Wladimir Putin

Russland und China dürfen nicht mit Samthandschuhen angefasst werden

Rainer Lucht

Von Rainer Lucht (Neuenburg)

Do, 10. September 2020

Leserbriefe

Zu: "Merkel in Putins Falle", Leitartikel von Christopher Ziedler (Kommentar & Analyse, 4. September)

Wieder mal wird die Doppelmoral in der deutschen Politik offensichtlich, wenn es um Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat geht – das spiegelt sich in der Einseitigkeit der deutschen Medien.

Der nachgewiesene Auftraggeber des brutalen Mords an dem saudi-arabischen Oppositionspolitiker Kashoggi vor zwei Jahren, der absolutistisch herrschende Kronprinz Mohammed Bin Salman, ist nach wie vor in Amt und Würden und wird wieder von den westlichen Regierungen hofiert, weil man wegen seines Öls, seiner Waffenkäufe und seiner Pro-USA-Ausrichtung beide Augen zudrückt. Dagegen wird der kürzliche Mordanschlag gegen den russischen Oppositionspolitiker ohne klare Beweise direkt dem "autoritären" Putin in die Schuhe geschoben. Man klagt über den Cyberwar des russischen Geheimdienstes, aber es ist keiner Erwähnung wert, dass der Whistleblower Snowden nur im Moskauer Asyl sicher vor lebenslanger US-Haft ist, nachdem er das weltweite Bespitzelungsnetz der amerikanischen Geheimdienste aufgedeckt hat. Warum?

Russland und China dürfen nicht mit Samthandschuhen angefasst werden, weil es sich im Wettstreit den westlichen Interessen zu widersetzen traut. Das europäische Armutszeugnis ist der stillschweigende Kotau gegenüber Amerika, dem man sich unterwirft und sich in dem neuen Kalten Krieg unter dessen "Schutzschirm" stellt. Rainer Lucht, Neuenburg