Gurtnellen

Felssturz am Gotthard: Der Berg bewegt sich immer

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Mi, 13. Juni 2012

Schweiz

Der Mensch geht immer größere Risiken ein, um seine Mobilitätsansprüche zu befriedigen. Doch an der Gotthard-Bahnstrecke herrscht nach einem Felssturz, bei dem ein Mann ums Leben kam, erst einmal Stillstand.

Wehmütig schaut Hans-Dieter Holste hinauf zum Berg, zu dem Eisenbahnviadukt mit den steinernen Pfeilern und den Rundbögen. Ein einziger Satz kommt zunächst über seine Lippen: "Man vermisst es." Erst nach einer kurzen Pause wechselt der 70-jährige Rentner die Tonlage und vom unpersönlichen man zum ich: "Ich weiß immer, wie spät es ist." In diesem Moment müsste ein Zug über die Brücke rollen, gut sichtbar nur 200 Meter Luftlinie entfernt, vor allem aber gut hörbar von der Brücke herunter, die in einer Zeit gebaut wurde, als Lärmschutz noch kein Thema war. Der Zug müsste kommen – aber er kommt nicht. Und der nächste wird auch nicht kommen, auch morgen werden sie nicht fahren. Denn derzeit ist eine der wichtigsten Verkehrsadern durch die Alpen gesperrt. Das Nadelöhr ist seit einem Felssturz verstopft.

An keinem anderen Ort ist der Begriff Nadelöhr so anschaulich wie in Wassen. Wer vom Platz vor der bekannten Kirche hinunterschaut ins Tal, sieht eine Autobahn samt Ein- und Ausfahrt, eine Straße sowie einen Fluss. Davor und dahinter geht es jeweils steil bergauf. Wer wie Hans-Dieter Holste, der vor gut 50 Jahren auf der Suche nach Arbeit von der Insel Norderney hierher kam, Züge bewundern will, der ist in Wassen am richtigen Ort. Er hat den dreifachen Genuss, denn hier schlängelt sich der Schienenverkehr in drei Etagen hoch, die Kehren sind in den Berg hineingebaut. Für alles andere fehlt einfach der ...

BZ-Archivartikel

Einfach registrieren und Sie können pro Monat 15 Artikel kostenlos online lesen - inklusive BZ Plus und BZ-Archivartikeln.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 15 Artikel pro Monat kostenlos
  • Exklusive BZ Plus-Artikel lesen
  • Online-Zugriff auf BZ-Archivartikel
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat
  • An 18 Standorten in Südbaden – von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten
  • Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.
  • Komfortable Anzeigenaufgabe und -verwaltung
  • Weitere Dienste wie z.B. Nutzung der Kommentarfunktion

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ