Auftritt in Lahr

So war es beim Konzert von Otto Normal aus Freiburg im Seepark

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Mo, 26. August 2019 um 09:26 Uhr

Lahr

Die Band Otto-Normal tauchte den Stegmattensee im Rahmen der Reihe Seeleben in einen Ton- und Wortrausch. Nur hätte das Konzert mit einem Streicherensemble mehr Zuhörer verdient gehabt.

Die Musik
Indie-Pop stellt man sich vielleicht etwas krachiger und schräger vor. Aber das Label "Indie" haben Otto Normal einfach auf seine Grundbedeutung runtergebrochen. Das heißt: Sie sind unabhängig von Soundklischees. Ein bisschen jung, ein bisschen erwachsen. Verspielt, ohne dabei seicht zu werden.

Dass sie für ihre Stücke das Streicherensemble Audagio dazugenommen haben, ist bei dem Konzert im Seepark der Hauptgewinn. Denn die geschickten Arrangements bringen die Lebensgefühle nach vorn, die Leadsänger Peter Stöcklin in seine gerappten Texte gegossen hat.

Dass Autotuning-Experimente eine Art Rausch auslösen können, mag zwar nicht in den Lebenswelten aller Zuhörerinnen und Zuhörer verankert gewesen sein, doch zusammen mit den aufheulenden Streichern wird man von dem Text "Wir sind Supernatural" einfach mitgerissen und schwimmt plötzlich mit im Rapper-Flow.

Die Texte
Die Lyrics schwanken zwischen jugendlicher Kumpelromantik und gesellschaftspolitischem Ernst − je nach Album, aus dem die Band an diesem Abend zitiert. Das ist gute Unterhaltung mit der Möglichkeit, auch ein bisschen nachdenklich zu werden. In "True Romance" stilisiert Peter Stöcklin das gemeinsame Autoknacken zum Liebesbeweis eines jugendlichen Paares, das man sich vielleicht doch etwas weniger verwegen als Bonnie und Clyde vorstellen darf. "Indie-Romantik", das heißt für Stöcklin: Beide sehen das Gleiche beim Wolkenraten, nämlich den Mittelfinger. Eine schöne Miniatur zum Thema Persönlichkeitsentwicklung versus Selbstoptimierung ist der Text "Schritt für Schritt".

Publikumsflirt mit Schmunzelfaktor
Eine Band, die melodiös getragenen Rap in den Mittelpunkt stellt, will einfach mit dem Publikum ins Gespräch kommen. Stöcklin inszeniert dazu einen Freestyle aus Publikumsstichwörtern und sucht sich eine Freiwillige, die diese notiert und herausstreicht, sobald er das entsprechende Wort in seinen Rap eingebaut hat. Das ist ein Riesenspaß – vor allem, weil er bis zuletzt im Ungewissen darüber bleibt, dass die "Gehilfin" eine der Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl ist. Hier endlich kommt ein bisschen Lokalkolorit zustande, von dem sich die Band Otto Normal, der in allen Ankündigungen leicht das Etikett "Freiburger Band" angeheftet wurde, sicher noch mehr gewünscht hätte.

Fazit
Gemessen an der professionellen Qualität des Konzerts und der stilistischen Offenheit von Otto Normal, deren Sound trotz der Vorsilbe "Indie" wirklich breitentauglich ist, war viel zu wenig Publikum da. Etwa 50 Menschen hatten es in den Seepark geschafft.

Ulrike Karl, die das Veranstaltungswochenende Seeleben mit ihrem Landesgartenschau-Team konzipiert und organisiert hat, zieht denn auch insgesamt eine gemischte Bilanz. "Am Freitag haben wir offenbar nicht alle Lahrerinnen und Lahrer, denen Otto Normal hätte gefallen können, in den Seepark gekriegt", sagt sie und schiebt nach, dass der Auftritt des Duos Lonely-Husband am Samstag 80 bis 100 Zuschauer gehabt habe. Sie sehe den Auftrag ihres Teams eher als Experiment, und noch nicht als Vorgabe, das perfekte Kulturveranstaltungskonzept für den Seepark im Sommer zu liefern. "Insofern sind wir nicht unzufrieden."

Der Eintrittspreis für das Otto-Normal-Konzert am Freitagabend − 18 Euro im Vorverkauf, 22 Euro an der Abendkasse − sei zwar sorgfältig abgewogen worden, schließlich wollte man die Angebote des Kulturamts oder des Schlachthofs nicht aushebeln, könne aber zum mäßigen Besuch beigetragen haben, räumt Ulrike Karl ein.