"Die Stadt frisst immer mehr Land"

Marleen Eckert, Verena Basler

Von Marleen Eckert & Verena Basler

Fr, 17. Mai 2013

Schülertexte

Wie ein Biobauernhof in St. Georgen durch die Ausschreibung neuer Baugebiete in seiner Existenz bedroht wird.

Immer wieder schränken neue Baugebiete den Biobauernhof Kiefer in Sankt Georgen ein, den zweitletzten seiner Art in Freiburg. Erst in den vergangenen Jahren haben die Kiefers zehn Hektar Land verloren. Nun befürchten sie eine neue Bedrohung, die den Erhalt des Bauernhofs noch schwieriger macht.

Wie wäre es, wenn sich der zweitletzte Biobauernhof in Freiburg auflösen würde? Diese Frage ist gar nicht so abwegig – im Gegenteil: Die Stadt plant ein neues Baugebiet, entweder in Sankt Georgen-West oder im Dietenbach. Doch egal, wie die Entscheidung – sie wird bis 2020 getroffen – ausfällt: "Etwas verlieren wir auf jeden Fall", so Ulrike Kiefer. Familie Kiefer verkauft große Teile ihrer Lebensmittel (Milch, Fleisch, Eier) im eigenen Hofladen, da der Direktverkauf mehr Geld einbringt als Zwischenhändler zahlen würden. Sobald aber die Stadt im "öffentlichen Interesse" – wie es heißt – Landbesitz der Familie Kiefer in Baugebiet umwandelt, kann der Bauernhof nicht mehr so viele Tiere halten, da der Platz zum Futteranbau fehlen würde.

Damit würde der Hofladen, gegründet 1995, kaum noch eigene Produkte verkaufen können, womit dem Vollerwerbsbauernhof ein Teil der finanziellen Grundlage entzogen wäre. Dies würde ein existentielles Problem für den zweitletzten Bio-Bauernhof in Freiburg bedeuten. Aber nicht nur die Familie Kiefer ist von der Entscheidung der Stadt betroffen, sondern auch viele Sankt Georgener Bürger, da der Hofladen die einzige Einkaufsmöglichkeit in nächster Umgebung ist. Für die Stadt ist ein neues Baugebiet allerdings von großem Vorteil, da ein Quadratmeter Wiese nur acht bis zehn Euro und ein Quadratmeter Baugebiet 400 bis 500 Euro wert sein kann.

Ulrike Kiefer erzählt außerdem, dass sie in den vergangenen Jahren zehn Hektar Land verloren haben – das entspricht 14 Fußballfeldern –, unter anderem durch das Baugebiet Hofacker-Gottmersmatten, welches direkt neben dem Bauernhof vor vier Jahren entstand. "Die Stadt frisst immer mehr Land", klagt Ulrike Kiefer. So mussten die Kiefers bereits die Anzahl ihrer Kühe von 20 auf sieben Tiere beschränken. Nun müssen sie auf dem Stand, auf dem sie jetzt sind, bleiben und können sich nicht mehr vergrößern. Auf das Geschäft hatte das neue Wohngebiet aber wenig Einfluss.

Allerdings sind die derzeitigen Lebensmittelskandale für das Geschäft von Vorteil. Es kommen mehr Kunden. Sie wollen sicher sein, dass die Produkte, die sie kaufen, auch von hier stammen, und dass die Tiere artgerecht gehalten werden. Die Bio-Tiere bekommen ein Drittel mehr Platz als Tiere in konventioneller Haltung und müssen immer Freiland-Zugang haben. Somit ist ausreichend landwirtschaftliche Fläche unverzichtbar für den Fortbestand des Biolandbetriebs, mit dem Familie Kiefer ihren Lebenserhalt bestreitet.