Gelungene Ouvertüre für Klassik-Konzerte

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 20. Mai 2019

Schopfheim

Neue Saison der Reihe "Klassik im Krafft-Areal" mit Barockspiel eines Berliner Ensembles eröffnet.

SCHOPFHEIM-FAHRNAU. Schon in der vorigen Saison hatten die Barocksolisten mit lebendigem und farbigem Spiel die Zuhörer bei Klassik im Krafft-Areal begeistert. Nun kam das Ensemble aus Berlin wieder nach Fahrnau, um die neue Saison der Reihe in der ehemaligen Schuhfabrik Krafft zu eröffnen. Dieses Mal hatten Geiger Daniel Gaede, Cembalist Raphael Alpermann und Cellistin Aleke Alpermann, die in der vorigen Spielzeit schon dabei waren, den Oboisten Juan Pechuan Ramirez als Gast mitgebracht. Sein hochvirtuoses und kräftiges Oboenspiel brachte eine schöne Bläsernote und andere Klangfarbe ins Spiel.

Das trotz der Häufung an Konzerten an diesem Samstagabend zahlreich erschienene Publikum erlebte ein exquisites Barockprogramm, vorgetragen von hochkarätigen Musikern. Geiger Gaede war Konzertmeister bei den Wiener Philharmonikern, Cembalist Alpermann gehört der Akademie für Alte Musik Berlin an, der spanische Oboist ist erster Solooboist im Orchester der Deutschen Oper Berlin. Neben seiner Orchestertätigkeit macht er gerne mal einen Ausflug in die Alte Musik. Auch für die Streicher und den Cembalisten war es ein spannendes Vergnügen, erstmals mit dem Spitzenoboisten zusammen zu arbeiten, wie die junge Cellistin Aleke Alpermann betonte.

Wie spielfreudig sich die Barocksolisten die "Bälle" zuwarfen, hörte man in verschiedenen Besetzungen in Stücken von Bach, Telemann, Händel, Geminiani und des Katalanen Joan Baptista Pla, der im Konzertsaal noch zu entdecken ist. In den schnellen Sätzen voller Vitalität und Vehemenz und mit gestischem Schwung, in den langsamen Sätzen mit schönem Cantabile ausgesungen, gefiel das ausdrucksstarke Spiel der Barocksolisten in den verschiedenen Sonaten. Mit zupackendem Strich legten sich der Geiger, der mit Barockbogen spielte, und die Cellistin ins Zeug, der Cembalist holte aus seinem Instrument, dem Nachbau eines flämischen Cembalos Anfang des 17. Jahrhundert, einen sehr expressiven Klang. Höchst stilkundig in historisch informierter Spielweise hatte Alpermann im Italienischen Konzert F-Dur von Bach einen viel beachteten Soloauftritt am Cembalo.

Nicht weniger beeindruckten die schön gebundene Phrasierung und der warme, weiche Klang des Oboisten Ramirez in einer Sonate von Telemann für Oboe und Basso Continuo, in der er das Cantabile mit ruhigem Atem blies, einem Satz von Bach und der d-Moll-Sonate von Joan Pla für Violine, Oboe und Basso Continuo, in der das Zusammenspiel von Oboe und Geige mitreißend klang. Dieses engagierte Barockspiel kam beim Publikum hervorragend an, das sich zwei Bach-Zugaben erklatschte und sich im Anschluss vom Cembalisten einiges erklären ließ über Bauweise, Herkunft, Spieltechnik und Klang seines Instruments.

Es war ein anregender, inspirierender und musikalisch hochwertiger Saisonauftakt für Klassik im Krafft-Areal.

Ausblick: Für die neue Spielzeit hat die künstlerische Leiterin Andrea Kauten bekannte Musiker und Ensembles eingeladen, die durch frühere Konzerte in Fahrnau bestens eingeführt sind. So gibt es am 22. Juni ein Wiederhören mit dem Klavierduo Monika Egri und Attila Pertis, das Romantisches und Virtuoses von Schumann, Mendelssohn, Liszt und Rachmaninow auf die Tasten legt. Eine große Fangemeinde hat auch das Jazztrio um Schlagzeuger Harald Rüschenbaum, das zusammen mit Erzähler und Sprecher Wolfgang Griep am 27. Juli wiederkommt und sich Richard Wagner in jazziger Manier vornimmt. Am 12. Oktober sind die Mezzosopranistin Marie-Claude Chappuis und ihr Klavierpartner Simon Bucher zu Gast. Zum ersten Mal im Krafft Areal zu hören ist das Fritz Busch Quartett aus Dresden am 16. November, das zusammen mit der Pianistin Andrea Kauten auftritt. Kauten ist auch Solistin beim Abschlusskonzert am 7. Dezember mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim.