Ultima Ratio

Pflanzenschutzmittel könnten rund um Todtnau gegen den Borkenkäfer eingesetzt werden

vom, dsa

Von vom & Dirk Sattelberger

Mi, 18. September 2019 um 09:16 Uhr

Schönau

Das wurde bei einer Veranstaltung des Forstbezirks Todtnau deutlich. Hintergrund sind noch höhere Borkenkäferschäden als im Vorjahr in den Wäldern des Gemeindeverwaltungsverbands (GVV) Schönau.

Bei der Abschlussveranstaltung des Forstbezirks in Wembach gab Marco Sellenmerten einen Überblick über die Hitze- und Käferschäden in den Wäldern zwischen Fröhnd, Wieden, Utzenfeld und Tunau. "Die Schadensituation spitzt sich dramatisch zu", sagte der Leiter des Forstbezirks Todtnau. Das günstige Wetter im Frühjahr habe den Borkenkäfer nicht stoppen können. Besonders schlimm: Seit Juli beobachten die Förster immer mehr Käfernester und ganze Flächen, die von Borkenkäfern befallen sind.

Die Tierchen sitzen in so vielen Bäume, dass die Arbeitskapazitäten, sie zu fällen, derzeit nicht ausreichten, so Sellenmerten. Um ein Überspringen von Käfern von gefällten Bäumen auf gesunde zu verhindern, werde auch Gift als "Ultima Ratio" (letztes mögliches Mittel) eingesetzt. Das funktioniert so: "Wenn liegendes Holz nicht schnell genug abtransportiert werden kann, benetzen wir die liegende Stämme. Wenn Käfer darüber laufen, sterben sie."

"Karate Forst"

Eine solche Behandlung mit Flüssigkeiten wie "Karate Forst" halte sechs Wochen, um das Holz zu schützen. Dabei werden strenge Vorgaben eingehalten. In der Nachbarschaft dürfe es beispielsweise keine Fließgewässer geben, es muss windstill sein und das Personal geschult. Weitere Einschränkungen: Das Verfahren funktioniert nicht bei stehenden Bäumen, und bei liegendem nur bei krabbelenden Käfern, also nicht bei den gefräßigen Larven in der Rinde. "Der Anteil an Stämmen, wo wir das einsetzen, ist eher gering", so Sellenmerten. Derzeit werde gar nicht gespritzt.

Die neun Mitgliedsgemeinden des Gemeindeverwaltungsverbands Schönau müssen sich im laufenden, aber wohl auch in den kommenden Jahren mit einem Defizit des Gemeindewaldes einstellen müssen. Genaue Prognosen für die Zukunft können aber nicht gemacht werden. Nur wenn es ein extrem nasses Jahr 2020 gebe, könne die Situation verbessert werden, sagte Sellenmerten.

Ohne China wäre das Defizit größer

Die Geschäftsführerin der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Todtnau, Lisa Smarsly, machte den Waldbesitzern ebenfalls wenig Hoffnung. Je schlechter die Qualität des Holzes sei, desto schwieriger seien die Absatzmöglichkeiten. Smarsly bezeichnete die derzeitige Marktlage als unübersichtlich. Dadurch sei das Preisgefüge sehr instabil, sagte die FBG-Geschäftsführerin. Genauere Prognosen für die nahe Zukunft meinte sie, seien derzeit nicht möglich.Ein Hoffnungsschimmer kommt von Fernost: In China wird viel Käferholz aus dem Schwarzwald aufgekauft. "Das hilft uns, die Defizite so gering wie möglich zu halten", so Marco Sellenmerten. Bekanntlich gibt es im Südschwarzwald und in anderen Gebieten in Deutschland ein großes Überangebot an Holz mit Käferschäden. In China spiele diese geringere Qualität aber offensichtlich keine große Rolle.

Dennoch: Die Waldbesitzer legen dieses Jahr drauf, die Holzernte decke nicht einmal die Kosten. "Tiefrote Zahlen werden in allen Betrieben geschrieben", sagte Forstbezirksleiter Sellenmerten.