Weilheim

Das Rosendorf Nöggenschwiel lockt mit seiner Blütenpracht

Birgit-Cathrin Duval

Von Birgit-Cathrin Duval

So, 02. August 2020 um 07:00 Uhr

Südwest

Der Sonntag Das Rosendorf Nöggenschwiel im Schwarzwald protzt im Sommer mit seinem Blütenmeer – auch wenn die Rosentage in diesem Jahr ausfallen. Es lohnt sich einmal hinzufahren.

Es gibt Orte, da geht einem im wahrsten Sinne das Herz auf. Orte, die der Seele gut tun. Einer dieser Orte ist das kleine Nöggenschwiel im Hotzenwald. Bekannt ist es als Rosendorf. Bis in den Herbst, wenn der erste Frost kommt, ist es besonders sehenswert.

Wie bei Rosamunde Pilcher

Es ist noch früh, die Morgensonne wirft sanfte Lichtstrahlen auf den Ort, der idyllisch auf einer Hochfläche zwischen Sankt Blasien und Waldshut-Tiengen liegt. Nöggenschwiel wirkt auf den ersten Blick wie einer jener Orte, die in Rosamunde-Pilcher-Filmen zu sehen sind. Alles wirkt ordentlich und aufgeräumt, die Häuser und Vorgärten sind wie aus dem Ei gepellt. Und dieses Leuchten! Die Farben wechseln von kräftigen Tönen wie Rot, Lila und Gelb zu weichem Pastell. Rosen, wohin das Auge blickt.

Es liegt ein Zauber auf diesem Dorf. Selbst weniger romantisch veranlagte Besucher spüren, dass dieser Ort etwas Verträumtes besitzt, das weit über die Rosen hinausgeht. Liegt es daran, dass Hektik und Lärm fehlen? Da fährt ein alter, rot lackierter Porsche-Diesel-Traktor durch die Straße, der Fahrer mit Strohhut und blauer Latzhose grüßt freundlich und augenblicklich fühlt man sich in längst vergangene Jahre versetzt. Dem Besucher erscheint Nöggenschwiel ein bisschen wie aus der Zeit gefallen.

Überall Rosen

Und da sind die Rosen. Überall. In jedem Vorgarten, an jeder Ecke, in jedem Winkel. Mehr als 16 000 Rosenstöcke in den unterschiedlichsten Arten sind in dem kleinen Örtchen zu sehen. Ein ganzes Dorf als Rosenpark, das ist einmalig im Schwarzwald. Nöggenschwiel liegt auf 750 Metern, in Deutschland gilt es sogar als das höchstgelegene Rosendorf.

Ein Anziehungspunkt ist für viele der Schwarzwald-Rosen-Sortimentsgarten. Dort blühen 2000 Rosen in 187 Sorten, allesamt sorgsam beschriftet, damit der Besucher auch weiß, was er da bestaunt. Ein echtes Fest fürs Auge – von Zwergrosen über Strauchrosen, Edelrosen, Kletterrosen und Wildrosen bis hin zu Beetrosen reicht die Vielfalt, die ein fantasievolles Potpourri bildet, das nicht nur Rosenfans Entzücken bringt.

Rosen-Duft-Garten

Ein herrliches Ensemble bilden die Pfarrkirche St. Stephanus, der kleine Rathausplatz und der Rosen-Duft-Garten. Ein Ort zum Verweilen. Gibt es im Duftgarten doch mehr als 500 duftende Beet-, Kletter-, Strauch- und Hochstamm-Rosen zu erschnuppern, darunter sogar einige historische Züchtungen, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen.

Wer sich vom vielen Schauen und Riechen eine kleine Pause gönnen möchte, findet in der Gret-Stube im Dorfzentrum den idealen Platz. Es ist das Herzensprojekt von Hannelore Zanotti, einer umtriebigen Nöggenschwieler Unternehmerin. Das ehemalige Bauernhaus hat eine bewegte Geschichte. Bei einem Feuer 1865 wurden 17 Häuser vernichtet, darunter auch die heutige Gret-Stube. Das Haus wurde wieder errichtet und war zuletzt bis 2014 im Besitz von Margareta Doria, die das Haus an die Eheleute Zanotti verkaufte. Sie bauten das Anwesen von Grund auf neu auf.

Heute beherbergt der stattliche Hof ein Café mit Vesperstube, Ferienwohnungen, Gästezimmer, einen Wohnmobilstellplatz sowie Räumlichkeiten für Sauna und Massage. Im Garten finden sich lauschige Plätzchen, der große Schopf ist eine Augenweide und bei Anlässen als Trauzimmer oder Kulturscheune begehrt. Überhaupt fallen die vielen liebevollen Details ins Auge. Kein Tand oder Schrott, hier atmet jedes noch so kleine Teil eine eigene Geschichte, die sich zu einem großen Ganzen fügt.

Rosenerlebnis-Wanderweg

Erfrischt nach der Pause in der Gret-Stube geht es danach auf einen kleinen Spazierwanderung zum Hohfluhfelsen, von dessen Plattform aus sich ein herrlicher Blick ins Schwarzatal bietet. Der Rosenerlebnis-Wanderweg, der durch alle Ortsteile von Weilheim (einer davon ist Nöggenschwiel) führt, ist 32 Kilometer lang und kann auch nur in Teilen erkundet werden.

Zum Abschluss darf ein Besuch in der Tourist-Info nicht fehlen, dort offeriert eine kleine Geschenk-Boutique Rosenlikör- oder Schnaps, Servietten, Geschirr, oder Tischtücher – natürlich mit Rosenmotiven – die als Souvenir gerne gekauft werden.
Infos: Anfahrt mit dem Auto: B31 bis Titisee-Neustadt, Abfahrt Richtung Waldshut (B500) – Schluchsee–Häusern–Höchenschwand, nach ca. 7 Kilometern Abzweigung links in Richtung Nöggenschwiel;
oder von Lörrach aus Richtung Waldshut-Tiengen, weiter bis nach Nöggenschwiel;
Kontakt: Tourist-Info Roseneck,
Tel.: 07755/ 15 53, http://www.rosendorf.de
http://www.ferienwelt-suedschwarzwald.de