Erfahrenes Quartett verabschiedet

Eva Korinth

Von Eva Korinth

Do, 18. Juli 2019

Schluchsee

Gemeinderäte Klaus Baschnagel, Elke Person-Tascher, Peter Finkbeiner und Karl-Heinz Meßmer verlassen den Ratstisch.

SCHLUCHSEE. Wehmut und Aufbruchstimmung war in der konstituierenden Sitzung am Dienstagabend im Schluchseer Rathaus zu spüren. Vier engagierte Gemeinderäte mit zusammen 70 Mandatsjahren verließen den Ratstisch mit Ablauf der Legislaturperiode, die von großen Projekten und weitreichenden Entscheidungen geprägt war, die auch künftig die neuen Gemeinderäte beschäftigen werden.

Bürgermeister Jürgen Kaiser bekannte, selten sei es ihm so schwer gefallen, eine Rede zu schreiben, wie für diese Verabschiedung. Bevor er sich den Ausscheidenden widmete, dankte er dem gesamten Gremium für fünf Jahre bürgerschaftliches Engagement und fünf Jahre engagierte Arbeit: "Ihr wart bereit, dem Allgemeinwohl zu dienen und auch Entscheidungen zu treffen und mitzutragen, die manchmal nicht populär, aber notwendig waren."

Durch angenehme, kollegiale und auch kritisches Miteinander wurde vieles auf den Weg gebracht. Stets war der Sieg der guten Sache wertvoller als der persönliche Trumpf. Breitband- und Nahwärmeversorgung, Neukonzessionierung, Windkraft, Hallen- und Schulsanierung, Kindergartenerweiterung nannte er als Themen. "Ihr könnt stolz auf euer Engagement und das Erreichte sein", sagte Kaiser und befand, "der enorme Einsatz hat sich gelohnt." 99 Gemeinderatssitzungen sowie Ausschüsse- und Verbandssitzungen gab es in der abgelaufenen fünfjährigen Legislaturperiode.

"70 Jahre kommunalpolitische Erfahrung verlassen heute den Ratstisch mit vier Gemeinderäten, darunter drei kommunalpolitische Schwergewichte, die mehr als 3500 Wahlstimmen auf sich vereinten", begann er die Verabschiedung des Quartetts. "Das ist ein richtiger Umbruch, ihre Erfahrung und Wissen wird uns fehlen, gilt es zu kompensieren."

Peter Finkbeiner kam mit 412 Stimmen über einen Ausgleichssitz erstmals im Jahr 1989 in den Gemeinderat. Seine Stimmenzahl bei den folgenden Kommunalwahlen machten ihn später zum Stimmenkönig. Nach fünf Jahren zweiter Bürgermeisterstellvertreter wurde er 1999 erster Stellvertreter. Hier meisterte er zahlreiche Krisen kompetent, insbesondere bei den Bürgermeisterübergängen und Urlaubsvertretungen. Finkbeiner war Mitglied im Fremdenverkehrsausschuss, saß im gemeinsamen Ausschuss Schluchsee-Feldberg sowie im Zweckverband Hochschwarzwald und dem HTG-Aufsichtsrat. 2009 erhielt er die silberne Ehrenmedaille des Gemeindetages. "Du hast immer 100 Prozent Einsatz gezeigt und bliebst bei all deinem Tun Mensch und Freund. Das zeichnet dich im Beruf, im Gemeinderat und im Ehrenamt aus und du bist zu einem unverzichtbaren Bestandteil unserer Kommunalpolitik geworden", sagte der Bürgermeister. Kaiser charakterisierte Finkbeiner als redegewandt, zielstrebig, sehr gewissenhaft, stets einsatz- und hilfsbereit für die Gemeinde, Verwaltung und den Bürgermeister, ausgleichend und meinungsbildend. "Mit dir, Peter, geht heute ein kommunalpolitisches Urgestein in seine zweite Rente. Für uns, die Verwaltung und mich persönlich ein großer Verlust", schloss Kaiser die Laudatio für den erfahrenen Ratgeber. Finkbeiner erhielt die Stele für 30 Jahre Gemeinderatstätigkeit des Gemeindetags und er erhielt von allen Anwesenden stehenden Applaus gespendet.

Finkbeiner blickte kurz auf die letzten fünf Jahre zurück, in denen bedeutende große Themen den Rat beschäftigten. Seine Gemeinderatsjahre seien lehrreich gewesen, er wolle diese Erfahrung nicht missen, sie habe ihn geprägt.

Klaus Baschnagel gehörte 20 Jahre dem Gemeinderat an, war ab 1999 im Fremdenverkehrsausschuss, fünf Jahre im HTG-Beirat, zehn Jahre im Zweckverband Hochschwarzwald. "Lieber Klaus, wenn es galt touristische und gastronomische Themen abzuarbeiten, war es beruhigend einen Fachmann wie dich in den Reihen zu haben, den Vorsitzenden der Wirtegemeinschaft, Sprecher der Gastronomen und Übernachtungsbetriebe", sagte Kaiser. Baschnagel sei als Chef eines Betriebs mitten in Schluchsee immer an vorderster Front gewesen, hat Volkes Stimme direkt abbekommen. Daher habe er immer hartnäckig nachgefragt und touristische Themen immer wieder zur Diskussion gestellt. Diese touristische fachliche Kompetenz gehe Rat und Verwaltung verloren, könne in der neuen Amtsperiode nicht ersetzt werden. Kaiser charakterisierte Baschnagel als "spontan, kritisch und kontaktfreudig". Er erhielt die Gemeindetagsstele für 20 Jahre.

Karl-Heinz Meßmer arbeitete 15 Jahre lang im Gemeinderat mit. Meßmer gehörte dem Fremdenverkehrsausschuss an und von 2009 fünf Jahre dem Beirat der HTG. "Selbstbewusst, uneigennützig hast du immer deine Meinung vertreten", meinte Kaiser, "warst stets korrekt, pflichtbewusst und immer auf das Wohl der Gemeinde bedacht." Meßmer habe oft mit teils auch kritischen Wortmeldungen Zivilcourage bewiesen. In vielen technischen Projekten war Meßmer ein profunder Kenner der Situation und brachte diese mit seinem in die Diskussionen eingebrachten Fachwissen voran. Gerne habe auch die Verwaltung dieses Fachwissens genutzt.

Für Meßmer hatte Kaiser neben der Urkunde mit Geschenk, die Ehrenstele des Gemeindetages für zehn Jahre Gemeinderatstätigkeit – denn diese Auszeichnung hatte Meßmer nicht zum 10-jährigen Mandatsjubiläum erhalten.

Elke Person-Tascher, die von 2014 bis 2019 Mitglied des Gemeinderates war, saß auch im Kindergartenkuratorium. "Es macht mich traurig, eine engagierte Kommunalpolitikerin zu verlieren", meinte Bürgermeister Kaiser zu ihr. Sie habe mit ganzem Herzen ihr Amt ausgefüllt, vollen Einsatz gegeben. Familienthemen, der Kindergarten und die Schule in der Gemeinde sowie die Vereine waren ihr ein großes Anliegen. Oft habe sie neue Blickwinkel in den Diskussionen eröffnet, die zu einem besseren Ergebnis führten.