Peter Disch

Sa, 20. Juli 2019

Rock & Pop

Erstattungsangebote nach abgebrochenem Konzert von Kiss.

Den Tausch der Karte für Kiss gegen ein Ticket für das Konzert von Slayer und zwei weiteren Bands am 3. August in Stuttgart. Oder eine Rückerstattung von – je nach Kategorie von circa 35 bis 38 Prozent des Eintrittspreises – das bietet die Freiburger Agentur Vaddi Concerts den Besuchern des von ihr veranstalteten Konzerts der Rockband am 6. Juli auf der Galopprennbahn in Iffezheim. Die Show wurde nach 40 Minuten wegen einer Unwetterwarnung erst unterbrochen und schlussendlich nicht mehr fortgeführt.

Am Freitag hat Vaddi das Erstattungsangebot auf seiner Homepage öffentlich gemacht. Die 13 000 Besucher können sich nun überlegen, ob sie es annehmen oder nicht. Die Position der Verbraucherzentrale ist in solchen Fällen ziemlich klar und wird auf ihrer Homepage am Beispiel einer Festivalabsage erläutert. Besuchern stehe "durchaus ein teilweiser Erstattungsanspruch des Ticketpreises zu." Mit dem Kauf werde ein Vertrag mit dem Veranstalter geschlossen. "Findet das Festival nicht vollständig statt, muss auch nicht voll gezahlt werden", schreibt die Verbraucherzentrale. "Das gilt grundsätzlich auch bei Unwetter."

"Eine Chance für eine

Fortführung gab es nicht"

In Iffezheim fand das Vorprogramm mit dem Maler David Garibaldi wie geplant statt. Der Auftritt von Kiss sollte laut Angaben von Vaddi im Vorfeld circa um 20.45 Uhr beginnen. Die Veranstaltung sollte demnach gegen 23 Uhr enden. Die aufwändige Abschiedstour der Band folgte in Europa Abend für Abend dem gleichen Ablaufplan, sowohl was die 20 Songs als auch die Solo- und Showeinlagen angeht und dauerte in der Regel zwei Stunden. Wäre das in Iffezheim ohne die Unwetterwarnung auch so gewesen, was bedeuten würde, dass zwei Drittel ausgefallen sind? "Ich weiß nicht, wie lange die Band spielen wollte. Das entscheidet jede Band individuell. Es gibt Bands, deren Konzerte nach 75 Minuten enden", erklärte Vaddi-Geschäftsführer Marc Oßwald am Freitag gegenüber der Badischen Zeitung.

Rückblickend macht Oßwald deutlich, dass das vorzeitige Ende des Abends unumgänglich gewesen sei: "Das Konzert ist wegen Gefahr für Leib und Leben der Besucher und aller Beteiligten von der Polizei erst unter- und dann abgebrochen worden. Eine Chance für eine Fortführung gab es nicht." War die Hoffnung auf ein Nachholkonzert, die Besucher in den sozialen Medien geäußert hatten, realistisch? "Nein", sagt Oßwald.

Deshalb hat sich die Agentur nun dazu entschlossen, Teilerstattungen anzubieten. Je nach Kartenkategorie beläuft sich diese auf 22 Euro für die günstigsten Tickets, die 61,90 Euro kosteten, bis zu 70 Euro für einen Sitzplatz, für den Besucher 180,50 Euro ausgegeben hatten. Alternativ können Karten auch getauscht werden gegen Tickets für die Abschiedstour der Thrash-Metal-Band Slayer am 3. August in Stuttgart. "Zu dem teilweise gespielten Konzert von Kiss bekommt man also ohne Aufpreis noch einen vollen Konzertabend mit Slayer, Anthrax und Alien Weaponry", heißt es auf der Vaddi-Homepage, auf der es alle weiteren Informationen zur Abwicklung des Kartentauschs beziehungsweise der Teilerstattungen gibt, inklusive eines entsprechenden Formulars.

In den vergangenen Jahren mussten mehrfach Freiluftkonzerte in Deutschland abgebrochen werden. 2016 traf es das "Southside"-Festival in Neuhausen ob Eck und "Rock am Ring" in der Eifel. Besucher des "Southside", das am ersten von drei Tagen nach wenigen Stunden vorzeitig endete, erhielten Rückzahlungen im Bereich von 70 Prozent. Die Veranstalter von "Rock am Ring" erstatteten 40 Prozent. Das Festival litt von Beginn an unter Unwettern und Blitzeinschlägen. Es gab 80 Verletzte. Am ersten Tag wurde das Programm unterbrochen, am zweiten fand nur ein kleiner Teil der Konzerte statt, der dritte fiel dann ganz aus, weil die zuständigen Behörden aus Furcht um die Sicherheit und das Leben der Besucher und Mitarbeiter dem Veranstalter die Genehmigung entzogen.