Aldous Harding

POP: Verwirrende Perfektion

Joachim Schneider

Von Joachim Schneider

Do, 16. Mai 2019

Rock & Pop

Neu ist eine gewisse Leichtigkeit, manchmal. Noch verstärkt durch ein spielerisches Moment in den Arrangements, da rasselt und klöppelt es sachte wie in einer geschmackvollen karibisch angehauchten Bar, ab und an. Aber natürlich lässt sich Aldous Harding auch auf ihrem dritten Album nicht festlegen. Wer Eindeutiges, eine bestimmte Rolle oder gar ein Modell erwartet, wird enttäuscht. Eine Medaille hat immer auch eine Kehrseite wie im Titelstück "Designer", das zum einen der Perfektion huldigt – auch musikalisch – andererseits auch deren Leblosigkeit beklagt. So haben die Dinge immer mindestens zwei Seiten: "Zoo Eyes" beginnt Harding mit tiefer Stimme, um dann im Refrain von einem Märchen aus 1001 Nacht zu trällern. Die Verwirrung ist perfekt. Das vielleicht eingängigste und offenste Stück "The Barrel" handelt metaphern- und stimmenreich von Zwängen. Das Video dazu ist ein Kunstwerk für sich. Nicht nur deshalb gehört die 1990 geborene Neuseeländerin zu den spannendsten Figuren des Pop. Im letzten nur mit Klavier instrumentierten Stück "Pilot" behauptet die Sängerin, die fast schon bruddelt, dass sie keine Anmut habe und sich wünscht, endlich ruhig zu sein. Aber nicht doch.

Aldous Harding: Designer (4AD)
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