Vom Sammeln und Horten

Bernd Peters

Von Bernd Peters

Do, 23. Mai 2019

Rock & Pop

Das vierte Studioalbum "Box Of Breath" zeigt die Band Hazmat Modine von ihrer filigranen Seite.

Bei dem singenden Mundharmonika-Virtuosen Wade Schuman und seiner Band Hazmat Modine muss man auf alles gefasst sein. Zum Glück. Eben noch klingt die Band nach US-Folklore, dann wieder brechen Balkan-Beats durch, nur um im nächsten Moment Platz zu machen für Blues und Soul, der wiederum auf die afrikanischen Wurzeln aller US-Musik verweist und mit asiatischen Klangfarben angereichert wird. Schuman liebt es, unberechenbar zu bleiben: "Die Band ist nun über 20 Jahre alt", sagt er.

Auch wenn aus den Anfangstagen außer ihm nur der nicht minder virtuos aufspielende Sousaphonist Joe Daley an Bord geblieben ist, können Hazmat Modine doch mit Kontinuität aufwarten. Viele der sieben Bandmitglieder sind schon lang mit Wade Schuman unterwegs. "Wie lange gab es die Beatles?", fragt der 1962 geborene Musiker und Kunstprofessor grinsend und nicht ohne Stolz.

Die Kontinuität zahlt sich aus: Nie klangen Hazmat Modine so ausgefeilt und filigran wie auf ihrem vierten Studioalbum "Box Of Breath", das nun mit fast einem Jahr Verzögerung auf den Markt kommt. Schuman musste die Arbeit an der LP im vergangenen Jahr auf der Zielgeraden aus familiären Gründen unterbrechen. Nun aber kommt das Album gerade rechtzeitig zur aktuellen Frühjahrstour auf den Markt. Schuman bescheinigt der Musik "einen eher akustischen Klang, ein wenig wie damals unsere erste CD. Ich verwende Sound-Schnipsel, die ich finde. Und außergewöhnliche Instrumente wie das Daxophon", welches ein experimentelles Streichinstrument ist, das an eine singende Säge erinnert. "Erfunden hat es übrigens der deutsche Improvisationsmusiker und Instrumentenbauer Hans Reichel aus Wuppertal!"

Durch die Zusammenarbeit mit dem aus Kanada stammenden Mundharmonika-Virtuosen Son Of Dave gibt es auf der neuen Platte auch wieder das Zusammenspiel zweier Harmonikas zu erleben, das die Band in ihren Anfangsjahren stark geprägt hat. "Wir bringen alle möglichen klanglichen Texturen zusammen, so organisch wie möglich." Von zentraler Bedeutung dabei ist auch das vielfach auf der Platte eingesetzte Balafon des aus Mali stammenden Musikers Balla Kouyate.

Und dann ist da auch die immer tragendere Rolle, die dem Gitarristen und Sänger Eric De La Penna zukommt, der seit sechs Jahren bei Hazmat Modine aktiv ist und in dem Wade Schuman einen kongenialen Partner gefunden hat. Auf "Box Of Breath" haben die beiden Lieder geschrieben über Menschen, die Dinge horten, über Gier und Begierde und über Teddybären, die als Totem auf den Stoßstangen von New Yorker Müllautos sitzen. "Ich denke, es sind insgesamt die Songs mit den besten Texten, die ich bisher verfasst habe. Recht philosophisch, wenn ich darüber nachdenke", sinniert Wade Schuman.

Das Titelstück des Albums thematisiert den Wert und die Vergänglichkeit unseres Lebens: "Vielleicht ist es das poetischste Lied, das ich bisher verfasst habe". Der Song erzählt von den Tonbandschnipseln, die ein Toningenieur in einer Schachtel sammelt und auf denen die Atemzüge von Studiogästen beim Radio zu hören sind. Eine richtige "Box Of Breath" also. Und ein Album voller Überraschungen.

Hazmat Modine: Box Of Breath (Jaro Medien). Konzert: Sa, 1. Juni, Freiburg, Jazzhaus, um 20 Uhr.