Schule zwischen Huhn und Schaf

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Sa, 11. September 2021

Emmendingen

Für 16 Sommerschüler im Schulbauernhof begann das Schuljahr mit eindrucksvollen Erlebnissen auf der Domäne Hochburg.

. Für 16 ehemalige Drittklässler der Schulen aus Emmendingen und in diesem Jahr erstmals auch aus Sexau begann das neue Schuljahr eine Woche vor dem eigentlichen Startschuss. Sie nutzten, empfohlen von ihren Lehrern, das Angebot der Sommerschule auf der Hochburg, das es seit 2013 gibt: Eine Woche Ganztagsschule, während der sie Lernen ganz neu erlebten und nach der sie sich, so zumindest der neunjährige Melvin, "besser" als ihre zukünftigen Viertklassmitschüler vorbereitet sehen.

Schulzeit, doch eine ganz andere, erleben die Sommerschulkinder. Zum einen, weil zu festen Zeiten auf ihrem Stundenplan auch die Pflege der Tiere des Schulbauernhofes gehört, zum anderen, weil sie bei der geringen Teilnehmerzahl Unterricht in kleinen Gruppen haben. Bevor sie jedoch zu Papier und Stift greifen, nehmen sie Schubkarren, Striegelbürsten, Gießkannen sowie Mistrechen und Schaufeln zur Hand. Daran, dass bei den Ponys im Freilauf und Stall "überall Kacka liegt", so die neunjährige Mina, und es "dazu noch stinkt", so die gleichaltrige Mia, mussten sie sich erst noch gewöhnen. Wirklich stinken tut es ihnen nicht, denn mit Begeisterung machen sie sich nach der Begrüßungsrunde auf zu den zwei Ponys, zwei Schafen und sechs Zwerghühnern des Schulbauernhofs. "Die Kinder sehen und lernen dabei, dass Tiere nicht nur nett sind, sondern auch eine ganze Menge Arbeit machen", betont Felix Hausen vom Team des Schulbauerhofs Domäne Hochburg.

Eindeutig, die Tiere sind das Highlight und liebevoll werden diese gestriegelt, gestreichelt und die kleinen Hühner auf den Schoss genommen, um ihnen mit der flachen Hand Futter zu reichen. Asnar (9) gefallen die Schafe am besten, "weil die ein so schönes Fell haben". Auch wenn die gelegentlich bockig sind. Noahs (10) Lieblinge sind die Hühner und die Mädchen begeistern sich für die Ponys, auch wenn "Gänseblümchen" und "Krümel" mittlerweile zu alt sind, um auf ihnen reiten zu können.

Aus der praktischen Arbeit auf dem Hof ergeben sich dann auch Anknüpfungspunkte für den Unterricht. Wer sich auf der Domäne umgeschaut und bei den Betreibern erkundigt hat, wie viele Hühner, Kühe, Ziegen, Gänse dort leben, kann dann auch ausrechnen, wie viele Tiere dort insgesamt leben. Doch bevor es daran geht, macht Tanja Steiert, Grundschullehrerin in Emmendingen-Wasser, erst einmal eine spielerische Konzentrationsübung mit den Schülern. Beim eigentlichen Rechnen hat sie dann viel Zeit, um von Pult zu Pult zu gehen, auf sämtliche Fragen und Einwürfe der Schüler einzugehen. Im Deutschunterricht bei Sabine Rees, Grundschullehrerin aus Teningen, ist es nicht anders, wenn es um Worte mit b oder p geht.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen und einer Spielpause steht dann nochmals praktisches auf dem Stundenplan. "Seit Corona müssen wir aus Hygienegründen auf die Verarbeitung von Lebensmitteln verzichten", bedauert Iris Schindler. Alternativ wird jetzt unter anderem die Verarbeitung von Wolle thematisiert, bevor es zum Abschluss nochmals zu den Tieren geht.

Die Teilnahme an der Sommerschule wird immer von den Lehrern den Schülern nahegelegt, bei denen sie den Eindruck haben, dass diese Vorbereitung auf die nächste Klasse ganz gut täte. Es ist somit kein Angebot der Ferienbetreuung, das zudem auch noch kostenlos ist, verdeutlicht Schindler, die in Herbolzheim unterrichtet. Das Schulamt rechne den teilnehmenden Lehrkräften die Sommerschulzeiten auf das Deputat an, die Sachkosten inklusive des Mittagessens, das ein Öko-Caterer liefert, sowie weitere Personalkosten, träge die Ökostation. Gefördert wird das Projekt auch mit Landesmitteln.