SCHNOOGELOCH: Prost Corona

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Sa, 06. Juni 2020

Schwanau

Die Mutter hat keine Lust mehr auf Corona. Sie will, dass man sie wieder richtig besuchen kann und nicht nur einmal in der Woche für eine halbe Stunde am Fenster der Einrichtung. Der Frust ist groß. Und dann hat die Tochter bei einem der raren Besuche auch noch den Zwieback zum Knabbern vergessen, den die Mutter bestellt hatte. Weil die Tochter die Räume ohnehin nicht betreten darf, schlägt die Mutter betrübt vor: "Jetzt kejsch de Zwieback morn halt grad us em Autofenschter uf d Steg. Irgendebber wurd mer ne schun ins Zimmer bringe." Hat die Tochter keine Zeit, habe sie notfalls auch noch Schnapspralinen, ein Geburtstagsgeschenk aus Zeiten vor Corona und aufgespart für ein nettes Beisammensein. Weil sie bald abgelaufen sind und netten Beisammenseins in den Sternen stehen, müssten die ohnehin weg. Und auch wenn die Mutter Alkohol nicht verträgt und sie "bim Ufbisse immer so ufbasse muess, dass mir d Brieh nit iwer s Ti-Shirr lauft", will sie sich trotzig die Kante geben und riskiert einen Schwips: "No hab i halt einer leje. Proscht Corona!"