Zeugen gesucht

Scheunenbrände in Herbolzheim: Polizei ermittelt wegen Brandstiftung – Helferkreis bittet um Spenden

Lena Marie Jörger

Von Lena Marie Jörger

Mi, 12. Juni 2019 um 14:03 Uhr

Herbolzheim

Innerhalb von drei Wochen haben in Herbolzheim vier Scheunen gebrannt. Die Polizei geht davon aus, dass es einen Zusammenhang gibt – und dass die Brände vorsätzlich gelegt wurden.

"Wir gehen derzeit davon aus, dass es sich bei allen vier Bränden um Fälle von vorsätzlicher Brandstiftung handelt", sagt Polizeisprecher Walter Roth am Mittwoch auf BZ-Anfrage. Zum einen hänge das mit der zeitlichen und räumlichen Nähe der Brände zusammen. Außerdem, so Roth, gebe es Spuren, die auf vorsätzliche Brandstiftung hindeuteten. Genaueres will er dazu aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

"Die Polizei nimmt die Sache sehr ernst." Walter Roth
Vor drei Wochen hatte ein Scheunenkomplex in der Herbolzheimer Innenstadt gebrannt, eine Woche später stand eine Maschinenhalle zwischen Herbolzheim und dem Ortsteil Wagenstadt in Flammen. Am zweiten Juniwochenende musste die Feuerwehr dann gleich zweimal ausrücken: Erst zu einem Scheunenbrand nach Wagenstadt, dann in die Herbolzheimer Innenstadt, wo eine Scheune in unmittelbarer Nähe zu dem Gebäude in Flammen stand, das drei Wochen zuvor gebrannt hatte. Anders als von der Polizei ursprünglich gemeldet, gingen beide Alarme in der Nacht zum Pfingstsonntag nahezu zeitgleich ein, wie Polizeisprecher Walter Roth am Mittwoch erklärt. "Dass die Brände nahezu zeitgleich gemeldet wurden, bedeutet aber nicht, dass sie auch zeitgleich ausgebrochen sind", betont er.

Nach den Bränden vom Pfingstwochenende arbeitet nun eine Ermittlungsgruppe des Kriminalkommissariats Emmendingen an der Aufklärung, "mit Hochdruck", wie Roth betont. Am Mittwochnachmittag gab er bekannt, dass die Gruppe ab Donnerstag von fünf auf zehn Beamte aufgestockt werde. Einen konkreten Tatverdacht gebe es bislang noch nicht. Die Höhe des entstandenen Sachschadens könne aktuell nicht verlässlich geschätzt werden, teilt die Polizei am Montag mit, sie bewege sie aber deutlich im sechsstelligen Bereich.

Helferkreis bittet um Spenden

Besonders bitter ist die Situation für den Besitzer des Maierhofs: Im Mai brannte seine Maschinenhalle aus, Heu, Stroh und Silage für 80 Rinder und 25 Pferde wurde vernichtet. Eine Pächterin startete einen Spendenaufruf – mit Erfolg: Landwirte, Eltern von Reitschülern und andere Menschen halfen mit Geld- und Futterspenden und boten weitere Unterstützung an. Von den Geldspenden wurde Heu und Stroh beschafft und in einer anderen Scheune in Wagenstadt gelagert. Dann der Schock: In der Nacht auf Sonntag brannte es in genau dieser Scheune. Das Heu und Stroh ist nicht mehr zu gebrauchen. "Wir sind am Boden zerstört", sagt Pächterin Melanie Kätterer am Mittwoch im Gespräch mit der BZ. "Wir haben gedacht, dass kann doch einfach nicht wahr sein." Noch am Sonntag und Montag halfen Landwirte mit Heu und Stroh aus. "Das reicht uns aber maximal zwei Wochen", sagt Kätterer.

Unterstützung bekommen Pächter und Hofbesitzer nun von einem Helferkreis. Gebraucht werden neben Heu- und Strohspenden für die mittlerweile 120 Rinder und 28 Pferde auch Lagermöglichkeiten, Anhänger und Menschen, die bereit sind, Futterspenden abzuholen und zum Hof zu bringen. Außerdem braucht der Hofbesitzer Maschinen, um seine Heuernte einfahren zu können. Denn der Brand Ende Mai hat nicht nur Tierfutter vernichtet, sondern auch mehrere Maschinen und Gerätschaften.
Der Helferkreis hat ein Spendenkonto eingerichtet:
Volksbank Lahr
DE89 6829 0000 0056 0974 14
Spendenkonto Brandschaden
Kontakt: Spenden.Maierhof@gmx.de

"Die Polizei nimmt die Sache sehr ernst", betont Roth. Die Ermittler stünden auch in engem Kontakt mit den Kollegen in Offenburg, die wegen einer seit zwei Jahren andauernden Serie von Pkw-Bränden ermitteln. Erst in der Nacht auf Dienstag brannte in Mahlberg wieder ein Auto – die Polizei vermutet einen Zusammenhang zur Brandserie. "Aktuell", sagt Roth, "gibt es aber keine Anhaltspunkte dafür, dass die Ortenauer Pkw-Brandserie mit den Scheunenbränden in Herbolzheim zu tun hat."

Polizei hofft auf Hinweise

Im Zusammenhang mit den Scheunenbränden rät die Polizei zu erhöhter Aufmerksamkeit. Der Polizeisprecher appelliert an potenzielle Zeugen, sich zu melden. "Wir brauchen jeden Hinweis, auch wenn er noch so unwichtig erscheinen mag!" Die Bewertung, ob und wie relevant ein Hinweis sei, nehme die Polizei vor. "Alles, was irgendwie verdächtig erscheint, kann wichtig sein", betont Roth.

Insbesondere fragt die Polizei: Wer hat in den frühen Morgenstunden des Pfingstsonntags zwischen Herbolzheim und Wagenstadt (Schwimmbadstraße) und in der Herbolzheimer Innenstadt (Bismarckstraße, Maria-Sand-Straße, Friedrichstraße) verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen?
Wer sachdienliche Hinweise zu den Vorfällen geben kann, wird gebeten, sich mit der Kripo Emmendingen unter Tel.  07641/582-200 in Verbindung zu setzen.