Interview mit Thomas Mack

"Ich habe schon als Junge im Park gearbeitet"

Julius Himmen, Kevin Kessler, Louis Rudmann und Carl Vollmer, Klasse 9a, Martin-Schongauer-Gymnasium Breisach

Von Julius Himmen, Kevin Kessler, Louis Rudmann, Carl Vollmer, Klasse 9a & Martin-Schongauer-Gymnasium Breisach

Do, 13. Dezember 2012 um 09:10 Uhr

Schülertexte

Thomas Mack, Sohn von Roland Mack, ist in der Europa-Park-Geschäftsführung für den Bereich Restaurant und Hotel verantwortlich. Vier Zischup-Reporter sprachen mit ihm darüber, wie es ist im und mit dem Europa-Park aufzuwachsen.

Zischup: Wie sind Sie auf das neue amerikanische Design des neuen Hotels "Bell Rock" gekommen? Gab es irgendwelche Anregungen?
Thomas Mack: Wir wollten immer schon mal ein maritimes Hotel bauen, was mit der Seefahrerei zu tun hat und deswegen sind wir auf das Thema Neuengland gekommen, da die europäischen Themen schon abgeklappert waren. Wir haben ein spanisches Hotel und ein italienisches Hotel. Wir wollten einfach einen Stil finden, der Urlaubsgefühle weckt und die Seefahrerei thematisiert. Neuengland ist ja auch ein sehr europäisches Thema. Es waren ja die Europäer, die damals mit dem Schiff nach Amerika gesegelt sind und eben Neuengland entdeckt haben.

Zischup: Wie kamen Sie darauf, Holzachterbahnen zu bauen, hatten Sie da keine Bedenken, dass da etwas schief gehen könnte?
Mack: Die erste Achterbahn, die wir gebaut haben, das war glaube ich 1921 oder so, war eine Holzachterbahn. Und Holz ist ja einer der stabilsten Werkstoffe, die es gibt. Deswegen finde ich, ist eine Holzachterbahn etwas Wunderschönes und macht super viel Spaß zum Fahren, weil es ein ganz anderes Fahrgefühl ist. Das war ein bisschen der Urgedanke für Holzachterbahnen. Es gibt viele, die wurden in den 1930er oder 40er Jahren gebaut und die stehen immer noch. Holz ist ein sehr sicherer Baustoff.

Zischup: Kommen die Ideen für die Bahnen von Ihnen, Ihrem Bruder oder Vater oder haben Sie Ingenieure, die die Ideen für Sie sammeln oder entwickeln?
Mack: Das ist unterschiedlich. Mein Bruder und ich sind seit sechs Jahren in der Geschäftsführung. Wir haben aber davor schon hier im Park gewohnt und natürlich immer dem Papa gesagt, bau mal sowas oder bau sowas. Aber es ist so ein Zusammenspiel. Mein Vater ist ja auch viel unterwegs, in diesem Jahr war er Präsident des Weltverbandes der Freizeitindustrie (IAAPA). Von dort bringt er ständig neue Ideen mit. Aber wir haben auch eine eigene Designabteilung, die ständig nach Neuem sucht und ständig neue Konzepte vorstellt.

Zischup: Also, die fahren dann auch nach Amerika und suchen dort?
Mack: Ja. Zum Beispiel fahren meine Eltern heute Abend wieder, weil nächste Woche eine große Messe in den USA ist, wo "Mack Rides", unser Familienunternehmen, auch einen Stand hat. Wir haben eine sehr große Weltmesse und da gibt es verschiedene Hersteller. Dort stellen wir unsere Achterbahnen vor, schauen natürlich auch, was die Konkurrenz anbietet und werden auch die Trends erleben. Und in dem Zusammenhang gehen wir auch in viele Freizeitparks. Wenn man drüben in Amerika ist, gibt es auch viele schöne Parks und dann schaut man sich die natürlich auch an.

Zischup: Wie planen Sie jetzt die Erweiterung des Europa-Parks, da ja schon alle 16 Euroländer vorhanden sind?
Mack: Na gut, mit der Osterweiterung gibt es jetzt etwas mehr europäische Länder. Deswegen gibt es auch die Möglichkeit, uns Richtung Osten weiter zu entwickeln. Wir haben ja ohnehin nicht das politische Europa genommen, sondern das geographische Europa. Deswegen haben wir ja auch Russland, was nicht zur EU gehört, aber zum geographischen Europa. Daher gibt es noch viele Möglichkeiten. Zum Beispiel Kroatien, Ungarn oder Polen. Es gibt ja noch viele Länder, die da in Frage kommen können.

Zischup: Gibt es neue Attraktionen, die für den Park geplant sind?
Mack: Also wer uns, die Familie Mack, kennt, der weiß, dass wir ständig neue Ideen haben. Im nächsten Jahr wird es die Erweiterung vom Märchendorf geben und im Jahr darauf wird es eine neue große Attraktion geben. Wir haben schon Ideen, aber das bleibt noch geheim.

Zischup: Die Firma Mack hat ja ganz am Anfang Fuhrwagen und Postkutschen gebaut. Wie kam man denn von Fuhrwagen, die Leute von A nach B gebracht haben, dazu, die Leute zu bespaßen, also dazu, dass sie gar nicht mehr so große Distanzen zurücklegen sollen?
Mack: Also, das war halt so eine Entwicklung. Wir haben ursprünglich mal Postkutschen und Kutschen für den Leichentransport gebaut. Das war vor 230 Jahren. Irgendwann sind wir auf die Schaustellerei umgestiegen. Die Schaustellerei ist dann auch langsam hoch gekommen, immer mehr Familien sind mit Attraktionen herumgereist und wir haben die Wohnwagen gebaut für das fahrende Volk. Wir waren Marktführer. Heute immer noch. Wer einen "Mack-Wagen" hat, der kann sich richtig glücklich schätzen, das ist eine richtige Attraktion geworden. In dem Zusammenhang hat man dann viel Kontakt mit den Schaustellern gehabt, die Attraktionen zu bieten hatten. Deswegen haben wir uns irgendwann mal gedacht: "Mensch, wir haben das technische Know-how, um Wagen zu bauen." Wir haben uns dann eben weiterentwickelt, Achterbahnen gebaut und dann später hier den Europa-Park. Das war die logische Folge.

Zischup: Wie hat man das mit der Lärmbelästigung für die Stadt Rust geklärt?
Mack: Also es ist so, dass der Park sehr nahe am Dorf ist. Es war ja früher so, dass wir keine eigene Autobahnausfahrt hatten. Dafür haben wir viele Jahre gekämpft, weil der Verkehr durch Kappel, Grafenhausen und Niederhausen geführt werden musste. Jetzt haben wir eine eigene Autobahnausfahrt. Das ist wirklich schon eine Verbesserung für die ganze Bevölkerung. Es ist so, dass wir die ganz normalen Betriebszeiten einhalten. Der Park hat ja geöffnet von halb neun, neun und bis abends achtzehn, neunzehn Uhr, im Sommer ein bisschen länger. Aber die Ruster Bevölkerung hat ja freien Eintritt. Seit Gründung des Parks darf jeder Ruster Bürger umsonst in den Europa-Park und es ist ja für den Ruster auch sehr viel geboten, sehr viele Veranstaltungen, die er besuchen kann. Und somit haben wir ein sehr gutes Verhältnis mit der Region und mit dem Dorf.

Zischup: Wie regeln Sie es, falls einmal "Silverstar" oder " Blue Fire" ausfällt?
Mack: Zum Glück passiert das recht selten. Jeden Tag werden ja von sechs bis neun Uhr die Bahnen überprüft. Es gibt natürlich immer mal eine technische Störung, die aber in der Regel innerhalb weniger Minuten behoben ist. Wir haben ja elf große Attraktionen, da kann man immer leicht auf eine andere ausweichen. Wir versuchen dann auch immer, so schnell wie möglich die anderen Bahnen zum Laufen zu bringen. Was zum Beispiel ein Problem ist, ist die Kälte.Manche Bahnen können erst ab einer Temperatur von fünf Grad fahren. Denn sonst bleibt der Zug in der Bahn hängen. Deswegen müssen wir da immer aufpassen, dass die Temperaturen auch stimmen.

Zischup: Was ist Ihrer Meinung das Erfolgsrezept des Europa-Parks? Denn es ist ja irgendwie eine Kunst, Ortsansässige zu fesseln, damit sie immer wieder hierher kommen, aus der näheren Region?,
Mack: Also ich glaube die Familie Mack lebt das ein bisschen vor. Wir sind sehr authentisch. Wir legen sehr viel Liebe ins Detail und wir reinvestieren jedes Jahr. Es gibt kein Jahr, in dem es im Europa-Park nichts Neues gibt. Deswegen haben wir einen so hohen Anteil an Wiederholern. 80 Prozent unserer Gäste kommen wieder. Ich glaube, was ein wichtiger Fakt ist, ist dass die ganze Familie Spaß bei uns hat. Nicht nur der Jugendliche auf der Achterbahn, sondern auch der 60-Jährige, der sich eine schöne Show oder die tolle Gartenlandschaft anschauen kann. Also es ist für jeden etwas dabei.

Zischup: Sie stellen ja die Länder in Europa dar. Fahren Sie dann auch in die verschiedenen Länder, um sich die Architektur und die Natur anzuschauen?
Mack: Ja klar. Zum Beispiel für das neue Hotel im neuenglischen Stil war ich zweimal drüben in Boston. Wenn wir einen neuen Stadtteil bauen, sind wir natürlich im Land selbst, um die Menschen, das Essen, die Kultur und die Architektur anzuschauen. Weil das ganz wichtig ist, dass man auch authentisch bleibt.

Zischup: Hatten Sie schon immer vor, für den Europa-Park zu arbeiten oder wollten Sie auch mal etwas anderes arbeiten?
Mack: Eigentlich nicht. Wir sind schon sehr früh an den Park herangeführt worden. Schon als Jungs haben wir im Park gearbeitet. Da waren wir, glaube ich, zwölf oder 13. Unser Vater hat uns auch früh schon in andere Freizeitparks geschickt, um dort in den Ferien zu arbeiten. Als ich 16 war, war ich in Australien, mit 17 in den USA. Nach dem Abitur habe ich Zivildienst beim Roten Kreuz gemacht und war dann 13 Monate lang Krankenwagenfahrer. Dort dachte ich dann: "Mensch, Medizin, das würde mir vielleicht auch Spaß machen." Aber ich habe dann gedacht, nee, das kann ich eigentlich nicht so gut gebrauchen und habe dann eben Hotelbetriebswirtschaft studiert. Für uns war das immer schon klar, hier einzusteigen und es macht uns auch jeden Tag Spaß.

Zischup: Sie sagten, sie sind schon, als sie jung waren, in anderen Parks gewesen. Haben Sie dort auch Berufserfahrung gesammelt oder ist es hauptsächlich hier gewesen?
Mack: Ich habe in der Schweiz Hotelwirtschaft studiert und habe dann als Koch gearbeitet, im Schwarzwald. Dann habe ich im Service gearbeitet in Straßburg im "Crocodile". Dann war ich in Paris in einem großen Hotel. Auch in München habe ich gearbeitet und war in Südafrika. Ich habe sehr viel Auslandserfahrung und Erfahrung in Betrieben, die nichts mit Freizeitparks zu tun haben.

Zischup: Da Sie hier ja allgemein für die Gastronomie zuständig sind, kochen Sie selber gerne und was ist Ihr Lieblingsgericht?
Mack: Also, ich koche wirklich gerne, aber ich komme leider viel zu selten dazu. Was ich sehr gerne esse, ist thailändisch. Was ich, glaube ich, gut kochen kann, ist Pasta in allen verschiedenen Variationen. Das mache ich sehr gerne. Ich habe auch eine Zeit lang in Italien gelebt und habe dort die italienische Küche lieben gelernt. Also italienisch und thailändisch mag ich sehr gerne.

Zischup: Gibt es im Europa-Park auch Ferienjobs für Jugendliche?
Mack: Natürlich. Du musst aber ein gewisses Alter haben. Dann darfst du in den Ferienzeiten hier ganz normal arbeiten. Wir haben sogar viele Schüler und Studenten, die in der Ferienzeit hier arbeiten und sich damit zum Beispiel den Führerschein finanzieren. In der Gastronomie, im Shopping, in verschiedenen Bereichen.